Franca Spies auf der Salzburger Hochschulwoche
“Es gibt keine fixierte katholische Identität, die ein für alle Mal feststeht”, behauptet Franca Spies (35), die neue Dogmatikerin in Salzburg. Bernhard Meuser kann ihren Ritt durch die Theo-Soziologiegeschichte, den sie in ihrer Eröffnungsrede an der Salzburger Hochschule hinlegte, nicht unkommentiert lassen.
Eine junge Theologin versucht katholisch zu sein
Die große Universitätsaula in Salzburg fasst etwa 600 Personen. Bei der Eröffnung der „Hochschulwochen” war der Saal bis auf den letzten Platz gefüllt mit allem, was vor Ort theologisch Rang und Namen hat; u.a. fanden sich zwei Bischöfe und vier Äbte bzw. Erzäbte unter den Gästen. Die Eröffnungsrede hielt die neue Salzburger Dogmatikerin Franca Spies (35). Die Furche hatte im Vorhinein schon auf den „Shootingstar der wissenschaftlichen Theologie im deutschsprachigen Raum” hingewiesen. Franca Spies wusste, wie man Schlagzeilen produziert; sie ließ das feierlich gestimmte Auditorium kurzerhand wissen: „Es gibt keine fixierte katholische Identität, die ein für alle Mal feststeht.“ Und keiner lachte.
Vielleicht war einem Teil des Publikums auch nicht zum Lachen zumute. Vielleicht waren Zuhörer sprachlos traurig, oder sie waren beeindruckt vom souveränen Ritt durch die Theo-Soziologiegeschichte, oder sie waren betroffen von so viel Mut, oder sie waren erschlagen aus der geschickten Verflechtung aus Komplexität und Differenzierung, mit der Franca Spies orthodoxe Rhetorik mit heterodoxen Ansichten mixte, oder ihnen fiel weiter nichts auf. Es gab „… große Aufmerksamkeit und positiven Zuspruch” zu Franca Spies, wie die Uni Salzburg wissen ließ.
Identität näherhin betrachtet
Identität ist zunächst etwas, das einer Person zukommt. Es bedeutet so viel wie „Übereinstimmung mit mir selbst.” Ich bin noch immer derselbe, der ich im Kindergarten war. So oft ich auch die Hosen und die Ansichten wechselte, was immer ich in der Pubertät von mir als einem anderen Napoleon oder neuen Don Juan erträumte, so war ich doch niemals ein anderer als der, der ich bis auf den heutigen Tag bin. Psychologisch gesprochen war ich, nach meiner Erinnerung, nie schizophren, wenn mir auch andere häufiger nachsagten, da und dort sei ich nicht ganz bei Trost oder nicht der „Bernhard” gewesen, den sie kannten. Wo immer ich in Trägheit, Eitelkeit, Gier oder Zorn mich selbst verlor, spiegelten mir das andere und gaben mir Gelegenheit, in mein Herz zu gehen, um im Dialog mit der mich umgebenden Welt wieder authentisch ich selbst zu werden.
Zu den stabilen Merkmalen meiner Identität gehört mein Körper. Ich bin tief davon überzeugt, dass Identität zunächst Körperidentität ist. Ich werde beim Duschen daran erinnert, dass ich Mann -, und beim Aufstehen, dass ich keine 25 mehr bin, zu wenig Sport gemacht habe (und auch sonst sterblich wäre). Die Gewissheit, dass ich keine Gebärmutter habe, kann ich bei Thomas von Aquin noch philosophisch vertiefen: Es gibt, bei allem, was ist und wird, Potenz und Akt. Wirklich werden kann nur, wozu es in einem Ding/einer Person die inhärente Möglichkeit der Verwirklichung gibt. So konnte ich mein “Ich” zwar in mancherlei Hinsicht verstellen; konnte es auch entfalten und bereichern. Doch fehlte mir die Möglichkeit, eine Frau zu werden, selbst wenn ich das ganz dolle wollte. (Ich wollte das nie, hatte auch zu keinem Zeitpunkt wie Simone de Beauvoir den Antrieb, ich müsse die Biologie als Form der Tyrannei überwinden.) Halten wir fest: Zur Identität gehört
a) ein “Ich”, das um sich weiß,
b) Selbststabilität,
c) Körperlichkeit,
d) die Unterscheidung von Potenz und Akt.
