Gender und Feminismus grassieren in kirchlichen Jugendverbänden wie eine neue Religion, mit der eine alte überwunden werden soll. Bernhard Meuser lässt den Vorwurf nicht auf der Kirche sitzen, sie sei „antifeministisch“. Ganz im Gegenteil. Aber lesen Sie selbst: 

Alljährlich kommen sie auf Kirchenkosten zusammen, die katholischen Jugendverbände aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, – besser gesagt, ihre Funktionärinnen und Funktionäre. Dieses Mal traf man sich vom 20. – 23. 2026 August in Berlin. Und natürlich ging es um das, was allen, die sich für die repräsentative katholische Jugend halten, auf den Nägeln brennt: Geschlechtergerechtigkeit, Gleichstellung und Feminismus.

Belehrt wurde das Auditorium von Aurica Jax, Dozentin am Institut für theologische Zoologie, und besucht wurde es von der deutschen Bundesstiftung Gleichstellung unter der Leitung von Lisi Maier. Daneben unterzog sich die wissbegierige Truppe einer “Stadtführung zu queerem und schwarzem Feminismus.” Danach war man hinreichend gerüstet für ein Statement: „Gendergerechtigkeit in der Kirche bedeutet, dass alle Menschen unabhängig von ihrem Geschlecht, ihrer sexuellen Orientierung und Identität dieselben Möglichkeiten, Verantwortung, Mitgestaltung und Rechte haben“, wie der Landesleiter von Südtirols Katholischer Jugend (SKJ) die Erkenntnisse zusammenfasste. Andernfalls verfalle die Kirche dem antifeministischen Fundamentalismus und der politischen Radikalisierung und könne deshalb keine Zukunft haben. “Antifeminismus”, meinte Elisabeth Wanek (KJ Österreich), “findet viel zu oft unter christlichem Deckmantel statt.”

Über wahren Antifeminismus

Wirklichen Antifeminismus gibt es zum einen in weiten Teilen des Islam, wo Frauen noch immer beschämende Formen der Abwertung erfahren. Man unterzieht sie vielfach einer rigorosen Geschlechtertrennung und behindert sie durch Verschleierungsgebote im freien Ausdruck ihrer Person. Noch immer werden sie systematisch im Familienrecht (insbes. Vormundschaftsrecht), Erb- und Zeugnisrecht benachteiligt. Noch immer stehen Frauen unter umfassender Kontrolle durch eine herrschende Klasse von Männern. Das geht bis zu religiös begründeter Legitimation von Gewalt, ja bis hin zum Mord an weiblichen Familienmitgliedern zur Erhaltung kodifizierter Sippen- und Familienehre.

Wirklichen Antifeminismus gibt es zum anderen in weiten Teilen des Feminismus, der sich von dem berechtigten Kampf für die gleiche Würde von Männern und Frauen verabschiedet hat und sich heute kernhaft um ein radikalisiertes “Selbstbestimmungsrecht der Frau” gruppiert. In verschleierter Rede ist damit das Recht einer Frau gemeint, das Kind in ihrem Leib töten lassen zu können. Das aber ist nicht mehr Selbstbestimmung, sondern Fremdbestimmung, nämlich der fundamentale Übergriff in die Würde und das Lebensrecht einer anderen Person, zudem die Desolidarisierung von einem menschlichen Wesen im Status seiner größten Abhängigkeit und maximalen Schutzbedürftigkeit. Das Kind im Leib seiner Mutter ist nicht nur ein “Anderer” der Mutter; es ist ihr Nächster. Christlich gesprochen ist Mutterliebe die originärste Form von Nächstenliebe. Eine tiefere Verletzung auch der Würde der Frau ist kaum vorstellbar. Antifeminismus pur!

Was den katholischen Jugend-Feminismus ärgert

Die Ziele der Jugendverbände sind aus einer Vielzahl von Äußerungen leicht zu konkretisieren. Ihre Attacke gegen den angeblichen Antifeminismus der Kirche richtet sich …
a)  gegen die Zuweisung des Priesteramtes an den Mann,
b)  gegen die Sexualethik der Kirche, die beispielsweise voreheliche, unverbindliche, außereheliche und gleichgeschlechtliche sexuelle Beziehungen kritisch sieht,
c)  gegen die kirchliche Ächtung von Abtreibung. 

