Wenn man Sehnsucht hat, aufrichtig die Lehre der Kirche zu erforschen, übernimmt der Heilige Geist gerne die Regie und schenkt viele weitere Früchte dazu. Barbara M. Auer schenkt uns ein Zeugnis über Herzensbildung sowie ein erprobtes Beispiel zum Studium des Weltkatechismus.

Wende durch Selbststudium

Mein vor einigen Jahrzehnten noch etwas verschrobenes Denken über „die Kirche“ hat mit dem Studieren des Weltkatechismus seine Wende bekommen. Ich möchte dieses Selbststudium wärmstens empfehlen.

Wir trafen uns zu dritt, an einem festgelegten Wochentag alle zwei Wochen. Die Ferien wurden ausgespart. Wir hatten den Treffen einen regelmäßigen Ablauf gegeben:

Beginn mit dem Gebet der Laudes. Die Kurzlesung darin haben wir durch das Tagesevangelium ersetzt, zu dem jeweils eine Person einen kurzen Impuls gab.
Dann folgte der Studienabschnitt. Jeder hatte den ganzen vereinbarten Abschnitt gelesen, musste aber jeweils nur ein Drittel des Textes kurz referieren. Im anschließenden Austausch kamen Fragen, Resonanzen, Freuden über den Inhalt ins Gespräch. Es wurden auch dazu aufkommende Lebenserfahrungen geteilt.
Nachdem jeder sein Drittel des Textes referiert hatte, schlossen wir eine Dankgebetsrunde an für alles das, was wir in unserem Austausch gelernt hatten.

Mit dem „Engel des Herrn“ schloss unser Treffen ab.

Entscheidende Impulse für den Glauben

Diese drei Stunden alle zwei Wochen haben meinem Glauben die entscheidenden Impulse gegeben. Ich habe gestaunt und erkannt, dass es kein größeres und schöneres Menschenbild gibt als das, was dort entfaltet wird. Ich habe angefangen, die Heiligen zu lieben, die so wunderbar zu Wort kommen in diesem Buch. Die innere Logik zwischen Schrift und Tradition durfte ich ganz tief erfahren. Nebenbei konnte ich ein Verständnis für die Organisationsstrukturen der Kirche gewinnen, die Verbindung zum Kirchenrecht verstehen, erstmals über die Unterschiede und Gemeinsamkeiten mit der Orthodoxie lesen. Mein Unterscheidungsvermögen wurde geschärft. Jetzt weiß ich im Inneren, dass ich nie fragen sollte, „Was ist die Kirche?“, sondern immer wieder: „Wer ist die Kirche?“!!!

 Bewusstes Credo

 Ich liebe meine Kirche und kann jetzt im Credo mit weitem Bewusstsein bekennen:

„Ich glaube an die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche.“

Ganz nebenbei sind herzliche, tiefe Verbindungen zwischen uns Dreien entstanden. Und wir sind sprachfähig geworden, wenn wir nach unserem Glauben gefragt werden.

Auch wenn man meinen könnte, dass fünf Jahre Studium an einem Buch vielleicht etwas lang sind: Ich möchte keine einzelne Stunde unseres Austausches missen. Ganz langsam ist dieses tiefe Wissen um das „Wer“ des Menschen und der Kirche und die Schönheit Gottes in mein Herz eingesickert.
Und schließlich ist meine Freude am Lesen der Originaldokumente gewachsen. Mein „Draht nach Rom“ ist lebendig, und ich bin bislang nie wieder einem reißerischen Artikel über „die Kirche“ auf den Leim gegangen.
Dieses Selbststudium kann ich nur empfehlen. Es trägt zur Herzensbildung bei.

Der Heilige Geist übernimmt die Regie, wenn man wirklich die Sehnsucht hat, die Lehre der Kirche zu erforschen, um sie anzunehmen.


Barbara M. Auer,
Jahrgang 63, Ehefrau, Mutter zweier Erwachsener, Allgemeinmedizinerin.


Beitragsbild: Der Gute Hirt (um 350 n. Chr.), Domitilla-Katakomben, Foto: Peter Esser

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