Jesus hat der Kirche geschenkt, sein Pascha immer neu zu vergegenwärtigen. Im eucharistischen Mysterium gibt er Anteil an seinem Tod, an Auferstehung und Erhöhung. Weil er sich gehorsam in die Hände der Menschen überliefert, beginnt vom Abendmahlssaal aus die Überlieferung der Eucharistie. Wie Petrus sollen wir lernen, Jesus an uns handeln zu lassen.

Vorschläge zur Betrachtung

  1. Wie im gestern erschienenen Text “Durchbruch zum Leben” gesagt: Das Mysterium ist immer ganz. Wir feiern auch am Gründonnerstag das ganze Paschamysterium von Leiden, Sterben, Tod, Grabesruhe und Abstieg zu den Toten, Auferstehung, Erhöhung und Inthronisation zur Rechten des Vaters. Die Kirche wählt als Eröffnungsvers einen Text, der diese Einheit zum Ausdruck bringt:

    „Wir rühmen uns des Kreuzes unseres Herrn Jesus Christus. In ihm ist uns Heil geworden und Auferstehung und Leben. Durch ihn sind wir erlöst und befreit.“

  2. Die alttestamentliche Lesung stellt die Einsetzung der Paschafeier im Buch Exodus dem ganzen Triduum paschale voran. In ältester Zeit wurde in einer Ganznachtsfeier das ganze Mysterium begangen. Damals war der entscheidende Bezugstext der Osterfeier dieser Abschnitt der Befreiung aus Ägypten und der Stiftung des  Pascha aus dem Buch Exodus: Typos, Urgestalt der Erlösung, auch für das Erlösungsgeheimnis Jesu. Später – wieder unter dem Einfluss Jerusalems – faltete sich die eine Ganznachtsfeier zum Triduum aus, das mit der Feier des Gründonnerstags beginnt. Die Exoduslesung an dieser Stelle hat programmatischen Charakter: Durch die Schlachtung des neuen Paschalamms Jesus sind wir – wie Israel in Ägypten – vor dem Tod zum Leben Bewahrte und Befreite.
  3. Wir feiern eine doppelte Traditio, lateinisch: Übergabe. Und beide hängen zutiefst zusammen. Jesus lässt sich ringend, aber vollkommen freiwillig, in die Hände der Sünder überliefern. Er lässt zu, dass er verraten wird. Er nimmt das väterliche „Muss“ (griech. dei, das auf den Erlösungsplan des Vaters verweist: „Der Menschensohn muss…“ heißt es, wenn Jesus sein Leiden und Auferstehen ankündigt), das über dieser Auslieferung liegt, auf sich – bis zu Sterben und Tod am Kreuz. Aber gerade von dorther wird die andere Überlieferung möglich: die Tradition des eucharistischen Mysteriums. Es ist die größte Gabe an die Kirche. Denn so kann im Gedächtnishandeln der Kirche er selbst und sein Opfer, sein Tod, seine Auferstehung und Erhöhung unter uns immer neu gegenwärtig werden, und wir können daran Anteil haben.
  4. Dazu müssen wir bereit sein, Jesus an uns handeln zu lassen. Der menschgewordene Gott übernimmt Sklavendienst – vergegenwärtigt im Symbolhandeln der Fußwaschung, realisiert am Kreuz. Aber so und nur so will und kann er uns – im Einklang mit dem Willen des Vaters – retten. Petrus muss lernen, Jesus so an ihm handeln zu lassen. Wir müssen es auch. Immer wieder neu.

Dr. theol. Martin Brüske
Martin Brüske, Dr. theol., geb. 1964 im Rheinland, Studium der Theologie und Philosophie in Bonn, Jerusalem und München. Lange Lehrtätigkeit in Dogmatik und theologischer Propädeutik in Freiburg / Schweiz. Unterrichtete bis 2025 Ethik am TDS Aarau. Martin Brüske ist Mitherausgeber des Buches “Urworte des Evangeliums”.


Beitragsbild: Coenaculum Jerusalem / Adobe Stock

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