Interview mit Kerstin Goldschmidt

Wer steckt eigentlich hinter dem Neuen Anfang? Wir führen Sie „backstage“ und stellen in loser Folge Gesichter der Initiative Neuer Anfang vor. Den buchstäblichen Anfang macht Kerstin Goldschmidt. Die Fragen stellte Patricia Haun.

Liebe Kerstin, Du bist seit Spätsommer letzten Jahres neu im Team des Neuen Anfangs. Was hat Dich bewogen, bei unserer Initiative mitzuarbeiten?

Die Menschen und das Ziel des Neuen Anfangs, gemeinsam mit Laien dafür zu wirken, dass die katholische Kirche im deutschsprachigen Raum wieder als attraktiv und wahr erlebt wird!
Ich gehörte zu den Unterzeichnern des Reform Manifests. 2018 bin ich zur katholischen Kirche konvertiert – und war überrascht, als ich den Eindruck bekam, dass sie zunehmend auf protestantischen Wellen reitet. Da hätte ich auch in der Freikirche bleiben können.

Wie kam es dann zur Mitarbeit?

Die Arbeit des Neuen Anfangs hat mich in Summe sehr angesprochen. Nach der Urworte Buchvorstellung im Februar 2025  in Köln und der Einladung zur Romwallfahrt habe ich länger mit Birgitt Kerz telefoniert und mich mit meinen Ideen eingebracht. Sie lud mich ein, ich habe eine “Testarbeitsphase” von ca. 100 Tagen absolviert und seither bin ich fester Teil des Teams. 

Wo hast Du Deinen Platz im Team gefunden und was sind Deine Aufgaben?

Mir gefällt es sehr gut, dass wir synodal im Team arbeiten, das heißt, wir hören aufeinander, stimmen ab, ringen gemeinsam und gehen nur weiter, wenn wir Konsens haben. 

Ich darf die Rolle der Sprecherin übernehmen und das entspricht mir sehr: mit vielen Personen außerhalb des Teams Kontakt aufnehmen, Netzwerk bauen und Kontakte pflegen. Und auch meinen Kopf rausstrecken, wenn es gilt, ein Interview zu geben oder offiziell als Ansprechpartner zu dienen. 

Im Podcast des Neuen Anfangs, den ich moderiere, kommen Menschen zu Wort, die aus der Perspektive der Glaubenslehre einen klaren und umfassenden Blick auf die katholische Kirche in Deutschland haben und sich für ihr Wachstum einsetzen. Unser Ausgangspunkt ist dabei nicht die Struktur, sondern die konkret gelebte Beziehung zu Christus.

Warum macht der Neue Anfang neuerdings Podcast? Was ist Ziel und wer ist die Zielgruppe?

Wir möchten alle Medien nutzen, um unsere “follower” und neue Personen für unser Anliegen zu erreichen. In den Folgen informieren wir in ca. 20 Minuten kompakt zu einem Thema, worüber es sich lohnt, grundsätzlicher nachzudenken. 

Wo findet man Dich, wenn Du nicht für den Neuen Anfang aktiv bist? 

Im schönen Remstal, östlich von Stuttgart, am Fuße der Weinberge. Meine Tochter ist 19 und lebt nicht mehr zu Hause, deshalb habe ich viel Zeit für Freunde, Reisen, Unterstützung meiner Eltern und Sport. Oder bei der Arbeit in Unternehmen als Trainerin, Coach und Moderatorin – ich mag meine Selbständigkeit, weil sie mich mit vielen unterschiedlichen Menschen zusammenbringt, mir viel Freiheit gibt und mich gleichzeitig fordert. 

Was magst Du uns über Dich verraten?

Ich habe eine Schwäche für italienischen Rotwein und dunkle Schokolade. Ansonsten: ich liebe es zu singen, kreativ zu sein und zu wandern.

Wenn Du drei Wünsche frei hättest für die Kirche in Deutschland, welche wären das?

Einheit – ich leide darunter, dass wir mit unseren protestantischen und freikirchlichen Geschwistern keine umfassende Einheit haben. Ich wünsche mir, dass sie die Wahrheit in den Sakramenten erkennen und die katholischen Geschwister deren große Hingabe und Begeisterung für die Mission annehmen und in ihre Pfarreien integrieren. 

Wertschätzung – das Schöne, Gute, Wahre, das Gott in jeden Menschen hineingelegt hat, erkennen bzw. sich dafür interessieren. 

Evangelisierung – Menschen, die Christus noch nicht kennen, von der Fülle Christi gemeinsam begeistert erzählen.

Wie stellst Du Dir den Himmel vor?

Wunderschön mit unendlich viel Zeit! Ich liebe Projekte und sehe gerne Dinge entstehen und wachsen. Ich habe große Gewissheit, dass ich im Himmel dafür viel Zeit habe und es sehr interessant sein wird, mit spannenden Menschen aus allen Epochen gemeinsam Dinge zu erschaffen. Himmel und Ewigkeit – für mich Gewissheit, nicht nur Hoffnung. 

Wer ist Dein Lieblings(bibel)held (außer Jesus)?

Martha, denn ich kann viel davon lernen, wie Jesus sie angesprochen hat, den Fokus auf das Wesentliche zu halten. 

Gibt es eine(n) Lieblingsheilige(n)?

Da ich noch nicht so viele Heilige kenne, lasse ich mich immer wieder von deren “Heiligkeitsaspekt” herausfordern und inspirieren. Und mich beruhigen, weil sie auch Sünder waren und ihre schwachen Seiten hatten.

Welche Geistesgabe hättest Du am liebsten, wenn Du wählen dürftest?

Mir wurde zugesprochen, dass ich die Gabe der Unterscheidung habe. Jede Gabe ist auch Verantwortung, deshalb will ich mir nicht mehr wünschen, damit ich der Verantwortung, die ich bereits habe, gerecht bleiben kann.

Welcher Ort bedeutet für Dich Heimat?

Mein Beruf als Führungskräftetrainerin führt mich an viele unterschiedliche Orte und das Unterwegssein bereichert mich.
Zuhause bin ich, wie schon erwähnt, im Remstal, am Fuße der Weinberge östlich von Stuttgart. Dort verwurzeln mich die Landschaft, die Menschen und viele vertraute Erinnerungen.
Heimat ist für mich mehr als ein Ort. Es gibt Menschen in meinem Leben, die mir aufgrund ihrer Nähe und des Vertrauens Heimat sind und mir ein Gefühl von Ankommen schenken.


Kerstin Goldschmidt,
Jahrgang 1975, verwitwet. Als selbständige Personalberaterin, Trainerin, Coach und Moderatorin begleitet Kerstin Goldschmidt Menschen und Organisationen in Veränderungsprozessen. Ihr Engagement für den Neuen Anfang entspringt der Freude, gerne von der Schönheit und Fülle des Evangeliums zu sprechen. Die geistliche Tiefe und Vielfalt der katholischen Kirche erlebt sie täglich als inspirierende Schatzkammer.


Beitragsfoto: privat

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