Interview mit Helmut Müller

Wer steckt eigentlich hinter dem Neuen Anfang? Wir führen Sie „backstage“ und stellen in loser Folge Gesichter der Initiative Neuer Anfang vor. Heute im Gespräch: Helmut Müller. Die Fragen stellte Patricia Haun.

Lieber Helmut, Du bist schon seit der Namensfindung „Neuer Anfang“ im Team des Neuen Anfangs. Was hat Dich bewogen, bei unserer Initiative mitzuarbeiten und wie kam es dazu?

Ich wurde angefragt, einen Artikel über Naturrecht zu schreiben.

Wo hast Du Deinen Platz im Team gefunden und was sind Deine Aufgaben?

Seit meinem ersten schriftlichen Beitrag wird die Tinte nicht trocken, um für den Neuen Anfang zu schreiben. Ich sehe es als meine Aufgabe, das bewährte Gute, Wahre und Schöne des katholischen Glaubens auf einer mittleren Abstraktion in Teamgesprächen und schriftlich gegenwärtig zu halten und an die nächste Generation weiterzureichen. Mit Goethes Faust gesprochen: “Vom farbigen Abglanz haben wir das Leben.” Eine Fronleichnamsprozession ist so ein Abglanz. Nichtsdestotrotz leben wir aus der Tiefe unseres Glaubens.

Was macht für Dich den Unterschied zwischen Theologie und Philosophie aus und warum ist es gut, einen Philosophen im Team des Neuen Anfangs zu haben?

Philosophie sollte weiter die Magd der Theologie bleiben, nicht übermütig werden, ihre Grenzen kennen, das heißt in der Spannung von Demut und Wagemut der Theologie zur Seite stehen und dankbar sein, dass der dreifaltige Gott sich uns im Sohn gezeigt hat. Wir sollten nicht den Weg unserer Stammeltern Adam und Eva weiter beschreiten, sondern einem anderen Paar – der neuen Eva, Maria, und dem neuen Adam, Christus – folgen, so wie sie uns in der Lehre der Kirche begegnen. Philosophie ist in diesem Vergleich eine „weltkundige Magd“, die den Weg rückwärtig sichert, vorwärts schaut, aber auch aufwärts blickt. In allem ist sie Magd. Ob das gut ist, einen Philosophen im Team zu haben, muss sich noch zeigen.

Wo findet man Dich, wenn Du nicht für den Neuen Anfang aktiv bist? 

  • Auf dem Fahrrad über die Rheininsel Niederwerth fahren,
  • in Schreib- und Lesepausen beim Kaffee und am Wochenende beim Rotwein trinken – wenn es geht, nicht allein 
  • und als Pensionär meiner Frau und den Kindern zur Hand gehen – hoffentlich eifriger als es meinem Temperament entspricht -, wenn Not am Mann und Vater, wohl bald auch Großvater, ist.

Hoffentlich nicht nur im Sessel bei der Fußballweltmeisterschaft, sondern noch möglichst oft beim Aufspringen aus demselben und jubeln.

Was magst Du uns über Dich verraten?

Was ich gerade eben geschrieben habe, und dass ich beim Neuen Anfang zu den Langzeitkatholiken zähle – ab Taufe, von der ich nur weiß, dass ich dabei war. Als Jugendlicher ist mir mal vor gut 50 Jahren die Puste ausgegangen. Eine Begegnung mit der Schönstattbewegung hat mich wieder Glaubensluft einatmen lassen. Aber das Theologiestudium hat mich dann wieder in Atemnot gebracht. Doch das Terzett Robert Spaemann, Papst Johannes Paul II. und Kardinal Ratzinger hat mich schließlich mit gemeinsamen Kräften wieder beatmet und zwar philosophisch und theologisch in einem neuen Verbund.

Welcher Ort bedeutet für Dich Heimat?

Als Saarländer lebt man außerhalb des Saarlandes immer als Migrant. So hat man dann auch einen Begriff davon, dass unsere eigentliche Heimat der Himmel ist. Das habe ich auch kürzlich in einem Buch zu Papier gebracht: Menschsein zwischen Himmel und Erde.

Wenn Du drei Wünsche frei hättest für die Kirche in Deutschland, welche wären das?

  • Einmal, dass man sinnvoller mit Kirchensteuergeld umgeht.
  • Dann, dass sie „Hab Mut, steh auf“ im Kontext dessen, wo es gesagt wurde, versteht: Geh Christus entgegen.
  • Schließlich wieder das wird, was sie sein sollte: Signum levatum: Hocherhobenes Zeichen unter den Völkern werden. „Völker“ im eigenen Land gibt es ja genug.

Wie stellst Du Dir den Himmel vor?

Weniger als Schlaraffenlandglück, sondern mehr als Beziehungsglück, wie ich es in meiner Kindheit und Jugend erlebt habe. Seit ich aber in einem Aktenzeichen XY Beitrag das Opfer eines Verbrechens sagen hörte auf die Frage, wen sollen wir von ihrem Schicksal benachrichtigen – Ich habe niemand – seitdem denke ich neu über das nach, was Himmel ist.

Wer ist Dein Lieblingsbibelheld (außer Jesus)?

Jeremia als treu den Auftrag Gottes Durchführender und der sich danach sehnte, einmal Heil zu verkünden und nicht immer Strafgerichte, und der das Gott auch sagte.

Gibt es eine(n) Lieblingsheilige(n)?

Augustinus als leidenschaftlich Suchender, der erkannt hat: Intus eras, ego foris. Du warst in mir, ich aber war außer mir.

Welche Geistesgabe hättest Du am liebsten, wenn Du wählen dürftest?

Auch eine Eigenschaft von Augustinus: Wenn ein Ruf folgt: Steh auf, mich nicht bloß im Bett auf die andere Seite wälzen, weil es dort so schön warm und weich ist, sondern tatsächlich aufstehen.


Dr. phil. Helmut Müller
Philosoph und Theologe, akademischer Direktor am Institut für Katholische Theologie der Universität Koblenz. Autor u.a. des Buches „Hineingenommen in die Liebe“, FE-Medien Verlag.  Helmut Müller ist Mitautor des Buches „Urworte des Evangeliums“.


Beitragsfoto: privat

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