Interview mit Peter Winnemöller
Wer steckt eigentlich hinter dem Neuen Anfang? Wir führen Sie „backstage“ und stellen in loser Folge Gesichter der Initiative Neuer Anfang vor. Heute im Gespräch: Peter Winnemöller. Die Fragen stellte Patricia Haun.
Lieber Peter, Du gehörst seit November 2024 zum Team des Neuen Anfangs. Was hat Dich damals bewogen, bei unserer Initiative mitzuarbeiten und wie kam es dazu?

Der Auslöser war sehr banal. Nach Ende meiner Beschäftigung bei der Tagespost hatte ich Zeit. Ich war dann als Gast zur wöchentlichen Konferenz der Mitarbeiter des Neuen Anfangs, eingeladen. Das Gespräch war toll und sehr interessant. Spontan fragte mich Bernhard Meuser, ob ich mir eine Mitarbeit vorstellen könnte und genauso spontan habe ich zugesagt. Das habe ich keine Minute bereut. Ich bin dankbar für jeden Tag, an dem ich mit meinen bescheidenen Mitteln mitwirken kann.
An welchen Stellen konntest Du Deine Kompetenzen einbringen und wo ist jetzt Dein Platz im Team?
Bei meinem Berufsweg und meiner Ausbildung fanden sich 2 ½ Beschäftigungsfelder. Das ist zum einen die Tatsache, dass ich Theologie studiert habe. Also habe ich mich gerne an den Denkprozessen beim Neuen Anfang beteiligt. Ein klein wenig konnte ich in der Technik unterstützen, das ist das halbe Feld. Mit meiner Erfahrung in Sachen Internet, WordPress und Kommunikationstechnik allgemein konnte ich an einigen Stellen hilfreich sein. Der zweite volle Bereich ist die Tätigkeit als Autor. Schreiben ist meine Leidenschaft und es ist das, worin ich den Neuen Anfang auch weiterhin unterstützen will. Es ist ja das eine, als Thinktank unterwegs zu sein, aber es braucht auch Autoren, die die Dinge für normale Leser herunterbrechen.
Wie nimmst Du in der Außensicht als Journalist den Neuen Anfang wahr?
Da ist zum einen der Punkt, dass katholische Initiativen, egal wo sie im kirchlichen/kirchenpolitischen Spektrum verortet sind, in der Medienwelt keinerlei Rolle spielen. Da bildet der Neue Anfang keine Ausnahme. Selbst die Pressemeldungen der Deutschen Bischofskonferenz sprengen nur in wenigen Ausnahmefällen die katholische Filterbubble. Das ist etwas, das man sich eingestehen muss.
Es ist insofern kein Problem, als der Neue Anfang innerhalb der Kirche und auch innerhalb der kirchlichen Medien eine immer breiter werdende Wahrnehmung findet. Die katholische Welt ist außerordentlich inhomogen. Mit den Vertretern vom ZdK verbindet die Mitglieder und Freunde des Neuen Anfangs kaum etwas. Das gilt auch vice versa.
Dem Neuen Anfang gelingt es allerdings immer wieder und immer häufiger, auch in den Kreisen, die ihm nicht zustimmen, Aufmerksamkeit zu finden. Dabei gilt es Rückschläge und äußerst schlechte und unfaire Berichterstattung hinzunehmen. Doch da gilt der alte Grundsatz: Öffentlichkeit ist Öffentlichkeit.
Dass es immer wieder gelingt, auf ganz unterschiedliche Weise öffentlich zu werden, ist sehr viel.
Welchen Stellenwert in der katholischen Welt misst Du der Initiative zu?
Ich verwende für den Neuen Anfang gerne den Begriff Thinktank. Der Neue Anfang erfüllt in unterschiedlichen Zusammenhängen die Rolle als Gedankengeber, Ideengeber, Denkschule, Netzwerker und neben anderen Aspekten nicht zuletzt als Lagerfeuer.
Es geht darum, Themen zu setzen. Einheit ist so ein Thema, das der Neue Anfang derzeit als Schwerpunktthema gesetzt und auf verschiedene Weise verarbeitet hat. Solche Themen, in denen der Neue Anfang teilweise zunächst einmal verborgen denkt und sich mit anderen Denkern vernetzt, gibt es viele.
Das formelle Ende des Synodalen Weges hat sehr viel Raum geschaffen, nicht nur tiefgreifender zu arbeiten, sondern auch die Notwendigkeit ständig reaktionsbereit zu sein, beseitigt. Damit kann mehr aktiv nach vorne gedacht und gearbeitet werden. Auch in Fragen von Synodalität, bei denen ja ehrlicherweise jeder außerhalb des Synodalen Weges zugeben wird, dass das derzeit nichts als ein großes kirchliches Lernfeld ist, das uns Papst Franziskus hinterlassen hat. Die afrikanischen Kirchen sind uns da um einiges voraus und das obwohl afrikanische Bischöfe nur allzu gerne über einen lausigen Klerikalismus klagen.
Wenn Du nicht für den Neuen Anfang aktiv bist, wo findet man Dich dann?
Zuerst natürlich hier. Statement ist ein internationales Medienprojekt, das eine europäische konservativ-liberale Stimme in das globale Medienkonzert bringt. Ferner findet man Texte von mir im Autorenkollektiv Achse des Guten. Für das Bistum Regensburg schreibe ich eine wöchentliche Kolumne zu weltkirchlichen Themen. Und natürlich die Kolumne „Der Montagskick“ auf kath.net.
