Gelegentlich hört man von “Dumm-Studierten”. Aktuell zeigt sich, dass Theologie von der Basis – hier: vom Fußballplatz – besser sein kann als die Lehre an theologischen Fakultäten. Dort wird bei der Ausbildung mancher Bock zum Gärtner gemacht. Ein Aufreger von Helmut Müller.
Am Sonntag hat es mich sieben Mal aus dem Sessel gerissen. Mit einem Freund hatte ich mich nach dem Spiel natürlich angeregt unterhalten, dass man sich jetzt wenigstens beim Fußball noch richtig freuen kann, wenn Welt, Politik und Kirche jeden Tag für Frust sorgen und ein amerikanischer Präsident seine Gefühlszustände in Fakenachrichten mitteilte. Der Fernseher lief weiter und wir hörten gar nicht richtig zu und schauten auch gar nicht mehr richtig hin, leerten Bierkrüge und Chipstüte – und da meinte ich, Jesus gehört zu haben.
Jesus im Stadion
Was war das denn? Auf dem Fußballplatz? Wir waren doch nicht bei KTV in einer Messe!? Heute kann man ja alles rückspulen. Und tatsächlich: Felix Nmecha war’s, der sagte, was ich tags später mit einem Bild aus meiner beinahe noch aktiven Zeit postete:
„Im Spiel sind wir Gegner, aber nach dem Spiel sind wir alle Christen. Im Ganzen glauben wir alle, dass Jesus durch das Spiel verherrlicht wird. Deswegen sind wir zusammengekommen und haben zusammen gebetet.“
Das war eindrücklicher als jede Predigt in der Kirche, weil es vor aller Welt, in einer Sternstunde des ÖRR, gesagt wurde. Der Interviewer im ÖRR verstummte auch schlagartig und dankte für das Interview, damit nur ja keine Leute wie mein Freund und ich, die schon die Chancen für das nächste Spiel ausloteten, es vielleicht doch mitbekommen. Aber ich hatte Jesus gehört und deshalb spulten wir zurück. Was will man eigentlich mehr, wenn ein Star sagt, „im Spiel waren wir Gegner, aber nach dem Spiel waren wir Christen?“. Was für eine Botschaft, wenn Leute in Frankreich sogar nach einem gewonnenen Championsleague-Spiel für Bilder sorgen wie in einem Bürgerkrieg. Also: Was für eine Botschaft! Auch der Tag danach war für mich noch wie ein liturgisches Hochfest mit Weihrauch. Allen meinen Freunden postete ich die Botschaft von Felix Nmecha.
Jesus an theologischen Fakultäten – Fehlanzeige!?
Und heute morgen – ich traute meinen Augen nicht – ein theologische Kompetenz Simulierender, ein wissenschaftlicher Mitarbeiter an einer theologischen Fakultät, meinte schreiben zu müssen: Fußballerische Prominenz ersetzt keine theologische Kompetenz. Und sofort war für mich das liturgische Hochfest mit Weihrauch vorbei und erinnerte mich wieder an eine andere alte Wirkungsstätte – also nicht auf dem Fußballplatz, wo ich mir als Torpedomüller (k)einen kreativen Namen gemacht hatte –, an eine theologische Fakultät. Klar, kein sakraler Raum – das ist ein Fußballplatz auch nicht – aber in meiner Studienzeit wurde die zu einer atomwaffenfreien Zone erklärt. Heute scheint es nicht besser geworden zu sein. Kardinal Kasper monierte noch vor ein paar Tagen, dass er eine christologiefreie Zone fürchte. . .
So, ich hör jetzt auf, bevor ich mich – wie leider häufig nach Fußballspielen – auf Stammtischniveau begebe. Und damit ich noch einen Rest Hochfest genießen kann.
Dr. phil. Helmut Müller
Philosoph und Theologe, akademischer Direktor am Institut für Katholische Theologie der Universität Koblenz. Autor u.a. des Buches „Hineingenommen in die Liebe“, FE-Medien Verlag. Helmut Müller ist Mitautor des Buches „Urworte des Evangeliums“.
Beitragsbild: @ Peter Esser (über KI)

