In der Auseinandersetzung um den Zusammenhang zwischen homosexueller Neigung von Priestern und Missbrauch, kam es jetzt zu einer interessanten Offenbarung. Birgit Kelle von „Neuer Anfang“ hatte einen Artikel in der Tagespost mit dem Titel „Ein Herz für schwule Priester“ veröffentlicht, der in der Szene Empörung auslöste. Wolfgang F. Rothe schrieb in den sozialen Medien dazu: „Wollte man Birgit Kelle  darin folgen, dass sexueller Missbrauch verhindert werden kann, indem man Homosexuelle vom Priesteramt freihält, müsste man liturgischen „Missbrauch“ dadurch bekämpfen, dass man Männer vom Priester fernhält.“  Der Leser Marcel Schimmelpfennig antwortete ihm darauf bei Twitter: „1. Mal einen nüchternen Blick auf das Gros der Gutachten: Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass mehr als drei viertel aller Fälle Übergriffe männlicher Kleriker auf männliche Betroffen sind.“ Die gründlichste Studie, der John-Jay-Report, spricht übrigens von 81 Prozent. Wolfgang F. Rothe antwortete mit folgendem Satz: „Weil halt ¾ aller Kleriker schwul sind. Na und?“

Verquere Logik

Nun setzt bei verschiedenen Menschen folgende Logik ein: Gesetzt der Fall, das wäre so, müsste man dann nicht aus Gründen des Opferschutzes auf die Mitarbeit von jenen 75 Prozent aller Kleriker verzichten? Dann würden nämlich 81 Prozent aller Missbrauchsfälle in der Katholischen Kirche nicht passieren? Die Kirche könnte nur noch auf die Mitarbeit von 25 Prozent aller Bischöfe, Priester und männlichen Ordensangehörigen zurückgreifen; sie hätte aber – o Wunder! – eine geradezu glänzende Missbrauchsbilanz, – eine solche nämlich, die besonders in Hinsicht auf die Priester um Längen besser wäre als in allen denkbaren gesellschaftlichen Vergleichsgruppen. Nun kann man die Annahme von Wolfgang F. Rothe („3/4 aller Kleriker…“) aus guten Gründen bestreiten.

Aktivisten schüren selbst Homophobie

Mir kommt es aber auf etwas Anderes an: Auf das Phänomen, dass es gerade die homosexuellen Aktivisten vom Schlage Rothe sind, die Homophobie befördern. Homophobie wird auch erzeugt, wenn in der kirchensteuerfinanzierten MHG-Studie die ebenso gewundene wie falsche Folgerung aus der Katastrophe gezogen wird: „Die grundsätzlich ablehnende Haltung der katholischen Kirche zur Weihe homosexueller Männer ist dringend zu überdenken.“ Dagegen ist zu sagen: Solange der evidente Zusammenhang zwischen Homosexualität im Priesteramt und Missbrauch an postpubertären Jungen nicht geklärt ist, schickt man Menschen auf dem schnellst denkbaren Weg geradewegs hinein in die Homophobie, die doch dringend abgebaut werden muss. Die Gläubigen werden geradezu eingeladen, ihre Bischöfe und Priester mit misstrauischen Augen zu checken und in einer Art Generalverdacht den falschen Automatismus „Schwuler Priester gleich Missbrauchs-Täter“ zu erwägen: Ist der vielleicht schwul? Am Ende ein Gefährder? Ein Komplize? Und so weiter und so schlecht. Da geschieht Priestern Unrecht – und gerade solchen, die wirklich schwul sind, aber keusch leben, einen wunderbaren Dienst an Gott und seinem Volk leisten und mit homosexuellen Netzwerken, dem Regenbogen-Hype und Missbrauch nicht das Geringste im Sinn haben.

Meine Meinung:  Mir ist die sexuelle Neigung von Priestern komplett egal, sofern sie nicht in Missbrauch verstrickt sind, sich an ihr Zölibatsversprechen halten, die Sexualethik der Heiligen Schrift kennen, die Gebote Gottes befolgen und Mitbrüder nicht mit Strafanzeigen überziehen.


Bernhard Meuser
Jahrgang 1953, ist Theologe, Publizist und renommierter Autor zahlreicher Bestseller (u.a. „Christ sein für Einsteiger“, „Beten, eine Sehnsucht“, „Sternstunden“). Er war Initiator und Mitautor des 2011 erschienenen Jugendkatechismus „Youcat“. In seinem Buch „Freie Liebe – Über neue Sexualmoral“ (Fontis Verlag 2020), formuliert er Ecksteine für eine wirklich erneuerte Sexualmoral.

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