Gantenbein-Theologie
Das sind Ansichten, die in der Moderne fragwürdig wurden. So hält der Münchner Sozialpsychologe Heiner Keupp (*1943) Identität für ein „Konstrukt”. Von ihm stammt der Begriff der “Patchwork-Identität”. Keupp kennt keine den Menschen bindende Vorgaben durch Wesen, Natur oder Geschichte; er verlagert die menschliche Identität ins wählende Subjekt, das sich – in lebenslanger ”Passungsarbeit” zwischen Innen- und Außenwahrnehmung – aus Erfahrungen, Rollen, Wertvorstellungen und Arbeitsanforderungen ein fluides “Ich” bastelt, mit dem der jeweilige Mensch um sich selbst weiß und Anerkennung in der Gesellschaft findet. Mich erinnert das an Max Frischs Roman „Mein Name sei Gantenbein”; da heißt es: „Jeder Mensch erfindet sich früher oder später eine Geschichte, die er für sein Leben hält.“ So gesehen begegnen nicht Menschen Menschen, sondern Rollen Rollen; Charakter-Darsteller treffen auf Charakter-Darsteller.
Ebenso fluide operiert Franca Spies in ihrer Rede vor dem Salzburger frommen Auditorium, die sinnigerweise unter dem Titel „Katholische Identitäten: zwischen Zuschreibung und Aneignung” ausgeschrieben war und darin gipfelte, dass Frau Spies feststellte. „Es gibt keine fixierte katholische Identität, die ein für alle Mal feststeht“. Spies ruft die Theologiegeschichte als ein Vexierspiel von wechselnden Identitäten auf, von denen eine Erfindung die andere jagt, überholt und korrigiert (und ihrerseits jag-, überhol- und korrigierbar ist). “Katholisch” wäre also ein niemals abschließbarer geschichtlicher Prozess von immer neuen Selbst- und Fremdzuschreibungen. Eine wahre Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für die hermeneutische Industrie! Vexierspiel kommt übrigens vom Lateinischen vexare, was so viel bedeutet wie: quälen, hin- und her zerren, täuschen, foppen. Exegeten wollen herausgefunden haben, dass schon das Neue Testament keine eigene Identität habe, vielmehr aus 13 separierbaren, teils widersprüchlichen Theologien bestehe. Derlei muss in aufgeklärten Kreisen gerne dafür herhalten, dass das Patchwork unversöhnter theologischer Pluralität immer schon uniforme kirchliche Lehre konterkariert habe. Sie übersehen, dass die nichtretouchierte Perspektivität der Zeugen gerade der Ausweis ihrer Authentizität ist.
Das Katholische in Aushandlung, Inklusion und Exklusion
In einem Interview der Furche (25. Juli 2026) legt Franca Spies “deskriptiv” dar, woraus man ersehen könnte, dass „katholische Identitäten zutiefst wandelbar” sind. Was katholisch sei (und was nicht), könne man nicht an einzelnen “Identitätsmarkern” festmachen (genannt werden: Papst, Marienverehrung, die Siebenzahl der Sakrament); man wisse ja spätestens seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil um die “Hierarchie der Wahrheiten”. Entscheidend sei „der Glaube an einen Gott, der in Jesus Christus Mensch geworden ist, der das Heil aller Menschen will, und es ist das Vertrauen und die Hoffnung, dass es etwas gibt, das über alles Irdische hinausgeht.” Mit einem Taschenspielertrick umschifft Spies die aristotelische Logik, nämlich die “differentia specifica”: alle unterscheidenden Merkmale, die Unterarten unter einem gemeinsamen Oberbegriff (Kirche/kirchliche Gemeinschaft) voneinander eindeutig trennen. Nun dehnt sich „Glaube an Gott …” über alle Sekten hinweg bis tief ins esoterische Wunderland hinein aus. Das ist gerade nichts eigentümlich Katholisches. Katholische USP´s sind hingegen die Siebenzahl der Sakramente und die Unterordnung unter den Papst. Das hat nur katholisch.
