Der heilige Bischof Blasius, dessen Fest wir heute feiern, ist ein Märtyrer der frühen Kirche, dem wir eine bedeutende Sakramentalie verdanken. Die Legende berichtet von einem großen Mann und Arzt, der auf dem Gebiet der heutigen Türkei Bischof wurde und in der Verfolgung den Tod erlitt. Sterbend erbat er von Gott eine besondere Gnade, die ihm gewährt wurde. Von Peter Winnemöller

Der heilige Blasius von Sebaste ist eine der faszinierendsten Gestalten der frühen christlichen Märtyrergeschichte. Er wurde im 3. Jahrhundert geboren und ist um das Jahr 316 gestorben. Blasius wirkte als Bischof in Sebaste. Das war die Hauptstadt der römischen Provinz Kleinarmenien, dem heutigen Sivas in Anatolien in der Türkei. Der Gedenktag des Heiligen ist der 3. Februar. Er liegt exakt einen Tag nach Mariä Lichtmess. Blasius ist, wie viele Heilige der frühen Kirche, ein Märtyrer. Er starb dafür, sich auch um den Preis seines Lebens dennoch zu Christus zu bekennen. Sein Leben und sein Martyrium sind untrennbar mit den Christenverfolgungen im Römischen Reich verbunden. Obwohl das Datum nachdenklich macht, wie man später sehen kann.

Der Blasiussegen

In heutiger Zeit ist dieser Heilige vor allem bekannt durch eine sehr beliebte, ja man möchte sagen, populäre Sakramentalie, nämlich den Blasiussegen. Wer gerne Fisch isst, kommt einfach nicht um diesen Segen herum. Beim Segensakt hält der Priester zwei gekreuzte brennende Kerzen vor oder über den Kopf des Gläubigen und betet

 „Auf die Fürsprache des heiligen Blasius bewahre dich der Herr vor Halskrankheit und allem Bösen. Es segne dich Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist.“

Oft werden die Kerzen, durch die der Priester segnet, als Gitterstäbe gedeutet, durch die der gefangene Bischof dem jungen Mann damals geholfen hat. Die Legende des Heiligen berichtet nämlich davon, er habe im Gefängnis einem Jungen, der an einer Fischgräte fast erstickt war, das Leben gerettet. Zuweilen wird sie ausgeschmückt, der Heilige habe dem jungen Mann, der zu ersticken drohte, beherzt in den Hals gegriffen. Als Arzt wird er gewusst haben, was zu tun ist. Tatsächlich dürfte es sich bei den beiden gekreuzten Kerzen um eine Anleihe handeln, nämlich ein Dikirion. Das sind zwei gekreuzte Kerzen, allerdings in einem Ständer, die der Bischof in der orthodoxen Liturgie in der linken Hand trägt. Dikirion und Trikirion, drei Kerzen, nennt man jene liturgischen Kerzenhalter, die verwendet werden, wenn die Göttliche Liturgie in einer orthodoxen Kirche von einem Bischof gefeiert wird. Die zwei Kerzen stehen für die zwei Naturen Christi und die drei Kerzen für die Dreifaltigkeit Gottes.

Blasius als Patron

Blasius wird also als Patron der Halskranken verehrt. Er ist auch Schutzpatron der Ärzte, Bäcker und Maurer. Zudem ist er Patron der kroatischen Stadt Dubrovnik, der früheren Republik Ragusa. Ferner zählt der heilige Blasius zu den Vierzehn Nothelfern, einer Gruppe von Heiligen, die vor allem im Mittelalter besonders verehrt wurden. Seine Legende und die ihm zugeschriebenen Wunder haben ihn zu einem wichtigen Fürsprecher in vielen Notlagen gemacht. Insbesondere bei Halskrankheiten ruft man den Heiligen als Beistand an.

Die Überlieferung seiner Vita ist ursprünglich in griechischer Sprache verfasst worden. Sie berichtet zunächst von Blasius‘ Wirken als Arzt. Seine Hilfsbereitschaft gegenüber allen Menschen, egal ob arm oder reich, sowie seine Liebe zu den Heiden führten dazu, dass er zum Bischof der Gemeinde ernannt wurde. Während einer Christenverfolgung unter Kaiser Licinius floh Blasius in eine Höhle im argeischen Gebirge, wo er mit wilden Tieren lebte, sie pflegte und aus Fallen befreite. Er wurde, so berichtet die Legende, von wilden Löwen, Tigern und Bären bewacht. Vögel trugen ihm Nahrung zu. Die Jäger sollen kein Wild mehr gefunden haben, da sich alle Tiere zu Blasius geflüchtet hatten. Aus dieser Einsiedelei heraus hat er in dieser Zeit sein Bistum geleitet.

