Kirchliche Spannungen, Orientierungslosigkeit, Polarisierung – Die Kirche ist berufen, Zeichen der Einheit für die Welt zu sein. Der Neue Anfang startet eine Reihe zum Thema “EINHEIT” und lädt zum gemeinsamen Nachdenken ein.

Alle sollen eins sein

Die Frage nach der Einheit gehört zu den großen geistlichen Herausforderungen unserer Zeit. Viele Menschen sehnen sich nach Verbundenheit — und erleben zugleich Spaltung, Polarisierung und Entfremdung. Auch innerhalb der Kirche wächst oft der Eindruck, dass Verschiedenheit eher trennt als bereichert. Doch mitten in diese Situation hinein spricht Christus sein für alle Zeiten gültiges Gebet:

„Alle sollen eins sein“, so heißt es im Johannesevangelium (Joh 17,21)

Die Initiative  NEUER ANFANG widmet sich deshalb in einer Themenreihe dem Thema Einheit — im Glauben, in der Kirche und im Menschsein selbst. In loser Folge veröffentlichen wir Texte im Blog, produzieren Podcast-Folgen und laden ein zu Gesprächen im Zoom.

Wie christlicher Glaube wächst

Schon die frühen Christen wussten, dass der Glaube niemals nur Privatsache ist. Cyprian von Karthago formulierte es in einem Satz, der bis heute herausfordert:

„Niemand kann Gott zum Vater haben, der die Kirche nicht zur Mutter hat.“

In diesen Worten liegt eine tiefe geistliche Wahrheit. Christlicher Glaube entsteht nicht im Alleingang. Er wächst in Gemeinschaft, im gemeinsamen Hören auf das Evangelium, im Gebet, in den Sakramenten und im gegenseitigen Tragen.

Symphonie der Gemeinschaft

Dabei ist Einheit keine Uniformität. Wie in einem Orchester viele verschiedene Instrumente erst durch die gemeinsame Ausrichtung auf die Partitur zur Harmonie finden, so lebt auch die Kirche aus einer Mitte, die größer ist als sie selbst: Christus. Dieses Bild griff auch Kardinal Mario Grech beim Katholikentag 2026 auf. Er sprach von einer „Symphonie der Gemeinschaft“ und davon, dass der Heilige Geist nicht bloß eine Summe von Meinungen hervorbringe, sondern Harmonie und geistliche Einheit.

Dimensionen der Einheit

In unserer Themenreihe möchten wir unterschiedlichen Dimensionen dieser Einheit nachgehen. Zum Beispiel geht es um die Einheit des Menschseins im Zusammenspiel von Leib, Geist und Seele; um die kirchliche Einheit und die bischöfliche Kollegialität; um die Einheit in der Ökumene; um das Verhältnis von Einheit und Vielfalt in der Liturgie; und um Einheit als geistlichem Geschehen, das letztlich Frucht des Heiligen Geistes ist.

Dabei knüpfen wir an die klassischen notae ecclesiae an — die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche. Diese Wesensmerkmale der Kirche sind keine abstrakten Lehrsätze, sondern Ausdruck einer lebendigen Wirklichkeit: Die Kirche lebt aus der Einheit mit Christus und ist zugleich berufen, Zeichen der Einheit für die Welt zu sein.

Einladung zum gemeinsamen Nachdenken

Gerade in einer Zeit kirchlicher Spannungen braucht es Orte, an denen nicht zuerst übereinander gesprochen wird, sondern miteinander — im Hören auf das Evangelium und im Vertrauen auf das Wirken des Heiligen Geistes. Unsere Themenreihe versteht sich deshalb nicht als fertige Antwort, sondern als Einladung zum gemeinsamen Nachdenken, Beten und Gespräch, letztendlich als Einladung, synodale Kirche zu sein.

Wir freuen uns auch auf Ihre Gedanken. Teilen Sie uns mit, was Ihnen zu diesen Themen durch den Kopf geht. In einem Podcast werden wir uns mit Ihren Fragen und Beiträgen befassen. Wir sind gespannt. Schreiben Sie uns — vielleicht wird ja mehr daraus. (podcast@neueranfang.online)


Franz-Josef Roth
Pastoralreferent in Dinslaken, Bistum Münster. Franz-Josef Roth ist Mitautor des Buches „Urworte des Evangeliums“.


Beitragsbild: Symphonie der Gemeinschaft. Cellisten in einem Orchester – Quelle: Adobe Stock

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