In der Abfolge ständig neuer Eskalationen hat der Limburger Bischof seinem amerikanischen Mitbruder Samuel Joseph Aquila, dem Erzbischof von Denver, eine Ohrfeige mit Halleluja verpasst. Denn mit einem Halleluja endet ein Schreiben, das man nur als schroffen Abbruch der brüderlichen Beziehungen verstehen kann. Die über 100 unterzeichnenden Bischöfe (in deren Namen der Erzbischof ihm vorher schrieb) werden sich nun wohl mit ihren Mitunterzeichnern verständigen; und sie werden dann hoffentlich förmlich die Glaubenskongregation anrufen.

Chronologie fortgesetzter Diskursverweigerung

Ein anderer Weg bleibt nicht angesichts der deutschen Blockade jeder ernsthaft geführten Diskussion. Zur Erinnerung: Samuel Joseph Aquila hatte sich bereits im Jahr 2021 ein erstes Mal an die deutschen Bischöfe gewandt, wie man heute weiß offenbar ohne Antwort und jetzt erneut seine Sorge zum Ausdruck gebracht, in Deutschland könne sich ein „Verrat am Evangelium“ ereignen, der sich viral über die gesamte Kirche verbreiten könnte. Nachdem ein erstes Schreiben Aquilas durch Bätzing nur mit allgemeinen Plattitüden beantwortet wurde, machte sich Aquila Anfang Mai die Mühe, seine Befürchtung durch eine sorgfältige Dokumentation falscher Lehre und illegitimer Beschlüsse in den Dokumenten des Synodalen Weges zu belegen. Die Mühe hätte er sich sparen können.

War die erste Antwort von Bätzing schon frostig, so ist das neue Schreiben eine Offenbarung der wahren Verhältnisse. Bätzing reitet wieder auf der Komplexität und den „mehrdimensionale(n) systemische(n) Faktoren“ herum, derentwegen man alles Mögliche diskutieren müsse, was sich offenbar dem „erschreckend einlinig(en)“ Begriffsvermögen seines amerikanischen Mitbruders entzieht. Auf den eigentlichen Sprengsatz – die Sammlung evidenter Falschlehren – geht Bätzing mit keinem Wort ein.

Mit anderen Worten: Auf der argumentativen Ebene hat Bätzing nichts zu erwidern. Es wird offenbar, dass die „docilitas“ (Belehrbarkeit, Bereitschaft andere Stimmen Ernst zunehmen und sorgfältig zu erwägen) des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz gleich null ist.  Für den Synodale Weg – und für Bätzing, der ihn vertritt – gibt es aber eine Bringschuld. Wer die Kirche und ihre Grundannahmen so gravierend verändern möchte, wie es schwarz auf weiß unter dem Logo der deutschen Bischofskonferenz zu lesen ist, muss argumentativ liefern. Das ist das Mindeste. Sonst darf man annehmen, dass die Beschlüsse des Synodalen Weges vor der Ratio kritischer Theologie keinen Bestand haben, dass sie purer Voluntarismus sind: Wir wollen das so! Und Euch geht das üüüüberhaupt nichts an! …

Kirche ist nicht Privatsache ihrer aktuellen Betreiber

Tatsächlich gibt der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz die beleidigte Leberwurst und kündigt den Abbruch von Kommunikation an. Damit ist die Finalität der „Briefschreiberei“ tatsächlich erreicht. Weitere Briefe haben keinen Sinn.

Finalität gibt es aber auch in einem weiteren Sinn: Es wird offenbar, was ist. Dazu ist Folgendes zu bemerken:

  1. Es ist nicht in Bätzings Belieben gestellt, sich mit dem Weltepiskopat zu verständigen oder dies sein zu lassen. Wer kritische Fragen anderer Bischöfe von sich abschüttelt wie lästiges Ungeziefer, hat noch nicht verstanden, dass ein Bischof nur Bischof ist in der Communio der Nachfolger der Apostel. Die Kirche in Deutschland ist keine Privatsache ihrer aktuellen Betreiber. Die Lehrhoheit der Kirche liegt in der universalen Verantwortung der Bischöfe „sub Petro et cum Petro“. Die Bischöfe der Weltkirche haben das unbedingte Recht, den deutschen Provinzialismus zu hinterfragen, evidente Mauscheleien beim Namen zu nennen und Aufklärung zu fordern, bevor die mutmaßliche Kontamination eines Glieds auf die anderen Glieder der Kirche oder gar den gesamten Leib Christi überspringt. Bischöfe, die falsche Lehre feststellen, können (ja müssen) ihre Bedenken öffentlich vortragen, wenn Korrespondenz im forum internum unbeantwortet abtropft oder folgenlos bleibt.
  2. Bätzing verschärft einmal mehr die schismatische Situation der Kirche. Vorne darf bei katholisch.de, immerhin das offizielle Medien-Portal der Deutschen Bischofskonferenz, ein Hoftheologe liberaler Bischöfe das Schisma ansagen – und hinten mauert der verantwortliche Mann. Bis heute wurde Magnus Striet von Bätzing für diesen Akt des Hochverrats nicht in die Schranken gewiesen, noch wurde bekannt, man habe die Verantwortlichen von katholisch.de vermahnt oder entlassen. An jedem neuen Tag tritt katholisch.de mit eklatanten Missgriffen an die Öffentlichkeit, zuletzt mit dem Kommentar eines Redakteurs, in dem Papst Franziskus ein „typisches Muster psychischer Gewalt“ durch „Gaslighting“ (eine besonders üble Form von Missbrauch) unterstellt wurde – dies, weil der Papst die erklärte Lehre der Kirche dargestellt hatte. Gas? Tröpfchenweise soll dem naiven Leser suggeriert werden: Moral ist Missbrauch. Was die Kirche lehrt, ist toxisch. Wer sich auf die Seite des KKK stellt, der ist menschen- und lebensfeindlich, übt psychische Gewalt aus und befördert systemisch Missbrauch. Eigentlich müsste man uns Menschenfeinde alle bei Wasser und Brot einlochen. Honni soit qui mal y pense …

Die Taktik von Bischof Bätzing wird nicht aufgehen. Die fortdauernde Vertuschung schismatischer Bestrebungen werden sich weder die Bischöfe in aller Welt, noch die kritischen Gläubigen hierzulande auf Dauer gefallen lassen. Kein katholischer Christ muss einem Hirten folgen, der seine Autorität nicht theologisch ausweist. Herr Bätzing, das können Sie noch eine Weile machen. Auf Sicht wird es eng für Sie.

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Von Bernhard Meuser
Jahrgang 1953, ist Theologe, Publizist und renommierter Autor zahlreicher Bestseller (u.a. „Christ sein für Einsteiger“, „Beten, eine Sehnsucht“, „Sternstunden“). Er war Initiator und Mitautor des 2011 erschienenen Jugendkatechismus „
Youcat“. In seinem Buch „Freie Liebe – Über neue Sexualmoral“ (Fontis Verlag 2020), formuliert er Ecksteine für eine wirklich erneuerte Sexualmoral

 

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