Interview mit Patricia Haun

Wer steckt eigentlich hinter dem Neuen Anfang? Wir führen Sie „backstage“ und stellen in loser Folge Gesichter der Initiative Neuer Anfang vor. Heute im Gespräch: Patricia Haun. Peter Esser konfrontierte sie überwiegend mit den gleichen Fragen, die sie sonst den anderen Teammitgliedern stellt.

Liebe Patricia, Du bist seit März 2023 im Team des Neuen Anfangs. Was hat Dich bewogen, bei dieser Initiative mitzuarbeiten?

Ich wurde quasi “berufen”. Birgit Kelle, die damals maßgeblich die Redaktionsarbeit machte, und die ich aus vorherigen beruflichen Verbindungen kannte, hatte mich gefragt, ob ich sie beim Neuen Anfang unterstützen könne. Dank ihrer exzellenten Einarbeitung konnte ich mich bald selbständig um die Blogbeiträge und den Newsletter kümmern.

Wo hast Du Deinen Platz im Team gefunden und was sind Deine Aufgaben?

Neben meinem Verantwortungsbereich Blog und Newsletter, in Zusammenarbeit mit Peter Esser, darf ich Mitdenken, Mitdiskutieren, meine Ideen einbringen und Projekte mit voranbringen. Mal bin ich Anschieber, mal Bremser, vor allem aber Dienstleister. Meine reichlich vorhandene berufliche Erfahrung mit charismatischen Menschen sowie mit Künstlern, verbunden mit weiblicher Intuition, scheint im synodalen Gefüge des Teams fruchtbar zu sein.

Was meinst Du mit  “synodalem Gefüge”? Wie funktioniert das konkret?

Nun, wir sind schon ein sehr bunter Haufen, zum einen aus allen Altersgruppen, von Berufsstartern bis Rentnern; Männer und Frauen aus den unterschiedlichsten beruflichen Feldern (Jurist, Professor, Dozenten, Familienmanager, Wissenschaftler, Musiker, Lehrer, Grafiker, Journalisten, Coaches …). Das bündelt viele Kompetenzen und Talente, birgt aber auch Herausforderungen in Bezug auf (gemeinsame) Arbeitszeit, zeitliche Kapazitäten usw. Vielleicht ist es eine Besonderheit des Neuen Anfangs, dass jede und jeder sich nach seinen individuellen Möglichkeiten einbringen darf, jedoch nicht muss – dabei immer geHÖRT und ernst genommen wird. Wir versuchen beim Neuen Anfang Synodalität zu leben und einzuüben, wie von Papst Franziskus in der Weltsynode vorgedacht und wie es auch von seinem Nachfolger Leo gewünscht ist. Da ist sicher noch viel experimentell und erfordert Übung. Fruchtbares Output und viele positive Rückmeldungen scheinen diesen Weg des Neuen Anfangs zu bestätigen. Dabei sind Korrekturen im Vorgehen und im Miteinander immer wieder nötig und wichtig. Auch das setzt gute Kommunikation und Achtsamkeit gegenüber Personen und Aufgaben voraus.

Wo findet man Dich, wenn Du nicht für den Neuen Anfang aktiv bist? 

Aktuell für ein Jahr in Wien (work & travel). Dazwischen immer wieder mal in der Spessarter Heimat bei meinen Eltern, Kindern und Enkeln. Als Familienmensch mit Leib & Seele habe ich die meisten Jahre meines Lebens der Familienarbeit gewidmet. Da ich aber auch eine Reisetante bin, versuche ich nun ein wenig mehr von Gottes schöner Welt zu erkunden. Das gibt mir und meinen nun erwachsenen Kindern Raum zum Abnabeln, obwohl schon drei Enkel zu Hause eben nicht warten, sondern sich unaufhaltsam ins Leben entwickeln. Dank Videotelefonie (“heißem Draht”) ist private und berufliche Verbindung weltweit möglich.

Was magst Du uns noch über Dich verraten?

Neben Familie und Beruf schlägt mein Herz für die Menschen und für die Musik. Viele Stunden meines Lebens habe ich an der Klarinette und am Saxophon verbracht. Meinen beruflichen Traum “Orchestermusik” habe ich zugunsten der vorrangigen Familienpläne früh aufgegeben. Die Feuerwehrkapelle mit vielfältigem Repertoire, u. a. konzertanter Blasmusik, als Hobby war ein guter Kompromiss. Neuerdings bin ich auch ab und an im Fußballstadion anzutreffen, vorzugsweise Borussia Mönchengladbach.

Welcher Ort bedeutet für Dich Heimat?

Früher hätte ich diese Frage immer klar mit “Heigenbrücken im Spessart” beantwortet. Ich bin ein “Wald-Kind”. Der Wald strahlt Kühle, Frische, Kraft und Leben aus. Das ist wirklich Lebenselixier, das viele irdische Bedürfnisse bedient. Das Pendant im Geistlichen ist mein Glaube. Mit den Jahren hat sich sowohl der irdische als auch der geistliche Heimatbegriff gewandelt. Beides hat sich losgelöst von bestimmten Orten. Heimat ist für mich da, wo ich mich wohlfühle und Heimat ist in meinem Herzen, wo ich sowohl den Menschen begegne, die ich liebe, als auch Jesus Christus, der für mich Freund und Begleiter über diese kleine und zugleich großartige irdische Welt hinaus ist.

Wenn Du drei Wünsche frei hättest für die Kirche in Deutschland, welche wären das?

  • Ein reiner, kindlicher Glaube bei allen – Klerikern wie Laien -, nicht im Sinne von naiv oder Kinderglaube, sondern einfachen und reinen Herzens.
  • Ablassen von der Besserwisserei. Stattdessen Hören und Schauen, was Weltkirche uns zu geben hat, was wir von anderen lernen können.
  • EINHEIT trotz Verschiedenheit. Das meint nicht den kleinsten gemeinsamen Nenner suchen, sondern sich selbst und andere annehmen und sich gegenseitig bereichern.

Wie stellst Du Dir den Himmel vor?

Als ewige Heimat. Ein Angekommen sein. Nicht mehr streben zu müssen, sondern einfach da sein, angenommen und geliebt, versöhnt mit allem und allen. Ausruhen dürfen beim Vater. Immer das rechte Maß an “Sonne und Wind auf der Haut” – natürlich im übertragenen Sinne. Und keinen Hunger mehr zu haben nach Genuss, nach Leben, nach Liebe, nach Frieden. . . Himmlisch eben.

Wer ist Dein Lieblingsbibelheld (außer Jesus)?

Maria Magdalena

Gibt es eine(n) Lieblingsheilige(n)?

Therese von Lisieux

Welche Geistesgabe hättest Du am liebsten, wenn Du wählen dürftest?

Weisheit. Am liebsten aber von allen Gaben so viel, dass ich immer dem Menschen, der mir gerade gegenübersteht, am besten dienen kann.


Patricia Haun
Jahrgang 1971, ist freie Journalistin, Mutter von vier Kindern und Großmutter dreier Enkel. Sie hat sich jahrelang in der Lebensrechtsarbeit, in kirchlichen und caritativen Organisationen engagiert und wirkt mit bei der Initiative „Neuer Anfang“.


Beitragsfoto: Spessartwald – Morgennebel am Gaulkopf / Foto: Michael Kunkel
Foto im Beitrag: privat

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