Januar – DER Monat der guten Vorsätze. Damit die Umsetzung mit möglichst wenig Verlust gelingt, gibt uns Kerstin Goldschmidt als Tipp einen Booster an die Hand und liefert die gängigsten Ausreden gleich mit. Segen gibt es gratis obendrauf.
Eigentlich könnte man sich an jedem Tag des Jahres neue Routinen vornehmen – zum Monatsanfang, zu Geburtstagen oder Jubiläen. Und doch ist es der Jahreswechsel, dieser eine Tag, der nur alle 365 Tage kommt, an dem wir uns kollektiv herausgefordert fühlen, gute Vorsätze ernsthaft anzugehen: weniger Junkfood, mehr Bewegung, dem Partner mehr Wertschätzung zeigen, konsequenter mit den Handyzeiten der Kinder umgehen. Die Liste ist lang – und das Internet voll von Mentalstrategien zur Selbstdisziplinierung.
Alltagsroutine und Schweinehund
Die meisten kennen diese Vorsätze. Spricht man jedoch im Freundes- oder Bekanntenkreis darüber, winken viele müde ab. Zu anstrengend erscheint nachhaltige Selbstdisziplin, zu hartnäckig der innere Schweinehund. Und im Alltagsallerlei schwindet schnell der Nutzen der guten Vorsätze.
Der Herr kennt die Schwächen seiner Geschöpfe. Er weiß um unsere Trägheit, aber auch um unseren Sinn und unser Gespür für das Gute und Schöne. Und er will nicht, dass wir an unserer eigenen Schwachheit hängen bleiben. Deshalb hat er uns einen echten Booster geschenkt – ein Mittel, mit dem wir selbst den lästigsten Gewohnheiten den (guten) Kampf ansagen können: die Beichte.
Ausredenliste
„Oh stimmt, beichten sollte ich auch mal wieder.“
Sehr gut, wenn sich an dieser Stelle unser Gewissen meldet. Gleichzeitig besteht die Gefahr, dass die Liste der guten Vorsätze einfach um einen weiteren To-do-Punkt wächst. Damit sich unsere Ausreden bis zur nächsten Beichte nicht unnötig anstrengen müssen, folgt hier eine – gern persönlich erweiterbare – Liste der Top 13 der beliebtesten Beichtausreden:
- Scham: „Das ist mir einfach zu peinlich. Das kann ich niemandem erzählen.“
- Protestantismus: „Ich mache das direkt mit dem Herrn. Dafür brauche ich keinen Dritten.“
- Unreflektiertheit: „Die anderen haben ein Problem mit mir – ich aber nicht mit ihnen.“
- Orientierungslosigkeit: „Ich weiß gar nicht, wann und wo man beichten kann.“
- Niedergeschlagenheit: „Mir geht es sowieso schon schlecht. Da brauche ich nicht noch eins obendrauf.“
- Nihilierung oder Bagatellisierung: „Diese kleinen Süßigkeitsattacken (wahlweise ersetzbar durch Alkohol, Internetzeiten, Schimpfwörter, Zänkereien oder Schlechtreden) sind der Rede nicht wert.“
- Vergleich mit anderen: „Die anderen (hier bitte konkrete Namen einsetzen) begehen viel größere und offensichtlichere Sünden. Dagegen bin ich ein unschuldiges Lamm.“
- Falsche Rücksichtnahme: „Wenn alle Kleinstsünder beichten würden, käme der Priester zu nichts anderem mehr. Er ist ohnehin schon genug mit Verwaltung beschäftigt.“
- Dringlichkeiten: „Ich habe keine Zeit – Kinder, Partner, Eltern, Nachbarn, Hund …“
- Pauschalisierung: „Ich weiß, dass ich nicht perfekt bin. Der Herr wird mir das schon vergeben.“
- Aufrechnen: „Ich spende regelmäßig eine respektable Summe (alternativ: engagiere mich für einen guten Zweck). Das gleicht mein Beziehungskonto zu Gott aus.“
- Klaustrophobie: „Der Beichtstuhl ist viel zu eng und dunkel. Da bekomme ich Platzangst.“
- Zukunftsflucht: „Lieber schaue ich nach vorne, als mich mit alter Last zu beschäftigen.“
Mit dieser Ausredenliste stehen Sie – paradoxerweise – bereits am Anfang der Umsetzung Ihrer guten Vorsätze. Das mag auf den ersten Blick widersprüchlich wirken. In Wahrheit ist die ehrliche Auseinandersetzung mit unseren Ausflüchten der erste Schritt, um den eigentlichen Ursachen unseres Ausweichens auf die Spur zu kommen. Jede bewusst gemachte Ausrede eröffnet die Möglichkeit, eine Lösung zu finden – vorausgesetzt, wir sind überzeugt, dass in der Beichte Gott selbst handelt.
Auf in die neue Freiheit!
Unsere guten Vorsätze kreisen oft um die Vermeidung schlechter Angewohnheiten. Dahinter stehen Routinen, die uns selbst und anderen nicht guttun und uns damit vom Segen Gottes fernhalten. In der Beichte dürfen wir diese Gewohnheiten vor den Herrn bringen – und er spricht uns die Freiheit neu zu, zu der wir berufen sind: die Freiheit, das Gute, das Schöne und das Wahre zu wählen.
Begegnen wir also dem letzten Feind, der Beichtausrede, mit einem klaren Bekenntnis:
„Der Herr hat Segen für mich vorbereitet. Dafür spricht er mich von meinen Schwächen, Verfehlungen und lästigen Routinen frei. Diesen Segen lasse ich mir nicht nehmen!“
Wir dürfen sicher sein: Mit einem regelmäßigen, ehrlichen Beichtgang wird auch die Umsetzung unserer guten Vorsätze deutlich leichter.
Und dafür brauchen wir nicht einmal den Jahreswechsel.
Kerstin Goldschmidt,
Jahrgang 1975, verwitwet. Als selbständige Personalberaterin, Trainerin, Coach und Moderatorin begleitet Kerstin Goldschmidt Menschen und Organisationen in Veränderungsprozessen. Ihr Engagement für den Neuen Anfang entspringt der Freude, gerne von der Schönheit und Fülle des Evangeliums zu sprechen. Die geistliche Tiefe und Vielfalt der katholischen Kirche erlebt sie täglich als inspirierende Schatzkammer.
Beitragsbild: Schweinehund stoppen / KI-Generierte Emojis by Peter Esser