Weiter berichtet die Legende, dass Christus Blasius dann eines Tages offenbarte, dass die Stunde seines Martyriums gekommen sei. Er wurde trotz seiner tierischen Leibwache von Jägern verhaftet und vor den Statthalter Agricola gebracht. Da er sich trotz Folter und Versprechungen weigerte, die Götterbilder anzubeten, wurde Blaisus ins Gefängnis geworfen. Hier ereignete sich dann die Heilungsgeschichte des Jungen, der zu ersticken drohte. Besonders eindrucksvoll ist eine in der Heiligenlegende beschriebene Szene, in der der Heilige in einen Teich geworfen wird. Das Wasser jedoch wird durch sein Kreuzzeichen fest. Er kann darüber laufen. Seine Peiniger, die ihm folgen wollten, ertranken jedoch im Wasser.

Vor seiner Hinrichtung betete Blasius, dass alle, die an Halsleiden oder anderen Krankheiten litten, durch seine Fürsprache Heilung erfahren mögen. Eine Stimme vom Himmel versicherte ihm die Gewährung dieser Bitte. Schließlich wurde er zusammen mit zwei Gefährten enthauptet. Die Verfolgung war in der Tat nach dem Toleranzedikt des Kaisers Konstantin im Jahre 313, welches eigentlich das Ende der römischen Christenverfolgung war. Aber der Mitkaiser Licinius verfolgte die Christen im Osten des römischen Reiches weiter, bis ihn Konstantin im Jahre 324 besiegte und zum römischen Alleinherrscher wurde. Schon ein Jahr später rief Konstantin die Bischöfe zum ersten Ökumenischen Konzil nach Nizäa.

Blasius im Brauchtum der Zeit

Der Lebensweg des heiligen Blasius steht beispielhaft für Standhaftigkeit im Glauben, für Barmherzigkeit und die Hoffnung auf göttliche Hilfe in schwierigen Zeiten. Seine Legende verbindet historische Realität mit spiritueller Symbolik und macht ihn so zu einer bleibenden Figur der christlichen Tradition. Oft wird im Zusammenhang mit dem Heiligen auch an Verfolgungen aus unserer Zeit erinnert. Gerade weil sein Tod erst nach Ende der Christenverfolgung in Rom stattfand, erinnert er uns daran, dass es eine Sicherheit in der Welt nicht gibt. Der Blasiustag bezeichnete den Bauern in früheren Zeiten das Winterende. Er wurde begangen, indem Kerzen geweiht, sowie Wein, Wasser und Brot in seinem Namen gesegnet wurden. Junge Hühner und Gänse erhielten Blasiwasser und sollten damit gegen Füchse geschützt sein. Hirten schnitzten den Namen des Heiligen in den Hirtenstab. Der Blasiussegen wird in der westfälischen Stadt Paderborn in der Busdorfkirche an den Tagen um den 3. Februar mit einem Kopf-Reliquiar aus dem 13. Jahrhundert erteilt. In der Kirche findet dann ein besonderes Blasius-Triduum, eine dreitägige Feier, mit mehreren Segensgelegenheiten täglich statt. Diese besondere Verehrung des Heiligen in der Busdorfkirche hat eine lange Tradition der Blasius-Verehrung in Paderborn begründet. Einige sprechen dort vom “achten Sakrament”. Es ist wohl dieses einzigartige Wesen der Kirche, nämlich dass die streitende Kirche auf der Erde und die triumphierende Kirche im Himmel eins sind. Anders vermag man kaum zu erklären, dass ein vor 1700 Jahren verstorbener Heiliger noch so eine große Bedeutung hat.


Peter Winnemöller
Journalist und Publizist. Autor für zahlreiche katholische Medien. Kolumnist auf dem Portal kath.net. Im Internet aktiv seit 1994. Eigener Weblog seit 2005. War einige Jahre Onlineredakteur bei „Die Tagespost“. Und ist allem digitalen Engagement zum Trotz ein Büchernarr geblieben.


Beitragsbild: Wolfgang Cibura bei Pfarrbriefservice.de

Post drucken

Melden Sie sich für unseren Newsletter an