Interview mit Peter Esser

Wer steckt eigentlich hinter dem Neuen Anfang? Wir führen Sie „backstage“ und stellen in loser Folge Gesichter der Initiative Neuer Anfang vor. Heute im Gespräch: Peter Esser. Die Fragen stellte Patricia Haun.

Lieber Peter, Du bist fast von Beginn an im Team des Neuen Anfangs. Was hat Dich bewogen, bei dieser Initiative mitzuarbeiten?

Ein Freund machte mich vor fünf Jahren auf einen Online-Studientag der Initiative Neuer Anfang aufmerksam. Man musste schon einen ganzen Sonntag dafür frei nehmen, um den einzelnen Referaten zu folgen, aber es waren gut investierte Stunden. Im kirchlichen Klima dieser Zeit faszinierte mich die intellektuelle Alternative zum Synodalen Weg, die auf die Kraft des Arguments setzte, ohne sich von einer ideologischen Seite innerhalb der Kirche vereinnahmen zu lassen. Das hat mich enorm beeindruckt. Die Kirche muss nicht neu erfunden werden, sie hat aus dem Reichtum ihrer Gaben eine Botschaft für uns Heutige.

Wie kam es dann zur Mitarbeit?

Beim nächsten Studientag war ich im Panel zugeschaltet. Bei der abschließenden Besprechung blieb ich sozusagen versehentlich online – und das war der Anfang meiner Mitarbeit beim Neuen Anfang. Später habe ich gemeinsam mit Birgit Kelle überlegt, welche Projekt ich als Grafiker, Illustrator und Animator mit der neuen Initiative verwirklichen könnte. Und wenn ich darüber nachdenke, sind einige Ideen aus diesen ersten Tagen noch gar nicht verwirklicht.

Wo hast Du Deinen Platz im Team gefunden und was sind Deine Aufgaben?

Zunächst ging es darum, die Initiative auf die Beine zu stellen. Die geistliche Herausforderung ist es, in der Mitte der Kirche zu bleiben und sich nicht im Zeitgeist zu verbiegen, sondern aus guter Theologie und geistlichem Leben einen prophetischen Dienst wahrzunehmen. Meinen Platz sehe ich in der Kreation als Art Director, aber auch in der Synodalität, die wir als Initiative einüben wollen. Besonders danke ich Kardinal Koch, der uns die geistliche Dimension wirklicher Synodalität erschlossen hat.

Du illustrierst auch gerne mal Beiträge per “Stift & Zeichenblock”. Wie lange dauert es, so ein Kunstwerk anzufertigen?

Haha, das ist ein Berufsgeheimnis! Aber im Ernst: Ich habe mich schon bei verschiedenen Veranstaltungen als sogenannter Live Act – früher nannte man das auch „Schnellzeichner” – betätigt, wenn es darum geht, Vorträge und Diskussionen an einer Tafel, einer digitalen Projektionswand oder ganz einfach auf Flip Chart und Papier zu begleiten. Da muss der erste Strich sitzen, und das geht in Vortrags- oder Sprechgeschwindigkeit. Denn bereits nach wenigen Minuten hat das Gespräch eine andere Wendung genommen. Es kommt darauf an, den Funken des Augenblicks einzufangen, und das lässt sich nicht in Zeit quantifizieren. Auch bei einem Bild, das zur Veröffentlichung bestimmt ist, egal ob in Print oder Web, kommt es auf diesen Funken an. Wichtig ist mir dabei, dass ein Cartoon nicht seelenloser Spot ist, sondern hilft, eine neue Facette eines Themas einzufangen. Mein Stichwort ist hier »versöhnender Humor«. Für einen Cartoon rechne ich meist zwei Stunden. Aber nicht mit eingerechnet ist die Zeit, die man benötigt, sich über das Motiv klarzuwerden.

Wo findet man Dich, wenn Du nicht für den Neuen Anfang aktiv bist? 

Derzeit im Allgäu beim Wandern. Ich liebe Unterwegs-Geschichten. Beim Wandern bin ich sozusagen mit Bilbo und Frodo Beutlin aus Tolkiens „Herr der Ringe” unterwegs:

„Die Straße gleitet fort und fort,
Weg von der Tür, wo sie begann,
Weit überland, von Ort zu Ort,
Ich folge ihr, so gut ich kann.”
(J.J.R. Tolkien)

Wenn ich nicht mit dem Hund unterwegs bin und einen mürrischen Hund um die Ecke zerre, zieht es mich jedes Jahr im Herbst dahin, den Herrn der Ringe von J.R.R. Tolkien zu lesen. Wie oft ich das Werk gelesen habe, vermag ich nicht zu sagen.

Seit einiger Zeit findet man mich montags auch beim Frikadellenbraten. Das liegt daran, dass wir in Neuss regelmäßig den Alpha-Kurs durchführen. Und das gemeinsame Mahl gehört zu den Grundlagen von Alpha. Man soll halt das tun, was man am besten kann.

Was magst Du uns noch über Dich verraten?

