Erzbischof Stefan Heße für Familie und Jugend zuständig

Die Deutsche Bischofskonferenz hat am 29. September neue Vorsitzende für die bischöflichen Kommissionen gewählt. Der Hamburger Erzbischof Stefan Heße ist künftig für die „Kommission IV Familie, Jugend und Erziehung“ der Deutschen Bischofskonferenz zuständig. Man könnte meinen, da wurde so mancher Bock zum Gärtner gemacht. Stephan Raabe skizziert Hintergründe zu dieser Personalie.

Heße löst den Berliner Erzbischof Heiner Koch ab, der die bisherige „Kommission für Ehe und Familie“ geleitet hat, sowie den zurückgetretenen Bischof von Dresden-Meißen, Heinrich Timmerevers, der der „Kommission für Erziehung und Schule“ vorstand.

Für die Ehe, immerhin ein Sakrament, war in der Bezeichnung der neuen Kommission IV leider kein Platz mehr: bedauerlich.

Erzbischof Heße hatte 2021 dem Papst seinen Rücktritt als Erzbischof von Hamburg angeboten, weil ihm im Gutachten von Gercke und Wollschläger zum sexuellen Missbrauch im Erzbistum Köln sieben Pflichtverletzungen insbesondere hinsichtlich seiner Aufklärungspflicht in seiner Zeit als Personalchef und Generalvikar in Köln von 2002 bis 2015 nachgewiesen wurden. Papst Franziskus nahm den Rücktritt jedoch nicht an, da Heße den sexuellen Missbrauch nicht absichtlich vertuscht habe.

Aktuell ist Erzbischof Heße in der Kritik, weil im Erzbistum Hamburg im August ein umstrittenes Rahmenkonzept für sexuelle Bildung an den katholischen Schulen in Kraft gesetzt wurde, das die Akzeptanz von Vielfalt hinsichtlich sexueller Orientierungen und geschlechtlicher Identität betont.

Gegen dieses Bildungskonzept wendet sich seit über einem Jahr ein „Elternnetzwerk Kinderschutz und Prävention“ im Erzbistum. Es fordert, insbesondere das Elternrecht und den altersgerechten Kinderschutz zu gewährleisten. Zudem solle das Bildungskonzept mit Blick auf die Grundorientierungen der katholischen Sexuallehre überprüft werden.

Auf Frage der katholischen Elterninitiative bestätigte das vatikanische Dikasterium für Kultur und Bildung, dass für die Sexualerziehung in der katholischen Kirche nach wie vor das Vatikan-Dokument „Als Mann und Frau schuf er sie“ von 2019 maßgeblich sei, in dem ein kritischer Dialog zur Gender-Frage im Bildungswesen aus katholischer Sicht geführt wird.

Das Elternnetzwerk listete daraufhin 20 Widersprüche auf, die zwischen dem Hamburger Rahmenkonzept und den vatikanischen Leitlinien bestünden. Diese beträfen vor allem das Menschenbild, die Bewertung von Ehe und Familie sowie das Erziehungsrecht der Eltern.

Die katholische Wochenzeitung Die Tagespost berichtete jüngst über ein Schreiben des Hamburger Generalvikars Geißler an die Mitarbeiter des Erzbistums, in dem vor dem Elternnetzwerk gewarnt und dazu aufgefordert wird, auf die Kritik „weder zu antworten noch sich in Debatten einzulassen“. Vor diesem Hintergrund ist die Wahl von Erzbischof Heße zum Familien- und Jugendbischof eine bemerkenswerte Entscheidung.


Stephan Raabe
studierte Geschichte, Kath. Theologie, Philosophie und Politik in Bonn und München, machte einen Magisterabschluss, arbeitete seit 1992 in der Jugendseelsorge im Erzbistum Berlin, war 2002/03 Bundesgeschäftsführer des Familienbundes der Katholiken und als solcher Mitglied im ZdK, seitdem ist er in der politischen Beratung und Bildung im In- und Ausland tätig. Publizistisch setzt er sich immer wieder kritisch mit der „Weiterentwicklung“ der Kirche in Deutschland auseinander.


Beitragsbild: KI-generiert

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