In allen Fällen gibt es verbindliche kirchliche Lehre:

a) Die Zuweisung des Priesteramtes an den Mann ist nicht Ausdruck von paternalistischer Herrschaft, sondern eine seit Jesus existierende Praxis der Kirche, die im Brautmysterium der Offenbarung begründet ist. Danach kann eine Frau in der sakramentalen Symbolik des Priesteramtes schlecht den “Bräutigam” der “Braut” Kirche darstellen.
b) Die Sexualethik der Kirche ist nicht ihre Erfindung und die Kirche hat auch kein Mandat, Veränderungen am Befund aus der Heiligen Schrift vorzunehmen. Die verbindliche, lebenslange und fruchtbare Liebe von Mann und Frau ist die Matrix, von woher alle Formen sexueller Betätigung zu beleuchten sind – gegebenenfalls kritisch.
c) Das Fünfte Gebot ist nach wie vor in universaler Geltung und kann von Christen nur zum Preis ihres Abfalls vom Glauben außer Kraft gesetzt werden.

Der feministische Sympathisant in Rom

Damit löst sich der angebliche Antifeminismus der Kirche in Luft auf, was nicht heißt, dass die Kirche im Lauf ihrer Geschichte nicht gegen die gleiche Würde von Männern und Frauen schlimm gesündigt und ihre eigenen Standards damit unterlaufen hat. Es gibt also einen berechtigten Feminismus in der Kirche, dessen Sympathisant und bester Sachwalter der amtierende Papst sein dürfte, der eine kirchliche Schlüsselstellung nach der anderen mit Frauen besetzt.

Und erinnern sollten sich alle, womit Feminismus in der Menschheitsgeschichte spektakulär und mit höchster Autorität begann: Er begann mit einem Engel und einer Initiative Gottes. Eine unscheinbare galiläische Jüdin, noch halb im Kindesalter, wurde dazu bestimmt, die Heilung der zerstörten Schöpfung und des zerrütteten Verhältnisses der Geschlechter zu ermöglichen. Der Feminismus in der Kirche begann mit einer Frau – einer „neuen Eva“ –, begann mit ihrem „geradezu im buchstäblichen Sinn epochemachenden und initialen Glauben“ (Heinrich Köster), der sie blutsverwandt mit Jesus machte. Mit der jungen Kirche führte das eine Gesellschaft herauf, die alle heidnischen Praktiken der Frauen- und Kinderverachtung blamierte. Wer wissen will, welche grundstürzenden Veränderungen sich mit dem Christentum in der griechischen und römischen Antike ereigneten, dem empfehle ich das Werk der Altphilologin Bettina Eva Stumpp „Prostitution in der römischen Antike“. 

Das Ärgernis

Einmal mehr geben kirchliche Jugendverbände Ärgernis. Und wieder haben gläubige Christen das Recht, ihre Bischöfe nach ihrer Aufsichtspflicht zu fragen. Immerhin finanziert jeder Gläubige durch die Kirchensteuer oder den Kirchenbeitrag die Zerstörung kirchlicher Identität durch kirchliche Angestellte mit. Die selbstherrlichen Jungfunktionäre und Jungfunktionärinnen beweisen ein ums andere Mal, wie weit sie sich mit Kopf und Herz von der Kirche entfernt haben. Bischöfe sollten ihnen verdeutlichen, dass katholisches Christsein Entscheidung bedeutet. Man kann nicht gleichzeitig der katholischen und der radikalfeministischen Kirche angehören. Ihr Credo, ihre Sakramente und Kultübungen sind nicht katholisch. Wann verstehen Bischöfe endlich, dass sie es nicht katholischen Eltern überlassen können, ihre Kinder vor der parasitären Falschkirche in der richtigen Kirche zu bewahren?

Mt 6,21: „Wo dein Schatz ist, da ist dein Herz“.

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Bernhard Meuser
Jahrgang 1953, ist Theologe, Publizist und renommierter Autor zahlreicher Bestseller (u.a. „Christ sein für Einsteiger“, „Beten, eine Sehnsucht“, „Sternstunden“). Er war Initiator und Mitautor des 2011 erschienenen Jugendkatechismus „Youcat“. In seinem Buch „Freie Liebe – Über neue Sexualmoral“ (Fontis Verlag 2020), formuliert er Ecksteine für eine wirklich erneuerte Sexualmoral. Bernhard Meuser ist Mitherausgeber des Buches “Urworte des Evangeliums”.


Beitragsbild: Das Plakatmotiv “We Can Do It“, eigentlich gedacht, Frauen zur Rüstungsproduktion zu ermutigen, ist zu einer feministischen Ikone geworden.
Quelle: Wikipedia, Anpassung des Hintergrunds: Peter Esser

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