Die von ZdK und Vertretern des Synodalen Weges geplante Installation eines „Synodale Rates“ stößt nicht nur bei Kirchenrechtlern auf dezidierte Kritik. Laut Kardinal Walter Kasper zerstört ein solches Gremium gar die Struktur, „die Christus für seine Kirche gewollt hat“.

Immer wieder hat das Synodalpräsidium die Kritik von sich gewiesen, der Synodale Weg protestantisiere die katholische Kirche. Jetzt sprechen die Fakten: Wie diese Woche durch die Medien ging, gab die Präsidentin des Zentralkommitees der Deutschen Katholiken (ZdK), Irme Stetter-Karp, bekannt, dass ein entsprechendes Papier für die nächste Synodalversammlung im September Formen annehme. Es soll einen Synodalen Rat geben, eine Art auf Dauer angelegten Synodalen Weg als „Beratungs- und Beschlussorgan“ mit dem Ziel der Mitbestimmung der Basis, Parität von Laien und Bischöfen und Entscheidungskompetenzen für das gewählte Gremium. Das Vorhaben stößt allerdings auf dezidierte Kritik. Unter anderem hatte sich Papst Franziskus kürzlich zu Wort gemeldet: Es gebe in Deutschland schon eine sehr gute evangelische Kirche, es brauche keine zweite.

Rat würde faktisch die Bischofskonferenz ersetzen

Ein solcher Synodaler Rat entspricht der Struktur der evangelischen Kirche. Das bemängelte auch der Wiener Theologe Jan-Heiner Tück. In einem solchen Rat würden nicht mehr die Bischöfe ihre Diözese leiten, sondern ein ständiger und paritätisch besetzter Rat, der zudem „die Definitionshoheit über die künftigen Wege der katholischen Kirche in Deutschland“ hat.  So hat es die Synodalversammlung vorgesehen. Im Handlungstext heißt es, das Gremium werde „Grundsatzentscheidungen von überdiözesaner Bedeutung zu pastoralen Planungen, Zukunftsfragen und Haushaltsangelegenheiten der Kirche treffen, die nicht auf diözesaner Ebene entschieden werden“.

Das bedeutet, dass der Synodale Rat faktisch die Deutsche Bischofskonferenz ersetzt und die Macht über die Verwaltung des Geldes bekommt. Er entscheidet über die Art der zu unterstützenden Projekte und auch über deren Inhalt. Zu erwarten ist, dass die Themen des Synodalen Weges zu Gleichstellung, Sexualität, Segnung gleichgeschlechtlicher Paare und so weiter ihre Fortsetzung finden im Synodalen Rat, der seinerseits nichts anderes ist als die dauerhafte Fortsetzung des Synodalen Weges. Die Beschlüsse des Rates sollen mindestens dieselbe rechtliche Wirkung besitzen, wie die der Synodalversalversammlung. So der Plan.

Wie ein kollektiver Rücktritt der Bischöfe

Kardinal Walter Kasper nannte dies eine „aus ganz anderem Geist oder Ungeist kommende Idee“, die die „Freiheit des Geistes, der weht, wo und wann er will“, abwürge und die Struktur zerstöre, „die Christus für seine Kirche gewollt hat“. Wenn statt des sakramental ordinierten Priesters ein Gremium die Kirche leitet, käme das, so Kasper, einem „kollektiven Rücktritt der Bischöfe“ gleich. Der Theologe Tück verwies in dem Zusammenhang auf das Zweite Vatikanische Konzil, das die Untrennbarkeit von Weihe- und Hirtengewalt gelehrt hat.

Damit stellt sich die Frage nach der Legitimation eines Synodalen Rates. Laut Handlungstext des Synodalen Wegs beschließt die Synodalversammlung die Einrichtung eines Synodalen Rates „vor dem Hintergrund von can. 127 und can. 129 CIC“, also des Codex Iuris Canonici, dem Gesetzbuch des kanonischen Rechts der Katholischen Kirche.

