Unverhofft kommt oft. Patricia Haun teilt ihre Erlebnisse vom gestrigen Fatimatag. Wie aus einem gewöhnlichen Ausflug eine Wallfahrt mit zahlreichen Geschenken wurde.

Es sollte ein ganz gewöhnlicher Urlaubstag werden: Ein Ausflug nach Linz, mit der historischen Pöstlingbergbahn den Berg hinauf, um die Aussicht auf die Stadt zu genießen. Während mein Begleiter eifrig seine Kamera zum Einsatz brachte, nutzte ich den Moment für einen kurzen Abstecher in die Wallfahrtsbasilika. Beim Öffnen der Tür vernahm ich Rosenkranzgebet. Im Altarraum stand eine geschmückte Fatima-Madonna. Wie schön! Ah, es musste der 13. des Monats sein, fiel mir ein. Im Urlaub lebe ich gern ohne Uhr und Kalender. Dieser Moment berührte mich, weil er mich an viele Wallfahrten in der Vergangenheit erinnerte. Die Pilger waren bewusst zu Fuß den Berg hinaufgestiegen. Ich war als Touristin mit der Bahn „zufällig“ gekommen. „Das einzige, was zufällt, ist die Tür“, hatte mal ein Bekannter gesagt. Alles andere sei Vorsehung.

Zufall oder Vorsehung?

Das nehme ich mal so an. Denn es gibt einen weiteren Zufall: In meiner weit entfernten Heimatgemeinde wurde um 14 Uhr das Requiem für einen frommen Mann gefeiert. Ich hatte bedauert, nicht dabei sein zu können. Wenigstens hatte ich auf dem Weg von Wien nach Linz drei Rosenkranzgesätzchen für ihn gebetet. Zwei fehlten noch. Rasch ging ich vor das Kirchenportal und stiftete meinen Begleiter an, doch beim Kirchenwirt etwas zu trinken. Währenddessen wollte ich für 15 Minuten in die Kirche huschen, um mit den Wallfahrern meinen Rosenkranz zu Ende zu beten. Mein Weggefährte stimmte freudig zu und ich betrat erneut die Wallfahrtskirche. 

Dankbar, dass ich für mein Gebet für den Verstorbenen sogar Unterstützung bekam, fühlte ich mich direkt hineingenommen in die Atmosphäre der weltweiten katholischen Kirche, wo Raum und Zeit aufgehoben scheinen. Der wunderschöne Kirchenraum und der Sonnenschein, der durch die Fenster kam, taten ihr Übriges.

Schätze der katholischen Kirche

Zu meiner Überraschung schloss sich direkt an das Gebet das Eröffnungslied zur Messe an. Ein verwunderter Blick auf die Uhr bestätigte mir die nicht alltägliche Gottesdienstzeit: 16 Uhr. So ein „Zufall“, dass ich zu dieser ungewöhnlichen Zeit in eine Eucharistiefeier gerate. Ich verspürte den Wunsch, bleiben zu können und fragte mich, ob ich das meinem geduldigen Freund zumuten könne. Rasch tippte ich eine Nachricht ins Handy, dass gerade eine Heilige Messe beginnt und dass er mir ein Zeichen geben solle, wenn er weitergehen möchte. „Komm einfach, wenn es fertig ist“, kam die prompte Antwort. Große Freude! Das müssen Geschenke zum Fatimatag sein, dachte ich. Und das, obwohl mir der Festtag gar nicht bewusst war und mich die kleine Wallfahrt sehr unverhofft überrascht hatte. Mein Herz tat einen Hüpfer, als schöne alte Marienlieder gesungen wurden und ich eine gut katholische Predigt genießen durfte. Ich fühlte mich verbunden mit den Trauergästen in der Heimat, dem verstorbenen frommen Theo – das hier hätte ihm gefallen -, den Pilgern hier und der ganzen Weltkirche. Das sind Schätze der katholischen Kirche. Ein wenig wehmütig war ich, dass ich das nicht mit meinem evangelischen Begleiter, der beim Kirchenwirt saß, teilen konnte. Doch darüber halfen mir die Worte des Predigers hinweg, als ich ihn sagen hörte: „Für Gott ist nichts unmöglich.“ Als dann noch eine meiner Lieblingsbibelstellen folgte, „Sie bewahrte alles in ihrem Herzen und dachte darüber nach“, fühlte ich mich ein weiteres Mal beschenkt.

Mit sehr erfülltem und weitem Herzen verließ ich die Kirche, nachdem ich noch kurz dem ausgesetzten Herrn für die vielen Geschenke dieses Tages danken durfte.

Geschenke zum Teilen

Möglicherweise fragt sich der Leser, was denn nun die Botschaft dieses Textes sein soll. Nun, vielleicht kennen Sie das: Es gibt Heilige Messen und es gibt besondere Heilige Messen. Objektiv hat natürlich jede Messe den gleichen unermesslichen Wert. Aber subjektiv empfinden wir mal mehr, mal weniger beim Besuch eines Gottesdienstes. Das ist zwar nicht wichtig, aber es ist ein Geschenk, solche Highlights zu erleben. Und da ich nun mal das Geschenk des Schreibtalentes bekommen habe, war es mir ein Bedürfnis, dieses Erlebnis zu teilen. Nebenbei bemerkt, kann ich den Ausflug zur Wallfahrtsbasilika „Sieben Schmerzen Mariä“ auf dem Pöstlingberg bei Linz sehr empfehlen. Zum Schluss darf ich Ihnen als Redakteurin dieses Blogs verraten, dass Helmut Müller in seinem vorbereiteten Beitrag zum morgigen Festtag „Maria Himmelfahrt“ auch über die Sieben Schmerzen Mariä geschrieben hat. Was für ein Zufall . . . Freuen Sie sich auf den Beitrag.


Patricia Haun
Jahrgang 1971, ist freie Journalistin, Mutter von vier Kindern und Großmutter dreier Enkel. Sie hat sich jahrelang in der Lebensrechtsarbeit, in kirchlichen und caritativen Organisationen engagiert und wirkt mit bei der Initiative „Neuer Anfang“.


Beitragsbild: Fatima-Madonna: Statue unserer Lieben Frau von Fatima, Fatima, Adobe Stock, Ricardo

Post drucken

Melden Sie sich für unseren Newsletter an