Interview mit Margarete Strauss

Wer steckt eigentlich hinter dem Neuen Anfang? Wir führen Sie „backstage“ und stellen in loser Folge Gesichter der Initiative Neuer Anfang vor. Heute im Gespräch: Dr. Margarete Strauss. Die Fragen stellte Patricia Haun.

Liebe Margarete, seit wann bist Du im Team des Neuen Anfangs. Was hat Dich bewogen, bei der Initiative mitzuarbeiten?

Ich bin im Team seit September 2022. Da ich zuvor schon locker mitgearbeitet hatte, schlugen mich zwei Mitglieder vor. Seitdem bin ich dabei.

Wie kam es dazu?

Ich hatte schon hier und da einige Aufgaben für den Neuen Anfang übernommen, aber so richtig ernst wurde es, als ich für das Projekt ErklärBAR angefragt wurde. Es kam eins zum andern und ich tauchte gleich tief ein in die Mitarbeit.

Wo hast Du Deinen Platz im Team gefunden und was sind Deine Aufgaben?

Ich wirke vor allem bei der ErklärBAR mit in der Moderation und im Schnitt und ich habe für den YouTube-Kanal des Neuen Anfangs Aufgaben übernommen. Ansonsten brachte ich mich in den letzten Jahren theologisch ein bei der Vorbereitung von Studientagen, bei Argumentarien und allem, was Denkarbeit erfordert.

Du bist auch sehr aktiv als Bloggerin. Welche Erfahrungen machst Du dabei? Gibt es ein Interesse an katholischen Inhalten oder bekommst Du eher Gegenwind?

Natürlich gibt es viel Gegenwind und viele Vorurteile gegenüber der katholischen Kirche. Mit Polemik und Falschinformationen wird im Internet wahrlich nicht gespart. Aber zugleich bemerke ich eine unglaubliche Sehnsucht nach mehr. Die Menschen suchen! Und sie geben sich oft nicht nur mit oberflächlichem Inhalt zwischen Tür und Angel zufrieden. Sie wollen es genau wissen. Was mich sehr hoffnungsvoll stimmt, sind die vielen Bekehrungen, Aufbrüche und auch geistlichen Berufungen, zu denen ich einen bescheidenen Beitrag leisten durfte. Was die meisten User schätzen, so mein Eindruck, ist vor allem Orientierung in Zeiten großer Verunsicherung und Polarisierung innerhalb der katholischen Bubble. Ich merke zunehmend, wie wichtig es ist, zu deeskalieren und ausgewogene Inhalte anzubieten.

Wenn Du nicht für den Neuen Anfang aktiv bist, wo findet man Dich dann?

Man findet mich vor allem auf YouTube und auf meiner Website magstrauss.com. Da poste ich regelmäßig theologische, kirchenpolitische und gesellschaftskritische Inhalte. Und wenn ich mal nicht arbeite, verbringe ich viel Zeit mit der Familie.

Was magst Du uns über Dich verraten?

Ich bin Künstlerin durch und durch – vom Klavier bis zur Leinwand. Und verrückt nach Büchern!

Was hat Dich bewogen, Theologie zu studieren und wie ist es Dir gelungen, dennoch Deinen Glauben zu bewahren?

Ich wollte schon immer etwas tun, bei dem ich mich so richtig in den Dienst stelle. Nach mehreren Umwegen kristallisierte sich für mich der theologische Weg heraus. Das Studium habe ich in vielerlei Hinsicht als Bewährungsprobe erlebt. Gerettet hat mich eigentlich das sakramentale Leben. Ich erinnere mich noch lebhaft daran, wie ich zwischen den Vorlesungen in den Dom „floh“: zur Mittagsmesse, zur Anbetung in die Sakramentskapelle, zur Beichte. Da ich pendelte, konnte ich die Reisen immer gut für das Gebet nutzen.

Welcher Ort bedeutet für Dich Heimat?

