Interview mit Martin Grünewald
Wer steckt eigentlich hinter dem Neuen Anfang? Wir führen Sie „backstage“ und stellen in loser Folge Gesichter der Initiative Neuer Anfang vor. Heute im Gespräch: Martin Grünewald. Die Fragen stellte Patricia Haun.
Lieber Martin, Du bist schon ziemlich von Beginn an im Team des Neuen Anfangs. Was hat Dich bewogen, bei dieser Initiative mitzuarbeiten und wie kam es dazu?

Seit meiner Erstkommunion bin ich bis heute nahezu ununterbrochen ehrenamtlich in der Kirche engagiert. Ich habe meine Berufung darin gesehen, als Laie die Welt mitzugestalten. Innerkirchliche Vorgänge haben mich fast nicht interessiert. Das änderte sich schlagartig im November 2021. Damals veranstaltete die Initiative „Neuer Anfang“ ein Online-Studienseminar. Einer der Referenten war der in Rom lebende Kardinal Walter Kasper. Er sagte dabei zum „Synodalen Weg“: „… damit wird dem Bischofsamt das Genick gebrochen“. Das hat mich elektrisiert und veranlasst, alle bereits vorliegenden Texte des „Synodalen Wegs“ zu lesen. Deren Inhalte haben mich zum Widerspruch aufgefordert.
Wo hast Du Deinen Platz im Team gefunden und wo kannst Du Deine Kompetenzen einbringen?
Seit Dezember 2021 gehöre ich zum Team, das sich regelmäßig im Zoom trifft. Wochenlang war ich nahezu staunend sprachlos und fasziniert von der gepflegten Synodalität und theologischen Fachkompetenz des Teams. Im April 2022 wurde ich – zu meiner eigenen Überraschung – gebeten, die neu geschaffene Geschäftsführung zu übernehmen. In den Anfängen war es wichtig, organisatorische und vereinsrechtliche Weichen zu stellen. Später habe ich die Arbeit des Kommunikations- und Redaktionsteams koordiniert. Momentan habe ich keinen festen Aufgabenbereich und bringe mich da ein, wo ich nützlich sein kann.
Du hast ja eine wunderbare Chronologie über den Verlauf des Synodalen Weges zusammengestellt, die zugleich auch die Entwicklung des Neuen Anfangs zeichnet. Wenn Du diese Zeitspanne rückblickend betrachtest, was hat Dich am meisten überrascht und wofür bist Du dankbar?
Papst Franziskus, der für weltweit 1,4 Milliarden Katholiken Verantwortung trägt, schreibt der Kirche in Deutschland rechtzeitig im Juni 2019 einen persönlichen, ausführlichen Brief, den die Teilnehmer des „Synodalen Weges“ (SW) offenbar unbeachtet zur Seite legen und das Gegenteil dessen machen, was ihnen der Papst ans Herz legt. Diese Selbstherrlichkeit hat mich am meisten überrascht. Das öffentliche Eingeständnis des damaligen Vorsitzenden der deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, dass der SW durch eine Erpressung zustande kam, dagegen kaum. Dankbar bin ich, dass der Heilige Stuhl in Rom sehr besonnen und klar seine Arbeit macht. Durch die Rom-Wallfahrten des Neuen Anfangs (NA) durfte ich inzwischen mehrere amtierende Kurienkardinäle persönlich kennenlernen. Sie haben mich sehr beeindruckt.
Wo findet man Dich, wenn Du nicht für den Neuen Anfang aktiv bist?
Ich arbeite weiterhin ehrenamtlich in meiner Pfarrgemeinde. Im Vorstand der Kolpingsfamilie bin ich auch für einen Familienhilfsfonds zuständig, der Kindern und Jugendlichen Bildungsmöglichkeiten bietet, die aufgrund finanzieller Engpässe in der Familie bedroht sind. Und als Vollblut-Journalist schreibe ich weiterhin für die katholische Nachrichtenagentur CNA, für den NA-Blog und für NA-Buchprojekte.
Was magst Du uns noch über Dich verraten?