Franca Spies will nun am “Hin und Her” um die Piusbrüder dartun, „wie sehr sich das Katholische in Aushandlung befindet … Noch vor hundert Jahren wären die Piusbrüder aber voll im Rahmen katholischer Identitäten gewesen.” Nein, auch vor hundert Jahren wäre eine Gemeinschaft, die ohne Zustimmung der Unversalkirche Bischöfe weiht, nicht mehr katholisch gewesen. Dazu: Wer im Glashaus der Salzburger Universität sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen. Man könnte nämlich die Frage stellen, wie es mit dem “Cum Petro et sub Petro”, also der Unterordnung unter das Lehramt der Kirche und die Autorität des Papstes bei Franca Spies und ihresgleichen steht. Les extrêmes se touchent. Strukturell und gesinnungstechnisch geben sich die Piusbrüder und ihr liberaler Widerpart nicht viel. In inklusiven wie exklusiven Gesten sind sie dicht beieinander, was wiederum Franca Spies (wohl eher unfreiwillig nach dem Hammer rufend) beweist: Im Namen aller, „… die wie ich hinter der Theologie des Zweiten Vatikanums stehen”, könne man „froh um diese Exkommunikation sein”. Hier ist sie, die Stigmatisierung und Ausgrenzung von Christen durch andere Christen, die sich sonst nicht genug ihrer allseitigen Offenheit rühmen können.
Nehmen wir einmal an, die Kirche hat keine Identität, nur Identitäten. Es hieße zugleich: In der Kirche begegne ich nicht objektiver Wahrheit, nur subjektiven Wahrheiten, deren Vielzahl ich meine eigene Wahrheit hinzufügen darf. Wir müssten uns “jetzt und in der Stunde unseres Todes” in einem Raum von Zuschreibung und Aneignung, Mutmaßung und Meinung bewegen, – so, als gäbe es kein klares Bekenntnis, kein heute gesprochenes, verlässlich mir zugesprochenes Wort Gottes, keine wirksamen Sakramente, keine objektive Orientierung, kein richtiges, nur mehr oder weniger falsche Christentümer? Theologie wäre endlich fröhliche Wissenschaft: „Stürzen wir nicht fortwährend? Und rückwärts, seitwärts, vorwärts, nach allen Seiten? Gibt es noch ein Oben und ein Unten?” Und um mit Nietzsches Laterne auch die Ecken auszuleuchten: „Irren wir nicht durch die Kirche wie durch ein unendliches Nichts?“ Nicht nur C.S. Lewis würde das enttäuschen:
„Wenn das Christentum falsch ist, ist es ohne jede Bedeutung. Wenn es wahr ist, ist es von unendlicher Bedeutung.“
Franca Spies verweist mit ihrem provokanten Neuansatz auf die „Geschichtlichkeit der Offenbarung”. Unter “Geschichtlichkeit” versteht sie aber wohl weniger das Wunder, dass der ewige, unbegreifliche, unendliche Gott sich in greifbarer Geschichte wirk-lich gezeigt und ereignet hat, ja in Christus Mensch geworden ist („Was … wir gehört, was wir mit unseren Augen gesehen, was wir geschaut und was unsere Hände angefasst haben …”, 1 Joh 1,1), dass ER heute noch in der Kirche spricht und durch die Kirche verbindlich das Heil zusagt. Ihr geht es eher um ein “Ding an sich”, von dem es keine ein für alle mal feststehende Dogmatik gibt und dessen Statuarik darin besteht, dass sich im Verlauf der Geschichte immer neue Varianten von perspektivischen Annäherungen, geschichtlich bedingten Standpunkten und intellektuellen Aushandlungsprozessen ranken.
Unter den “Aushandlungsprozessen” versteht Franca Spies wohl nicht den notwendigen Dialog zwischen Theologie und Lehramt. Im Ganzen der Kirche ist aber nicht etwa die Theologie der Hüter und die Schiedsstelle der Glaubenswahrheit. Dazu ist das Lehramt da, – sofern es da ist. Die Theologie ist der intellektuelle Vitalfaktor der Kirche, ihr Sensor für neue Herausforderungen, das wache Gewissen der gläubigen Vernunft, das nicht müde wird, Rechenschaft zu geben (1 Petr 3,15) über die gemeinsame Hoffnung der Christen. Zu betonen ist „gemeinsame …” Die Theologie ist nicht dazu da, in marktlogischer Aufmerksamkeit neue Identitäten auszuhandeln und sie dem katholischen Puzzle als alternative Wahrheiten einzufügen.
“Lebensrealitäten” von dogmatischer Relevanz?