Da ich in einer Musikerfamilie großgeworden bin, ist das heimische Tonstudio meine Heimat. Gemeinsame Gesangsstunden und Bandsessions schweißen bis heute die Familie zusammen. Ich kann mich auch mal ganz allein zurückziehen und Musik machen, das tut gut.

Wenn Du drei Wünsche frei hättest für die Kirche in Deutschland, welche wären das?

Ich würde mir für die Kirche in Deutschland eine Erneuerung im Hl. Geist wünschen, Metanoia im biblischen Sinn – eine richtige Umkrempelung von Herz und Verstand. Damit einhergehend wünsche ich der Kirche in Deutschland einen neuen Aufbruch hin zu einer lebendigen Jüngerschaft, eine Begeisterung, von der aus die Prioritäten sich neu ordnen. Das dritte sagte ein Priester in unserem Gebetskreis immer: Eine Einfachheit im Denken. Weg von diesem verkomplizierenden, überbürokratischen und überorganisierten Verständnis von Kirche.

Wie stellst Du Dir den Himmel vor?

Da ich mich viel mit der Johannesoffenbarung beschäftigt habe, ist mein Blick auf den Himmel ganz davon geprägt: ein Maximum an Sein, ein Maximum an Fülle – der Himmel ist jedenfalls alles andere als leer! Er wimmelt von Leben und Gemeinschaft. Er ist ein Maximum an Liebe und Glück, die Erfüllung aller Sehnsucht und der Trost von allem Leid. Himmel ist ewige Anbetung und – da bricht wieder die Musikerin hervor – ewiger Wohlklang. Nicht umsonst ist die Johannesoffenbarung nicht nur das himmlischste Buch des Neuen Testaments, es ist auch das musikalischste mit all den Lobgesängen, die an Gott gerichtet sind.

Wer ist Dein Lieblingsbibelheld (außer Jesus)?

Das ist so schwer zu entscheiden! Spontan würde ich den Hl. Josef wählen. Von ihm ist in der Bibel kein einziges gesprochenes Wort überliefert, dafür ist er ein Gentleman, ein Macher, ein stiller Held. Hätte er Maria öffentlich angezeigt, als sie schwanger war, wäre Jesus nicht geboren. Doch er schützte sie, noch bevor er den göttlichen Plan kannte, und kümmerte sich sein Leben lang um Gottes Sohn und dessen Mutter. Gerade in unserer vaterlosen Gesellschaft ein überragendes Vorbild!

Gibt es eine(n) Lieblingsheilige(n)?

Auch da ist es die Qual der Wahl! Schon früh zog mich die karmelitische Spiritualität in ihren Bann, besonders durch die drei heiligen Theresas: Thérèse de Lisieux, Teresa von Avila und Theresa Benedicta vom Kreuz (Edith Stein). Sehr bewegt hat mich aber auch die Lebensgeschichte des Hl. Carlo Acutis.

Welche Geistesgabe hättest Du am liebsten, wenn Du wählen dürftest?

Ich würde eher danach fragen, was der Mensch von heute braucht, und das ist die Gabe der Unterscheidung der Geister. Sie ist mehr als kluges Abwägen oder Urteilen nach gründlicher Auseinandersetzung, vielmehr ein überrationales Gespür, ein Radar, das bereits anschlägt, bevor die Sache überhaupt klar ist. Im Jahr 2026 mit all den Angeboten, Möglichkeiten und der Informationsflut ist ein solches Radar so wichtig wie noch nie.


Margarete Strauss
Jahrgang 1988, verheiratet, Mutter,  Dr. theol., Autorin und Publizistin, betreibt ein Online-Apostolat und bloggt, publiziert für katholische Medien wie Die Tagespost, kath.net, EWTN, Radio Horeb etc. Autorin des Buches “Vision und Assoziation” (2022).


Beitragsbild: Studio für Tonaufnahmen, Adobe Stock, Symbolbild
Autorenportrait: privat

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