Unbefleckte Empfängnis, Jungfrau, Fürsprecherin, Königin – häufig kontrovers diskutierte Titel für Maria. Begleiten Sie am heutigen Festtag Patricia Haun auf einem Spaziergang durch den Garten spiritueller Gedanken über „unsere Königin“.

Eine Woche nach Mariä Himmelfahrt ehrt die Kirche Maria als Königin des Himmels und der Erde. An diesem Gedenktag feiern wir die Vollendung der Aufnahme Mariens in den Himmel und ihre königliche Würde an der Seite ihres Sohnes. Das Fest wurde im Jahr 1954 von Papst Pius XII. zum Abschluss des Marianischen Jahres eingeführt.

Maria – im Rosenkranz gewürdigt

Im vierten Gesätz des glorreichen Rosenkranzes beten wir „… Jesus, der dich, o Jungfrau, in den Himmel aufgenommen hat.“ Und im fünften Gesätz dann: „… Jesus, der dich, o Jungfrau, im Himmel gekrönt hat.“

Marienverehrung

Das heutige Kirchenfest nehme ich zum Anlass, eine marianische Predigt in Auszügen nachzuerzählen, die ich am 13. August auf dem Pöstlingberg bei Linz im Rahmen einer Wallfahrtsmesse gehört habe:

Die Jungfrau

Der Priester sprach davon, dass Protestanten häufig die Marienverehrung missverstehen und fälschlicherweise behaupten, wir Katholiken würden Maria anbeten.

Er erzählte von einem Tischgespräch, bei dem Christen unterschiedlicher Konfessionen beteiligt waren. Jemand äußerte, dass er den Quatsch mit der Jungfrauengeburt nicht glaube. Der Geistliche entgegnete, dass Jungfernzeugung nicht so unwahrscheinlich sei. Schließlich kennen wir Parthenogenese im Tierreich bei erstaunlich vielen Arten, z. B. bei Reptilien, Haien, Bienen und Blattläusen.

Das „Kunststück” sollte also für Gott nicht allzu groß sein, sowohl Maria als unbefleckte Empfängnis als „Tabernakel“ für seinen Sohn auszuwählen als auch die Empfängnis des Sohnes Gottes in Mariens Schoß ohne Mitwirken eines Mannes. Man hat schon von größeren Wundern gehört.

Fürsprecherin

Als nächstes Thema im Tischgespräch wurde Maria in ihrer Eigenschaft als Fürsprecherin angezweifelt. Der Priester fragte: „Ist es möglich, dass du für mich betest?“ – „Ja, selbstverständlich“, entgegnete der Zweifler. „Nun, warum soll es dann so abwegig sein, dass die Muttergottes bei ihrem leibhaftigen Sohn Fürsprache für uns einlegt?“

Und der Wallfahrtsprediger legte nach, dass nicht umsonst so gut wie alle Wallfahrtskirchen der Muttergottes gewidmet seien. Pilger machen sich in der Regel auf den Weg mit Anliegen und Fürbitten im Gepäck. Offenbar hat es sich bewährt, diese der Muttergottes vorzutragen.

Königin

Schließlich diskutierte man über die angebliche Anmaßung, Maria eine Königin zu nennen. Auch hier war der Pfarrer nicht um eine Antwort verlegen. Wenn wir schon hier auf Erden Könige und Königinnen einfach ernennen könnten, warum sollte es dann Jesus nicht möglich sein, seine Mutter zur Königin des Himmels und der Erde zu ernennen?

Königinmutter

Kleiner Exkurs: Im übrigen ist nach alttestamentlichem Vorbild die Mutter des Königs automatisch Königin. Wenn Jesus als Sohn Davids der messianische König ist, dann wird Maria nicht in erster Linie als „Gemahlin des Königs“, sondern nach dem alttestamentlichen Vorbild als Königinmutter (Gebirah) verstanden. Deshalb wird ihre Verehrung als „Himmelskönigin“ in der katholischen Tradition häufig mit der Stellung der Königinmutter im davidischen Königtum begründet – insbesondere mit der Szene aus 1 Könige 2,19: „Als nun Batseba zu König Salomo kam, um mit ihm wegen Adonija zu sprechen, erhob sich der König, ging ihr entgegen und verneigte sich vor ihr. Dann setzte er sich auf seinen Thron und ließ auch für die Königinmutter einen Thron hinstellen. Sie setzte sich an seine rechte Seite”. Salomo empfängt seine Mutter Batseba mit außergewöhnlichen Ehren. Das ist ein starkes Bild ihrer Würde und ihres Einflusses. Die Gebirah konnte politischen Einfluss ausüben. Wenn man dieses Verständnis bei der Muttergottes zugrunde legt, ist dies wiederum eine Bestätigung ihrer Rolle als Fürsprecherin.

Mutig Zeugnis geben

Zurück zur Wallfahrtspredigt: Am Schluss seiner Ansprache ermutigte der Pfarrer die Pilger, Steilvorlagen wie jenes Tischgespräch aufzugreifen, in den Diskurs zu gehen, mit Missverständnissen, wie der „Anbetung” Mariens aufzuräumen und den eigenen Glauben mutig zu bekennen.

Ich persönlich habe mich über die Einfachheit der Argumentation mit gesundem Menschenverstand gefreut. Und über das Beispiel, wie man in alltäglichen Gesprächen kleine Zeugnisse und Denkanstöße geben und so den Missionsauftrag Jesu erfüllen kann.

Kindlich beten

Vielleicht denken wir oft viel zu kompliziert. Es braucht auch kein Theologiestudium, um dem Missionsauftrag Jesu zu folgen. Gerade in Bezug auf die Muttergottes ist kindliches Denken eine gute Wahl. Ist Maria nicht zuallererst Mutter? Und finden wir nicht den besten Zugang, wenn wir als Kinder zu ihr kommen? Wem es gelingt, Maria als Mutter Jesu und eigene himmlische Mutter zu akzeptieren, der wird sich auch nicht schwertun, sie als Königin anzunehmen. Drum nenne ich sie heute zu ihrem Fest einmal etwas augenzwinkernd und liebevoll „Queen Mum“ und bitte sie mit kindlichem Herzensgebet um ihre Fürsprache:

„Jungfrau, Mama und Königin, heute an Deinem Festtag bitten wir dich als deine Kinder um deine Fürsprache für die Weltkirche und besonders für die Kirche in unserem Land, sowie für die Einheit der Christen, die in außerordentlichem Maße und zum wiederholten Male gerade in Deutschland gefährdet ist.“


Patricia Haun
Jahrgang 1971, ist freie Journalistin, Mutter von vier Kindern und Großmutter dreier Enkel. Sie hat sich jahrelang in der Lebensrechtsarbeit, in kirchlichen und caritativen Organisationen engagiert und wirkt mit bei der Initiative „Neuer Anfang“.


Beitragsbild: KI-bearbeitetes Foto aus Pixabay

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