Sind Lehramt und Theologie identisch? Eine Antwort auf eine Behauptung im Orientierungstext des „Synodalen Weges“.
Im Orientierungstext des „Synodalen Weges“ heißt es: „Zu den wichtigsten ‚Orten’ der Theologie gehören die Heilige Schrift und die Tradition, die Zeichen der Zeit und der Glaubenssinn des Volkes Gottes, das Lehramt und die Theologie.“ – Aber sind Lehramt und Theologie identisch?

Das Glaubensgut der Kirche ist weder als Buch vom Himmel gefallen noch wurde es durch einen Engel wörtlich diktiert. Im Gegenteil: Am Anfang stand – jahrelang – die mündliche Überlieferung. Das Christentum ist demnach keine wirkliche „Buchreligion“, sondern eher eine Religion der „Gesendeten“.

Zu Beginn des öffentlichen Auftretens Jesu bildete sich eine Anhängerschaft. Das Neue Testament berichtet zunächst von Menschen, die Jesus als „Meister“ anerkennen und ihm folgen. 72 von den als Jünger (Schüler) bezeichneten Anhängern werden eigens erwähnt, weil Jesus sie aussendet.

Darüber hinaus bildet Jesus einen engeren Kreis von zwölf Jüngern, die er einzeln aussucht und beruft. Drei Jahre lang bilden sie mit ihm eine enge Gemeinschaft. Sie erleben Jesus im Alltag: in seinen Begegnungen mit Menschen, in seinem wundertätigen Handeln als Heiler, Befreier und Erlöser. Sie lernen Jesus immer tiefer kennen, tun sich aber dennoch schwer, seine Sendung zu verstehen.

Diese zwölf Männer werden von Jesus intensiv auf ihren zukünftigen Auftrag vorbereitet. Meist erst nach seinem Tod und seiner Auferstehung kommen sie zum Glauben an Jesus als den Christus, den Sohn des lebendigen Gottes. Sie haben eine teils harte Schule mitgemacht.

Gott teilt sich mit

Vor seiner Himmelfahrt spricht Jesus den zentralen Auftrag an die Zwölf aus und vertraut ihnen an: „Darum geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt“ (Mt 28,19-20).

Das Christentum ist eine Religion, die fest davon ausgeht, dass Gott sich mitteilt. Die Christen glauben: „Gott hat zu uns gesprochen im Sohn.“ Die Bedeutung Jesu stellt das 2. Vatikanische Konzil (DV 4) heraus: „Wer ihn sieht, sieht auch den Vater. Er ist es, der durch sein ganzes Dasein und seine ganze Erscheinung, durch Worte und Werke, durch Zeichen und Wunder, vor allem aber durch seinen Tod und seine herrliche Auferstehung von den Toten, schließlich durch die Sendung des Geistes der Wahrheit die Offenbarung erfüllt und abschließt.“ Das, was uns von Jesus überliefert ist, steht im Zentrum unseres Glaubens. Mit seiner Himmelfahrt und spätestens mit dem Tod des letzten Apostels und Augenzeuges endet die „Offenbarung“ Gottes in Jesus.

Spannende Frage: Wie geht es nach der Himmelfahrt Jesu weiter? Heute würden wir vielleicht einen gut gedachten Pastoralplan entwickeln. Oder eine große Werbeaktion inszenieren, um die Zahl der Gläubigen zu erhöhen. Die frühen Christen reagieren zunächst anders und schließen sich ein. Die Apostelgeschichte berichtet: „Sie alle verharrten einmütig im Gebet, zusammen mit den Frauen und mit Maria, der Mutter Jesu, und mit seinen Brüdern.“ Sie fragen nach Gottes Willen.

Und sie handeln: Mit Hilfe des Heiligen Geistes schließen sie gemeinsam die Lücke, die Judas, der Verräter Jesu, hinterlassen hat. Sie wählen „einen von den Männern, die die ganze Zeit mit uns zusammen waren, als Jesus, der Herr, bei uns ein und aus ging“ aus. Sie erleben daraufhin beim Pfingstfest die Herabkunft des Heiligen Geistes, die Geburtsstunde der Kirche. Jetzt verkünden die Apostel furchtlos und mit Vollmacht das Evangelium; Zeichen und Wunder begleiten sie. Ihr Bekennermut ist so stark, dass vermutlich elf von zwölf der Apostel den Märtyrertod sterben.

Was ist „das Evangelium“?

