Interview mit Bernhard Meuser

Wer steckt eigentlich hinter dem Neuen Anfang? Wir führen Sie „backstage“ und stellen in loser Folge Gesichter der Initiative Neuer Anfang vor. Heute im Gespräch: Bernhard Meuser. Die Fragen stellte Patricia Haun.

Lieber Bernhard, Du bist einer der beiden Gründer des Neuen Anfangs. Was hat Dich bewogen, diese Initiative zu starten? Was war der Auslöser?

Da ich selbst Missbrauch in der Kirche erfahren habe, wurde ich hellwach, als sich DBK und ZdK 2019 anschickten, aufzuklären. Sehr bald wurde mir klar, dass der “Missbrauch” benutzt wurde, die Kirche (und insbesondere ihre Ethik und Anthropologie) zu transformieren. Zu dieser Zeit befand ich mich in einem engagierten theologischen Austausch mit Martin Brüske. Zu einem bestimmten Zeitpunkt hatten wir beide den Eindruck, dass wir nicht nur reden sollten, sondern etwas tun mussten. Wir suchten zunächst den Kontakt zu Bischöfen. Bald wurde uns jedoch klar, dass der Zug in die völlig falsche Richtung scheinbar schon abgefahren war. Kann nicht sein, sagten wir uns. Und begründeten den “Neuen Anfang”.

Welche Vision hattest Du und hat sich diese erfüllt?

Die Vision gab es nicht von Anfang an; sie wuchs gewissermaßen “synodal”, – in immer neuen Gesprächen mit engagierten Gläubigen, dazu auch mit renommierten Theologen, mit Bischöfen anderer Länder, mit Kardinälen in Rom. Wenn wir je eine Vision hatten, zerbrach sie uns – jetzt nutze ich mal ein großes Wort – unter “Gnade” und Führung durch den Heiligen Geist, der “mehr” schenkte, als wir zu hoffen wagten. Wir standen ja mit unserer, im synodalen Austausch gewonnenen Einschätzung der Dinge anfangs in brutalem Gegensatz zur offiziellen Meinung. Am Ende hatten wir zu danken. Sowohl Papst Franziskus als auch Papst Leo dachten und denken wohl nicht anders, als die Gläubigen hierzulande, die sich mit “anderskatholisch” nicht anfreunden mochten … 

Wie wünschst Du Dir, dass es weitergeht mit dem Neuen Anfang?

Ich wünsche mir, dass die “Unsichtbaren”, die Papst Leo zu sehen wünschte, deutlicher hervortreten: die Leute, die missionarisch ticken, die charismatisch begeistert sind, die Katechismus studieren, Lehre und Lehramt schätzen, – all die vielen, die als lebendige Glieder im Leib Christi das volle Programm “praktizieren” … Der “Neue Anfang” wäre sofort überflüssig, wenn das Wirklichkeit würde. Solange diese Kirche noch Minderheitskirche in der Kirche ist, solange ist der “Neue Anfang” unverzichtbar.

Wo hast Du inzwischen Deinen Platz im Team gefunden und was sind Deine Aufgaben?

Der “Dengländer” würde sagen: Meine Rolle ist die eines “Senior Consultant”; ich möchte nicht mehr in der allerersten Reihe stehen, aber raten, Strategien und Visionen entwerfen, Kontakte schaffen, – das ist mein Ding. Und natürlich schreibe ich gerne; da hat mir der Liebe Gott etwas in die Wiege gelegt.

Wo findet man Dich, wenn Du nicht für den Neuen Anfang aktiv bist? 

Vielleicht an der Orgel? Das (in einem Anflug von handwerklichem Größenwahn) selbstgebaute Instrument ruht gerade, bzw. muss neu installiert werden. Aber für den Sommer habe ich schon die Orgelvertretung in meiner wunderbaren neuen Gemeinde in Metzingen übernommen.

Was magst Du uns über Dich verraten?

Einiges verrate ich nur meinem Beichtvater. Aber soviel darf heraus: Ich esse (und koche) noch immer leidenschaftlich gerne. Ich töte meine irrationale Liebe zum Fußball nicht ab. Und ich liebe die in Jahrzehnten zusammengetragenen Bücherschätze in meiner kleinen Bibliothek …

Welcher Ort bedeutet für Dich Heimat?

Je älter ich werde, desto nachhaltiger verblassen meine vielen geographischen Heimaten, in denen ich lebte, Heidesheim in Rheinhessen, Münster in Westfalen, Aachen, Friedberg in Bayern, jetzt in Metzingen an der idyllisch gluckernden Erms. Sagen wir mal: der Petersdom in Rom, da fühle ich mich vorläufig zu Hause, solange mir noch keine Wohnung in der Ewigen Heimat zugewiesen wurde …

Wenn Du drei Wünsche frei hättest für die Kirche in Deutschland, welche wären das?

Bischöfe, die mutig führen. Laien, die beten und anpacken. Ströme von jungen Menschen, die – vom Geist bewegt – um die Taufe bitten.

Wie stellst Du Dir den Himmel vor?

Neben den verheißungsvollen Angaben, die in jeder Dogmatik zusammengestellt sind, wünsche ich mir, dass ich neben Herrn Bach auf der Himmelsorgelbank sitzen darf, und dass ich mit Franz Beckenbauer Fußball spiele, wobei ich hoffe, dass wir alle durch die enge Pforte und auf das ewige Spielfeld gekommen sind …

Wer ist Dein Lieblingsbibelheld (außer Jesus)?

Gerade stehe ich auf den Diakon Philippus, nicht nur, weil er vier prophetische Töchter hatte und den ersten Afrikaner, den Finanzminister der Königin Kanake, katechetisierte und sofort taufte. Philippus (der nur am Rand im NT auftaucht) war wohl ein ganz Großer der Urkirche. Er stieß die Tür nach Afrika auf und missionierte in Caesarea Maritima unter Samaritanern, wozu jede Menge Mut gehörte.

Gibt es eine(n) Lieblingsheilige(n)?

Verschiedene. Josef, Katharina von Siena, Philipp Neri, Petrus Canisius, John Henry Newman, Charles de Foucauld

Welche Geistesgabe hättest Du am liebsten, wenn Du wählen dürftest?

Geistesgegenwart


Bernhard Meuser
Jahrgang 1953, ist Theologe, Publizist und renommierter Autor zahlreicher Bestseller (u.a. „Christ sein für Einsteiger“, „Beten, eine Sehnsucht“, „Sternstunden“). Er war Initiator und Mitautor des 2011 erschienenen Jugendkatechismus „Youcat“. In seinem Buch „Freie Liebe – Über neue Sexualmoral“ (Fontis Verlag 2020), formuliert er Ecksteine für eine wirklich erneuerte Sexualmoral. Bernhard Meuser ist Mitherausgeber des Buches “Urworte des Evangeliums”.


Beitragsfoto: Adobe Stock

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