Interview mit Birgitt Kerz

Wer steckt eigentlich hinter dem Neuen Anfang? Wir führen Sie „backstage“ und stellen in loser Folge Gesichter der Initiative Neuer Anfang vor. Heute im Gespräch: Birgitt Kerz. Die Fragen stellte Patricia Haun.

Liebe Birgitt, Du bist seit vier Jahren im Team des Neuen Anfangs. Was hat Dich bewogen, bei unserer Initiative mitzuarbeiten?

Peter Esser, der im selben Haus die gegenüberliegende Wohnung hat, gehörte schon vor mir zum Team. Und durch ihn habe ich mitbekommen, dass beim Neuen Anfang helfende Hände (und Köpfe) fehlten. Da habe ich mich angeboten und mit der Zeit mehr und mehr Hintergrundaufgaben übernommen: Buchhaltung, Spenderkontakte, Organisatorisches, Finanzverantwortung…. Bevor Texte auf die Homepage kommen, müssen die sich auch immer meinem „Rotstift im Auge“ unterziehen (ist halt Berufskrankheit; ich kann nicht anders.) – Ich schau halt, was gebraucht wird, und wenn ich das bieten kann, mach ich’s.

Wie kam es dazu?

Der Neue Anfang ist ja in der Zeit der Corona-Pandemie entstanden. Ich war noch recht frisch pensioniert nach 39 Jahren Unterrichtstätigkeit am Gymnasium, hatte eine Halbtagstätigkeit überwiegend im Home-Office. Dadurch, dass wegen des Lockdowns einige ehrenamtliche Tätigkeiten und gesellschaftliche Veranstaltungen auf Eis lagen, hatte ich freie zeitliche Valenzen. Und da bin ich halt beim Neuen Anfang irgendwie so „reingerutscht“. Mit der Zeit wurde es immer mehr.

Du hattest ja auch viel zu tun mit der Organisation des Offenen Freundestreffens im letzten Jahr „im wilden Süden“ und der Romwallfahrt im Januar. Was ist auf diesem Gebiet noch geplant?

Wir hören von unseren „Followern“ immer wieder, dass sie nicht nur an den schriftlichen und virtuellen Angeboten interessiert sind, sondern einander und uns auch real begegnen wollen. Daher haben wir neben den bereits zur Tradition gewordenen Romwallfahrten (die gab es 2022, 2023, 2024 und 2026) letztes Jahr das Freundestreffen in und um München gemacht, das sehr gut angenommen wurde. Neben dem „Freundestreffen Ost“ im Juni, das Kerstin Goldschmidt organisiert, steht für November ein „Freundestreffen Wien“ auf der Agenda, das ich aktuell zu organisieren versuche, und dann für nächstes Jahr, vermutlich Anfang Februar, eine weitere Romwallfahrt. Und dann schauen wir ja gerade, wo wir auch kürzere „Regionaltreffen“ anbieten können, bei denen man sich mal für ein paar Stunden irgendwo trifft. Da sorge ich mit Excel-Listen für den notwendigen Überblick.

Von dem abgesehen, was bereits in Planung ist, hat der Neue Anfang aber so sehr den Charakter von „jungem Wein“, der sich noch in Gärung befindet, dass man nie vor Überraschungen sicher sein kann. Das ist gut biblisch begründet (vgl. Lk 5, 38 par.) und hat damit zu tun, dass wir uns bemühen, uns als Jünger Jesu „senden zu lassen“. Daher bleiben wir offen für neue Entwicklungen. Das macht unsere Zusammenarbeit ausgesprochen spannend. Und ich habe sehr viel Freude daran, wie verschieden alle Teammitglieder sind, so dass jeder sich mit seinen je eigenen Gaben einbringen kann.

Wo findet man Dich, wenn Du nicht für den Neuen Anfang aktiv bist? 

Ich versuche einigermaßen wach zu sein für das, was Gott mir an Aufgaben „in den Schoß legt“. Und daraus ergibt sich manches Langfristige, z.B. die ehrenamtliche Betreuung von Inhaftierten in der JVA Düsseldorf, die Mit-Organisation der 24/7-Anbetung in Neuss, die Erledigung der Buchhaltungs- und Steuerangelegenheiten für Freunde oder Korrektorat für Gemeinschaften, Zeitschriften oder Buchprojekte. Anderes fällt eher spontan und situationsbezogen an.