Eben dies scheint aber der Begriff zu sein, den sich Franca Spies von “Synodalität” macht. Geschickt spricht sie vom „kollegialen Führungsstil” von Papst Leo, der “Synodalität” zum „Bestandteil seines Kernprogramms” gemacht habe; auf der Weltsynode sei „der beratende Stil gleichermaßen für Form und Inhalt entscheidend” gewesen. Das schrammt leicht an der notorisch vorgetragenen Forderung des deutschen “Synodalen Weges“ vorbei, man wolle doch bitte „beraten und entscheiden.” Als dieser Tage in Oslo eine Diözesansynode an den Start ging, bemerkte Bischof Frederik Hansen in wünschenswerter Klarheit:
„Als Bischof bin ich zudem verpflichtet, alles von der Synode auszuschließen, was der kirchlichen Lehre widerspricht oder Zweifel daran sät. Wir sollen nicht über Glauben und Moral entscheiden.“ Sehr richtig. Der gemeinsame Glaube ist die Grundlage von Synodalität, nicht der Effekt ihrer mehrheitlich ausgehandelten Konsensbildungen.
Dass Theologie durchaus Entwicklung kennt, ja sich notwendig mit der inneren Entwicklungsgeschichte des Glaubens, ihren unausgeschöpften Implikationen und immer neuen Kalibrierungen befassen muss, hat John Henry Newman (1801-1890) beispielhaft durchdacht: „Leben heißt sich wandeln, und vollkommen zu sein, bedeutet, sich oft gewandelt zu haben.” Zugleich war Newman aber auch der Mann, der in seiner Apologia pro vita sua bekannte: „My religion was built on dogma: I know no other religion; I cannot enter into the idea of any other sort of religion; religion, as a mere sentiment, is to me a dream and a mockery.” Dogma und Entwicklung sind vereinbar. Newman wäre es zu keinem Zeitpunkt seines langen Lebens in den Sinn gekommen, etwas zu entwickeln, was nicht aus Offenbarung in Schrift und Überlieferung bereits “gegeben” ist, also von außen erst importiert werden müsste.
Franca Spies macht das. Sie versieht das faktisch Vorhandene eingeschliffener Routinen mit dogmatischen Weihen. Natürlich dürfe, so sagt sie im Interview mit der Furche, „die faktische Definitionsmacht Roms nicht verschleiert oder kleingeredet werden. Sie betrifft Lebensrealitäten und Praktiken, die dadurch negiert oder validiert werden.” Eine Kirche, die sich “Lebensrealitäten” nicht gehorsam beugt? Verbote von Vorgängen, die „in der Praxis nicht ganz unüblich” sind? Franca Spies nennt drei Phänomene: „Praktiken in der Ökumene” (Interkommunion?), die „Segnungen von gleichgeschlechtlichen Paaren” und die Laienpredigt. Die finalen lehramtlichen Zurückweisungen in allen drei Fällen ignoriert Spies. Die Dinge seien „in Bewegung”, was nur der „fokussierte Blick auf lehramtliche Entscheidungen” zu sehen nicht imstande ist. Der hier zutage tretende offene Dissens mit dem Lehramt sei, so Spies, Teil „der Wandelbarkeit katholischer Identitäten”.
Franca Spies setzt mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil eine Zäsur an, die den “autoritären Ton” nicht mehr zulässt, dafür aber die Möglichkeit, „in Irritationen, in Widerspruch und Brüchen katholisch” zu sein. „Was bei der freien Entfaltung von Menschen hilft, was zum Gemeinwohl beiträgt, ist in Einklang mit dem katholischen Selbstverständnis.” Mit dem Konzil sollte das Katholische, so Franca Spies, „gerade jetzt wiederentdeckt werden – nicht als Abgrenzung, sondern als tiefe Überzeugung der Verbundenheit und als Praxis der Solidarität”.
Eine kurze Gegenrede an die Gebildeten unter den Verächtern der katholischen Identität
Dass Bischöfe und Theologen in Salzburg schwiegen zur Identitätsdiffusion einer jungen Theologin, die gerade einen wichtigen Lehrstuhl eingenommen hat und die nächsten 30 Jahre Theologinnen und Theologen ausbilden soll, ist erstaunlich. Sollte das ganze Auditorium das unzureichend formierte, in sich widersprüchliche “katholische” Kirchenbild von Franca Spies teilen? War es nur Unsicherheit und mangelnder Mut, dass niemand ein Unbehagen verspürte oder äußerte? Oder müsste man à la Schleiermacher noch tiefer ansetzen: „Von alters her ist der Glaube nicht jedermanns Ding gewesen, …, wenn Millionen auf mancherlei Art mit den Umhüllungen gegaukelt haben, mit denen sie sich aus Herablassung willig umhängen ließ.”