Geheimnisse? Ich habe mich fort von Richard Wagner und hin zum Glauben getastet, bis ich dann an einem Abend mit 25 Jahren ein Bekehrungserlebnis in einer Freikirche hatte.

Welcher Ort bedeutet für Dich Heimat?

Ich habe zwar das Allgäu als Sehnsuchtsort erwähnt, aber solange ich auf der Erde bin, wird der Niederrhein meine Heimat sein. Das sind die Menschen in meiner Heimatstadt Krefeld, Düsseldorf-Volmerswerth, das mir (mit der Petrusbruderschaft) lange Zeit Heimat war, und jetzt mein neuer Wohnort Neuss.
Wenn ich die Kopfweiden in den niederrheinischen Bruchlandschaften und die Windmühle auf dem Egelsberg (46 m ü. NN.) sehe, weiß ich, hier bin ich daheim.

Wenn Du drei Wünsche frei hättest für die Kirche in Deutschland, welche wären das?

Mehr Reue. Derzeit behandeln wir die Gabe Gottes zu lieblos. Das geht übrigens auch dahin, dass in der Kirche die Gabe Gottes schlechthin, der Heilige Geist mit ideologischen Phantasienamen belegt wird.
Mehr Umkehr. Gottes Wort soll unser Maßstab sein, nicht unser Eigensinn.
Mehr Freude. Und das bedeutet: Einüben in Gottes Gegenwart.

Wie stellst Du Dir den Himmel vor?

Der Himmel ist für mich Gemeinschaft mit dem dreifaltigen Gott. Jesus sehen! Im Schoß des Vaters jauchzen! Den Heiligen Geist atmen! Im Haus des Vaters wohnen! Ich freue mich auf das Wiedersehen mit Eltern und Freunden, die mir vorausgegangen sind. Zum Beispiel mit Père Josef, dessen letztes Wort an uns »à demain! (bis morgen!)« war. Der Himmel ist für mich der Ort größter Realität, an dem es keine bangen Fragen und keine Missverständnisse mehr gibt. Daher kann der Weg dorthin auch schmerzhaft sein. Wir nennen das Fegefeuer. Und dann gibt es noch das Unaussprechliche, was die Apokalypse die neue Stadt, das Himmlische Jerusalem nennt. Das ist für mich nicht vorstellbar, aber ich darf es im Glauben  erwarten.

Wer ist Dein Lieblingsbibelheld (außer Jesus)?

Ich habe zwei Vornamen erhalten. Einmal natürlich Petrus, den Jünger, dessen Weg in der Nachfolge Jesu so abenteuerlich verlaufen ist. Es findet sich alles darin: Unglaube, Bestürzung, Angst, Liebe, Verleugnung und immer wieder das Wagnis, sein Herz vorauszuwerfen. Der zweite Vorname bezeichnet für mich den alttestamentlichen Jakob, dessen Lebensweg ebenfalls gewunden verläuft, und der Segen empfangen musste, weil ihm Segen verheißen war, auch wenn er mitunter dem Segen ein wenig nachhelfen musste.

Gibt es eine(n) Lieblingsheilige(n)?

Da ich ja meine Namenspatrone bereits genannt habe, wage ich hier einmal mit Augenzwinkern, »Don Camillo« zu antworten. Don Camillo ist zwar eine Romanfigur, aber was ihn für mich so real macht, ist seine Fähigkeit, als Pastor in seinem Dorf zu leben, handgreiflich zu sein, wenn es sein muss, und vor allem die große Gabe des inneren Gesprächs mit dem Gekreuzigten. Wer glaubt, das sei nicht real, kennt Jesus schlecht. Aber es gibt noch den heiligen Augustinus, die heilige Thérèse von Lisieux … und große Heilige der Ökumene wie Frère Roger.

Welche Geistesgabe hättest Du am liebsten, wenn Du wählen dürftest?

Gute Frage! Aber ich darf ja wählen. Ich bitte Gott also nicht um eine isolierte Gabe, sondern im Chor der sieben Gaben des Heiligen Geistes um Weisheit als Schlüsselgabe. Weisheit bedeutet für mich, Gott nichts vorzuziehen und nichts für beeindruckender zu halten als Ihn.

Als Art-Director des Neuen Anfangs und als Kopf-, Herz-, UND Handwerker bekommst Du zu guter Letzt noch einen Spezialauftrag im Interview: Kannst Du für uns eine Spontanzeichnung machen, was für Dich der Neue Anfang ist?

Ganz neu ist meine Zeichnung nicht, aber spontan, und zwar angelehnt an eine Bemerkung von Thomas Söding, die halt darauf aus war, Kritik zu entwerten. Auf diese Weise kann man auch eine weniger schlaue Bemerkung zu einem kleinen Spaß umfunktionieren.

 


Peter Esser
ist 1962 am Niederrhein geboren, arbeitet als Cartoonist und Illustrator und begeistert sich für die Werke von J. R. R. Tolkien.  Peter Esser ist Mitautor des Buches „Urworte des Evangeliums“.


Beitragsfoto: Adobe Stock
Foto und Illustration im Beitrag: Peter Esser

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