Kirchentradition kennt keine synodale Kirchenregierung

Diese Bezugnahme ist insofern falsch, als „die in can. 127 genannten Räte diejenigen sind, die der CIC selbst vorsieht, also diözesane und pfarrliche Pastoralräte oder Räte der Ordensgemeinschaften, nicht aber diejenigen, die ein rechtlich inexistentes Gremium sich ausdenkt“, erläuterte der Kirchenrechtler Stefan Mückl auf Anfrage dieser Zeitung. Can. 129 reserviere die Leitungsvollmacht den geweihten Amtsträgern und lasse bei deren Ausübung die „Mitwirkung“ von Laien zu, ohne sie zu fordern. „Genau dieses Verhältnis wird in dem genannten Text umgekehrt.“

Auch Kardinal Kasper erkennt keine Legitimation für einen Synodalen Rat. Die Tradition der Kirche kenne „keine synodale Kirchenregierung“, sagte er. „Ein synodaler, oberster Rat, wie er jetzt in Aussicht genommen wird, hat in der gesamten Verfassungsgeschichte keinen Anhalt.“ Synoden ließen sich nicht auf Dauer stellen. Ähnlich äußerte sich der Wiener Kardinal Christoph Schönborn, der sagte, dass es keinen Parlamentarismus in Sachen Lehre und Disziplin der Kirche gibt.

Keine Lösung gegen Versteppung des Glaubens

Davon abgesehen stellt sich die Frage, ob ein Synodaler Rat einen Beitrag in der Kirchenkrise leisten kann — und welchen? Für den Wiener Dogmatiker Tück, der wie viele andere den Glaubensschwund als Ursache sieht, ist klar, dass ein solcher Rat gegen die „andauernde Versteppung des Glaubens“ keine Lösung sein kann. Das zeige ein Blick auf die Evangelische Kirche, die trotz entsprechender Reformen mit Erosionsprozessen konfrontiert sei.

In der evangelischen Kirche ist eine Rat-ähnliche, demokratische Struktur bereits Realität. Die Krise der evangelischen Kirche ist aber nicht geringer als die der katholischen. In den letzten Jahrzehnten hat sie sogar zwei Millionen mehr Gläubige verloren als die katholische Kirche.

ZdK gewinnt ein Einfluss in der katholischen Kirche

Der Rat würde zumindest eines bringen: Das ZdK würde deutlich an Einfluss in der katholischen Kirche in Deutschland gewinnen, sie gewissermaßen regieren. Denn der Synodale Rat soll nach Vorbild des Synodalen Wegs organisiert und entsprechend paritätisch von je einem Vorsitzenden aus ZdK und Deutscher Bischofskonferenz (DBK) geleitet werden. Zusammensetzen soll sich der Rat jeweils zu gleichen Teilen aus Diözesanbischöfen und ZdK-Mitgliedern, sowie zusätzlichen von DBK und ZdK bestimmten Delegierten — und nicht, wie üblich beim ZdK, demokratisch vom (Kirchen-)Volk gewählten Repräsentanten.

Ob das ZdK allerdings als Leitungsgremium theologisch legitimiert wäre, ist fraglich. ZdK-Präsidentin Stetter-Karp hält trotz aller Kritik und offenen Fragen eisern an der Einrichtung eines solchen Synodalen Rates fest. Das sei ein entscheidender und wichtiger Schritt, gab sie am Sonntag an die Presse. „Wir sehen seit Beginn des Synodalen Weges, wie erfolgreich synodale Beratungen sind. Wir sehen, dass es gut ist, gemeinsam zu entscheiden,“ sagte sie.

 


Dorothea Schmidt
ist Mitglied der Synodalen Vollversammlung, Journalistin, junge Familienmutter, Mitarbeiterin bei Maria 1.0 und Autorin des Buches: „Pippi-Langstrumpf-Kirche“ (2021).

Dieser Text erschien erstmalig bei der Tagespost.

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