Es war, als ob sich die Schwaden vieler Nebelgranaten von einem Augenblick auf den anderen aufgelöst hätten. Das Zauberwort hieß: „Nicht einverstanden“. Und zwar mit einer Segenspraxis jenseits von Fiducia supplicans! Wo Konsens und Dissens liegen, ist nun wohldefiniert. Nun wird offenbar, wie und wo jeder Bischof in Deutschland zum römischen steht. Ein weiterer Beitrag von Martin Brüske
Die Nebel lichten sich …
Seitdem wenige Tage nach dem Tod von Papst Franziskus die gemeinsame Konferenz aus ZdK und DBK – obwohl unter den Bischöfen kontrovers – ihre Handreichung „Segen gibt der Liebe Kraft“ veröffentlicht hat, sind zahlreiche Nebelgranaten gezündet worden. Kritiker wurden brüsk zurückgewiesen: Die Verwechselbarkeit mit dem Ehesakrament habe man vermieden, offizielle liturgische Texte nicht formuliert, grundsätzlich habe Fiducia supplicans die Türen für den deutschen Weg geöffnet – und überhaupt sei man bestenfalls in kleinen, höchst verantwortlichen Schritten über diesen römischen Text hinausgegangen. Und das selbstverständlich in ständiger und erfolgreicher Abstimmung mit Rom! Alles in bester Ordnung also! Was die böswilligen Kritiker eigentlich wollten? Besonders der damalige Vorsitzende der DBK, Georg Bätzing, tat sich mit dieser durchaus aggressiv vorgetragenen Rhetorik hervor. Die Initiative Neuer Anfang verfügt über ein Maildokument eines Mitarbeiters von Bätzing im Sekretariat der Bischofskonferenz an die Gründer, das diesen Tonfall ins Beleidigende, aber auch schon ins Groteske, verschärfte. Offensichtlich sollte jede noch so sachlich und präzise vorgetragene Kritik als absurd abgeschmettert werden ….
Im Nebel aus den Nebelgranaten tat sich allerdings schon ein erster großer Spalt auf, als Kardinal Fernández sich veranlasst sah, die Mär von der Abstimmung mit Rom öffentlich – ein ganz ungewöhnlicher Schritt! – klarzustellen: Von Abstimmung konnte schlicht keine Rede sein! Denn der Text der Arbeitshilfe war in Rom in der veröffentlichten Fassung keinesfalls vorgelegt worden. Eine erste Fassung hatte man informationshalber(!) nach Rom geschickt. Der Kardinal hatte darauf brieflich und überdies deutlich kritisch reagiert. Die deutsche Seite behauptete, diese Kritik berücksichtigt zu haben. Ob auch nur ansatzweise befriedigend, steht in den Sternen, denn das Resultat wurde einfach beschlossen. Mit anderen Worten: Minimale Kontaktnahme und die vermutlich kleinstmögliche Reaktion auf die römische Kritik wurde suggestiv zur intensiven und – am Ende – zur Abstimmung im Konsens aufgebläht. Nebel über Nebel!
Die Klarstellung des Kardinals wurde allerdings in den interessierten – auch bischöflichen! – Kreisen Deutschlands geflissentlich überhört. Man tat konsequent weiter so, als ob man mindestens mit stillschweigender Billigung Roms handelte. Das ist nun vorbei! Mit zwei Worten – „nicht einverstanden“ – hat Papst Leo die Nebel aufgelöst und für Klarheit gesorgt. „Formalisierte“ Segnungen, die über Fuducia supplicans hinausgehen, finden nicht die Billigung des Heiligen Stuhls! Das ist – nach all den Nebelgranaten – eine neue Situation und womöglich eine entscheidende Wende.
Wie stehe ich zum Papst?
Denn Konsens und Dissens mit dem Bischof von Rom sind jetzt klar und eindeutig markiert und definiert. Es fällt auf, dass fast alle, die sich jetzt zu Wort gemeldet haben, nicht mehr behaupten, man sei gar nicht betroffen, weil man ja prinzipiell ganz auf der Linie von Fiducia supplicans liege. Offensichtlich haben jetzt viele realisiert, dass dieser Ausweg – der immer eine Manipulation darstellte – nicht mehr offensteht. Die zwei klaren Worte Leos haben gereicht, um den fragwürdigen Fluchtweg definitiv zu versperren. Das heißt: Jetzt ist offenbar – je nachdem wie sich ein Bistum, ein Bischof und letztlich jeder Verantwortungsträger, ja jeder getaufte Christenmensch in dieser Frage positioniert hat – ob er im Dissens oder im Konsens mit dem Bischof von Rom steht. Das ist für einen katholischen Christen keine ganz unbedeutende Frage. Nach Leos Intervention werden sich dieser Frage zumal die deutschen Bischöfe noch einmal neu stellen müssen. Nun heißt es: Farbe bekennen – ob man will oder nicht. Neutralität gibt es nicht mehr. Ausweichen ist nicht mehr möglich.
Dr. theol. Martin Brüske
Martin Brüske, Dr. theol., geb. 1964 im Rheinland, Studium der Theologie und Philosophie in Bonn, Jerusalem und München. Lange Lehrtätigkeit in Dogmatik und theologischer Propädeutik in Freiburg / Schweiz. Unterichtete bis 2025 Ethik am TDS Aarau. Martin Brüske ist Mitherausgeber des Buches “Urworte des Evangeliums”.
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