Durch ehrenamtliches Engagement habe ich die Vielfalt der katholischen Kirche kennen- und schätzen gelernt. Das fing an als Ministrant und Lektor. Dann wurde ich mit 18 Jahren angesprochen, für die Pfarrjugend eine eigene Zeitschrift zu gründen und dann das Team zu leiten. Damals war ich durch ein spontan entstandenes Foto, das auf der Titelseite der Tageszeitung erschien, in die Welt des Journalismus katapultiert worden. Dann steigerte sich die Auflage bei einem neuen Projekt während des Studiums auf 20.000 Exemplare – wieder in ehrenamtlicher Funktion. Mit 28 Jahren wurde ich dann Chefredakteur des Kolpingmagazins, jetzt als berufliche Aufgabe mit einer bundesweiten Auflage von 200.000 Exemplaren.
Ich bin ein katholischer „Konvertit“. Obwohl ich sonntags den Gottesdienst besuchte und mich engagierte, war ich eher ein Kulturchrist ohne tragende Beziehung zum lebendigen Gott. Das änderte sich im Alter von 23 Jahren. Den Anstoß dazu gaben evangelische Freikirchler, die für meine Bekehrung beteten und denen ich auch sonst viel zu verdanken habe. Sie haben mir geholfen, besser katholisch zu werden.
In den 36 Jahren als Chefredakteur, die meiste Zeit auch als Pressesprecher, habe ich weitere Einblicke in die Vielfalt der Kirche gewonnen, dabei auch als beratendes Mitglied des Kolping-Bundesvorstands. Oder zum Beispiel bei Begegnungen mit anderen Chefredakteuren aus der katholischen Presse und bei Hintergrundgesprächen der Deutschen Bischofskonferenz. Ich bin gleichzeitig ein konventioneller und ein unkonventioneller Katholik. Denn am prägendsten war für mich nicht die Zeit als gewähltes Mitglied des Kirchenvorstandes in der Pfarrgemeinde, sondern die 14-jährige Mitarbeit in einer überpfarrlichen charismatischen Gruppe junger erwachsener Katholiken.
Welcher Ort bedeutet für Dich Heimat?
Heimat mache ich weniger an einem Ort fest. Heimat erlebe ich bei meinem Morgengebet, in der Anbetung. Wenn ich einen Ort nennen müsste, dann das Grab Adolph Kolpings in der Kölner Minoritenkirche. Oder noch eher den Petersplatz in Rom.
Wenn Du drei Wünsche frei hättest für die Kirche in Deutschland, welche wären das?
Die Zauberfee, die Wünsche erfüllt, gibt es nur im Märchen. Wenn wir das Leben Jesu und der Apostel betrachten, dann bestand das eher in einem gegenteiligen Erleben. Auch meinem Namenspatron wurden immer wieder Aufgaben aufgedrängt, die keineswegs seiner Neigung entsprachen. – Aber hier meine drei Wünsche:
-
- Mehr Lernen von der Weltkirche, weniger deutsche Überheblichkeit.
- Bessere Theologie mit mehr Aufgeschlossenheit für die Tatsache, dass Gott sich uns mitteilt und nicht wir die Kircheningenieure sind.
- Mehr Evangelisierung, mehr Katechese, mehr Jüngerschaft.
Wie stellst Du Dir den Himmel vor?
Meine Vorstellungen sind begrenzt durch die eher allgemeinen Andeutungen der Heiligen Schrift. Aufmerksam machen mich allerdings manche Schilderungen über den Himmel von Menschen mit Nahtoderfahrung.
Wer ist Dein Lieblingsbibelheld (außer Jesus)?
Joseph. Und die synoptischen Evangelisten. Sie berichten qualitativer als viele Journalisten heute.
Gibt es eine(n) Lieblingsheilige(n)?
Na klar: Mein Namenspatron Martin von Tours.
Welche Geistesgabe hättest Du am liebsten, wenn Du wählen dürftest?
Paulus schreibt im ersten Korintherbrief, dass die Geistesgaben für die anderen nützlich sein sollen, nicht für die Person selbst. Das erlebe ich genau so im Team des Neuen Anfangs. Die Synthese macht den Erfolg! Voraussetzung ist offenbar die Bereitschaft zu einem „hörenden Herzen“. Ui! Das bleibt eine lebenslange Herausforderung und enthält vielleicht den größten Wunsch!
Martin Grünewald
Der Journalist war 36 Jahre lang Chefredakteur des Kolpingblattes/Kolpingmagazins in Köln und schreibt heute für die internationale Nachrichtenagentur CNA. Weitere Infos unter: www.freundschaftmitgott.de
Martin Grünewald ist Mitautor des Buches „Urworte des Evangeliums“.
Beitragsbild und Autorenportrait: © Martin Grünewald für „Initiative Neuer Anfang“