Was magst Du uns noch über Dich verraten?
Nichts. Und damit habe ich für einen Westfalen schon sehr viel verraten.
Welcher Ort bedeutet für Dich Heimat?
Dank meiner Wanderexistenz ist mir der Begriff Heimat etwas fremd. Im Alter von 5 Jahren hatte ich vier Umzüge hinter mir. Dann wurde es etwas ruhiger und ich durfte in der schönen Stadt Osnabrück aufwachsen. Anfang 20 gewann der Wandertrieb allerdings wieder Oberhand. Mein Leben führte mich über mehrere Stationen, manche davon sehr kurz, berufsbedingt quer durch Deutschland. Dann landete ich über Bad Driburg zunächst in Paderborn und später in Geseke (niemand muss wissen, wo das liegt). Dabei war mit Anfang 20 mein Ziel, später einmal in London zu leben. Das Ziel war die Metropole, in der ich mich bis heute sehr gerne aufhalte.
Heimatgefühle verbinde ich ehrlich gesagt mit keinem dieser Orte. Daher habe ich auch ein sehr ambivalentes Verhältnis zu dem Begriff Heimat. Einerseits ist Heimat wichtig, weil wir als Menschen Wurzeln brauchen und wissen sollen, wo sie sprießen. Andererseits führt ein Vagabundenleben dazu, mit Heimat eher die ewige Heimat zu verbinden. Ob ich hier auf der Erde schon am Ende der Reise bin oder noch Stationen kommen? Wer will das sagen?
Wenn Du drei Wünsche frei hättest für die Kirche in Deutschland, welche wären das?
Missionare für die Erstverkündigung, Katechese für Alt und Jung, und Bischöfe, die beides fördern.
Wie stellst Du Dir den Himmel vor?
Taliter, sed totaliter aliter.
Es gibt diese wunderbare Geschichte von zwei Mönchen. Diese malen sich schon seit dem Postulat in der Rekreation aus, wie wohl der Himmel sein wird. Als sie älter werden, verabreden sie, dass derjenige, der als erster stirbt, dem anderen im Traum verrät, wie der Himmel wirklich ist. Da sie nicht wissen, wie viele Informationen sie in einem Traum überbringen können, verabreden sie zwei Stichworte.
Taliter – für: es ist genauso, wie wir es uns vorgestellt haben.
Aliter – für: es ist anders.
Nachdem der eine der beiden verstorben ist, sah der überlebende Mönch seinen Mitbruder wenige Tage später im Traum und er hörte die Worte:
Taliter, sed totaliter aliter.
Wer ist Dein Lieblingsbibelheld (außer Jesus)?
Petrus, mein Namenspatron. Er ist kein Superheld. Er hat keine Superkraft. Seine Stärke ist das Durchhaltevermögen. Er gibt nicht auf. Er kehrt immer wieder um, egal wie oft er in die falsche Richtung läuft. Er steht immer wieder auf, egal wie oft er fällt.
Gibt es eine(n) Lieblingsheilige(n)?
Sie ist nicht heilig aber ich hoffe, ihre Seligsprechung noch erleben zu dürfen:
Madeleine Delbrêl
Madeleine ging in eine vollkommen atheistische Umwelt und lebte dort ein beeindruckendes Zeugnis. Sie nahm in ihrem Leben eigentlich das II. Vatikanische Konzil vorweg. Wer mehr von Madeleine wissen will, findet reichlich Literatur aus ihrer Feder. Wichtig für unsere Zeit ist ihr Buch: Auftrag des Christen in einer Welt ohne Gott
Und wer Madeleine wirklich näher kennenlernen will, (Achtung, temperamentvolle Südfranzösin!) lese das Gedicht:
Der Ball des Gehorsams
(Hier ein Auszug aus dem Gedicht:)
«Wenn wir wirklich Freude an dir hätten, o Herr,
Könnten wir dem Bedürfnis zu tanzen nicht widerstehen,
Das sich über die Welt hin ausbreitet,
Und wir könnten sogar erraten,
Welchen Tanz du getanzt haben willst,
Indem wir uns den Schritten deiner Vorsehung überließen.»
Welche Geistesgabe hättest Du am liebsten, wenn Du wählen dürftest?
Unter den Geistesgaben ist es eindeutig die Frömmigkeit, denn ich bewundere fromme Menschen. Bereits als Kind habe ich die Frömmigkeit meiner Großmutter sehr bewundert. Das Wissen um ihr Gebet war mir immer wertvoll, selbst in meinen atheistischen Jahren.
Unter den Geistesfrüchten ist es übrigens die μακροθυμία (Langmut oder Geduld), die mich am allermeisten fasziniert. Die Faszination speist sich aus der Erkenntnis, dass ich sie einerseits für unglaublich wichtig halte, obwohl ich selbst doch eher zu der Sorte Menschen gehören, die bitten:
Herr gib mir Geduld, aber flott.
Peter Winnemöller
Journalist und Publizist. Autor für zahlreiche katholische Medien. Kolumnist auf dem Portal kath.net. Im Internet aktiv seit 1994. Eigener Weblog seit 2005. War einige Jahre Onlineredakteur bei „Die Tagespost“. Und ist allem digitalen Engagement zum Trotz ein Büchernarr geblieben.
Beitragsbild: Adobe Stock
Autorenportrait: privat