Natürlich gibt es eine katholische Identität, die sich in allen kirchlichen Wandlungsprozessen als kritische Instanz durchhält. Paulus bringt das lapidar in Eph 4,5 auf den Punkt – aus der Gefangenschaft heraus und in Sorge, die Gemeinde könnte aus der Einheit herausfallen und des Rufes nicht würdig sein, der an sie erging: „Ein Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen seid zu einer Hoffnung in eurer Berufung: ein Herr, ein Glaube, eine Taufe, ein Gott und Vater aller, der über allem und durch alles und in allem ist.”
Die Identität der Kirche ist leiblich: Sie ist keine Idee, keine Werthaltung, keine Gesinnung; sie manifestiert sich quer durch alle Zeitalter und Kulturen dort am deutlichsten, wo sich die Glieder Christi leiblich um das Haupt Christus versammeln, – da, wo sie niederknien, weil man nur kniend hören und glauben kann: „Das ist mein Leib.” (Mt 26,26) Der alte Leitsatz lautet: Eucharistia facit ecclesiam – die Eucharistie macht die Kirche. Mit der Katholizität im Reinen ist, wer zum Mahl geladen ist und dort mit seinem Herrn und allen Geladenen eins wird.
Die Identität der Kirche ist einzigartig: „Wie es nur einen einzigen Christus gibt, so gibt es nur einen einzigen Leib Christi, eine einzige Braut Christi … Die Verheißungen des Herrn, seine Kirche nie zu verlassen (vgl. Mt 16,18; 28,20) und sie mit seinem Geist zu führen (vgl. Joh 16,13), beinhalten darüber hinaus nach katholischem Glauben, dass die Einzigkeit und die Einheit der Kirche sowie alles, was zu ihrer Integrität gehört, niemals zerstört werden.” (Dominus Jesus, 16)
Die Identität der Kirche ist stabil: Sie ist synchron und diachron stabil im exklusiven Bezug (Apg 4,12) auf Christus als Weg, Wahrheit und Leben (Joh, 14,6), in der praktischen Hingabe an den Herrn (Joh 14,21: „Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt …”), im gemeinsamen Bekenntnis des einen Glaubens (Eph 4,5) und in der gemeinsamen Mission, diesen Glauben zu verkünden (Mt 28,19). Sie ist stabil im gemeinsamen Beten der Kirche (Augustinus: „Dieser Leib Christi, diese Versammlung der Gläubigen hat eine einzige Stimme und singt im Psalm wie ein einziger Mensch“) und in der liturgischen Feier der Geheimnisse Gottes in allen Sakramenten der Kirche. Sie ist stabil im Dienst und in der Liebe, die noch im Geringsten den Herrn erkennt (Mt 25,40). Sie ist stabil in der sichtbaren Gemeinschaft der Gläubigen, die dazu da ist, „Zeichen und Werkzeug für die innigste Vereinigung mit Gott wie für die Einheit der ganzen Menschheit” zu sein. Sie ist stabil in der ununterbrochenen Kette apostolischer Zeugen.
Die Identität der Kirche ist keine äußerliche Zuschreibung, sondern Wissen um sich selbst im Heiligen Geist, „… der Herr ist und lebendig macht, … der gesprochen hat durch die Propheten, und die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche.” (Nizäno-Konstantinopolitanum) Der Heilige Geist ist das Identitätsbewusstsein der Kirche: „Wo die Kirche ist, da ist der Geist Gottes; und wo der Geist Gottes ist, da ist die Kirche und alle Gnade; der Geist aber ist die Wahrheit.“ (Irenäus von Lyon) In jedem Hören auf das Wort, in jedem Martyrium, in jedem Sakrament, das die Kirche in Vollmacht spendet, ist die Kirche ganz bei Jesus und ganz bei sich.
Bernhard Meuser
Jahrgang 1953, ist Theologe, Publizist und renommierter Autor zahlreicher Bestseller (u.a. „Christ sein für Einsteiger“, „Beten, eine Sehnsucht“, „Sternstunden“). Er war Initiator und Mitautor des 2011 erschienenen Jugendkatechismus „Youcat“. In seinem Buch „Freie Liebe – Über neue Sexualmoral“ (Fontis Verlag 2020), formuliert er Ecksteine für eine wirklich erneuerte Sexualmoral. Bernhard Meuser ist Mitherausgeber des Buches “Urworte des Evangeliums”.
Beitragsbild: KI-generiert