Was magst Du uns über Dich verraten?

Hmmm…. Ich glaube, ich bin einigermaßen „vielseitig verwendbar“. Das war schon in meiner Lehrertätigkeit so und ist heute nicht anders. Im Gymnasium ist es ja eher ungewöhnlich, dass jemand die Lehrbefähigung für vier Fächer hat und damit gleich gern in Unter-, Mittel- oder Oberstufe unterrichtet und eine Menge außerhalb des Unterrichts macht (Streitschlichtung, Patensystem, Schulentwicklung etc.). Und auch in den verschiedenen Gremien und Gruppen, in denen ich war, habe ich jeweils geschaut, welche Funktion unbesetzt war. Um die habe ich mich dann gekümmert. Ich denke, ich bin sehr pragmatisch (Peter sagt manchmal „schrecklich pragmatisch“…), einigermaßen flott, strukturiert und teamfähig. Ich kann nichts herausragend gut, aber vieles passabel. Dadurch bin ich in manchen Zusammenhängen so ein bisschen der „Joker“.

Welcher Ort bedeutet für Dich Heimat?

Das ist für mich kein geographischer Ort, sondern macht sich eher fest daran, wo ich mich angenommen fühle. Das ist einerseits bei Gott, v.a. bei dem in der Eucharistie gegenwärtigen Jesus Christus, und im Zusammensein mit guten Freunden. Und da ist meine aktuelle Wohnsituation in einer großen Eigentümergemeinschaft in Neuss mit Peter in der gegenüberliegenden Wohnung – zu jeder Wohnung gehört dann außer dem jeweiligen Zweibeiner auch noch ein Hund – schon ein großes Geschenk, für das ich sehr dankbar bin.

Wenn Du drei Wünsche frei hättest für die Kirche in Deutschland, welche wären das?

Ich wünsche mir, dass wir über der Toleranz für Vielfalt und Verschiedenheit nicht die Einheit vergessen. Und die ist nur möglich, indem wir wieder Jesus Christus in die Mitte stellen und zum Maßstab machen. Daraus ergibt sich dann auch die Einheit mit der Weltkirche.

Und wenn ich mir die gesellschaftliche Entwicklung anschaue, wünsche ich mir von uns allen mehr Mut, klare Orientierung zu geben und christliche Positionen zu vertreten. 

Damit verbunden dann ein entschiedener missionarischer Aufbruch. Der entsteht nicht in Sitzungen und durch die Publikation von Papieren, sondern aus dem Gebet und dem Zugehen auf Menschen im eigenen Umfeld.

Wie stellst Du Dir den Himmel vor?

Ich bin nicht sonderlich phantasiebegabt; daher mache ich mir keinerlei bildliche Vorstellung, zumal mir klar ist, dass die ohnehin die Realität niemals abbilden könnte. Ich begnüge mich daher mit dem Wenigen, das Jesus uns im Neuen Testament bereits verraten hat: die beseligende, erfüllende Anschauung Gottes, das ewige Glück, die Erfüllung aller Sehnsüchte…

Wer ist Dein Lieblingsbibelheld (außer Jesus)?

Es ist eher eine Kombination der zwei Frauen von Bethanien: die Arbeit von Martha tun mit dem Herzen von Maria. Da die Martha meinem Naturell sehr viel näher liegt, muss ich mich um den „Maria-Anspruch“ immer neu bemühen.

Gibt es eine(n) Lieblingsheilige(n)?

Nein, eigentlich nicht. Ich finde es immer wieder eindrucksvoll, wie verschieden die Heiligen waren (und sind!) und wie sehr jede und jeder ein ganz individueller Mosaikstein in dem gewaltigen Bild des Reiches Gottes ist. Entscheidend ist, die eigene Berufung wahrzunehmen und nicht, jemand anderen zu kopieren versuchen. Das kann ohnehin nur schiefgehen.

Welche Geistesgabe hättest Du am liebsten, wenn Du wählen dürftest?

Wenn es stimmt, dass „das Größte die Liebe“ (1 Kor 13,13)  ist – und davon bin ich fest überzeugt! – , dann wünsche ich mir davon jede Menge mehr. Bedarf ist da!


Birgitt Kerz
pensionierte Gymnasiallehrerin (Biologie, Mathematik, kath. Religion)


Beitragsfoto: privat

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