Das Evangelium wird hauptsächlich mündlich überliefert. Damit kommt den Aposteln eine ganz besondere Verantwortung zu. Es sind die Männer, die besonders ausgewählt, vorbereitet und beauftragt wurden. Sie verkünden Jesus Christus, den Auferstandenen. Und sie bezeugen: Das Reich Gottes ist nah! Kehrt um und glaubt an das Evangelium!

Aber was ist „das Evangelium“? Immerhin sind uns vier Evangelien überliefert, dazu die Apostelgeschichte und viele Apostelbriefe. Das Zweite Vatikanische Konzil gibt die Antwort und beschreibt gleichzeitig den wichtigsten Auftrag: „Was Gott zum Heil aller Völker geoffenbart hatte, das sollte für alle Zeiten unversehrt erhalten bleiben und allen Geschlechtern weitergegeben werden.“ … Damit lässt das Konzil keinen Zweifel: Die Offenbarung Gottes oder „das Evangelium“ wurde von Jesus mitgeteilt und bleibt unverändert für alle Zeit gültig!

Und noch mehr: „Der Herr hat den Aposteln geboten, das Evangelium allen zu predigen als die Quelle jeglicher Heilswahrheit und Sittenlehre“ (DV 7). Diese Worte verleihen dem Evangelium einen hohen Stellenwert sowohl als Quelle des Glaubens – sowohl der Heilswahrheit und als auch der Sittenlehre.

Weiter beschreibt das Konzil: „Das ist treu ausgeführt worden, und zwar sowohl durch die Apostel, die durch mündliche Predigt, durch Beispiel und Einrichtungen weitergaben, was sie aus Christi Mund, im Umgang mit ihm und durch seine Werke empfangen oder was sie unter der Eingebung des Heiligen Geistes gelernt hatten, als auch durch jene Apostel und apostolischen Männer, die unter der Inspiration des gleichen Heiligen Geistes die Botschaft vom Heil niederschrieben.“

Zwar in theologischer Ausdrucksweise, aber doch deutlich genug, beschreibt damit das Konzil: „Das Evangelium“ besteht aus der Heiligen Schrift, die im apostolischen Auftrag und mit Hilfe des Heiligen Geistes aufgeschrieben wurde. Und es gibt darüber hinaus weitere Bestandteile: Die Apostel haben Jesus jahrelang begleitet und dabei auch non-verbal vieles miterlebt und gelernt. Und sie wurden inspiriert vom Heiligen Geist. Diese Quellen bilden die Grundlage für die Texte der Heiligen Schrift und für die mündliche apostolische Überlieferung.

„Das Evangelium“ stimmt mit dem überein, was das Konzil (DV 8) auch „Heilige Überlieferung“ nennt: „Was von den Aposteln überliefert wurde, umfaßt alles, was dem Volk Gottes hilft, ein heiliges Leben zu führen und den Glauben zu mehren. So führt die Kirche in Lehre, Leben und Kult durch die Zeiten weiter und übermittelt allen Geschlechtern alles, was sie selber ist, alles, was sie glaubt.“

Die Quellen des Glaubens

Das Konzil trifft eindeutige Aussagen über die Quellen des Glaubens, die sich in dem Lehrsatz des Konzils verdichten: „Die Heilige Überlieferung und die Heilige Schrift bilden den einen der Kirche überlassenen heiligen Schatz des Wortes Gottes“ (DV 10). 

Diese Feststellung ist aktuell von großer Bedeutung: Im Orientierungstext des „Synodalen Weges“ in Deutschland wird über diese in der 2000-jährigen Kirchengeschichte kontinuierlich erfolgte Klärung hinweggegangen. Stattdessen werden neue Offenbarungsquellen genannt, die zwar für die theologische Diskussion eine Bedeutung haben, aber mehr nicht. Sie neben die anerkannten Erkenntnisquellen zu stellen oder ihnen gar eine höhere Bedeutung beizumessen, ist theologisch so abenteuerlich, dass dies als revolutionär oder – in der Kirchensprache – als häretisch einzuordnen ist.

Nun ist die Bedrohung durch Irrlehren nichts Neues. Bereits Jesus selbst befindet sich im Konflikt mit den Schriftgelehrten seiner Zeit. Auch die Apostelgeschichte und die apostolischen Briefe beschreiben in außerordentlich großer Häufigkeit die Auseinandersetzung mit Irrlehren. Sie berichten in eindringlicher Weise, wie das Glaubensgut der Apostel vor Verfälschungen geschützt werden muss. Am Anfang des Galaterbriefes beschreibt Paulus zum Beispiel in warnenden Worten, wie wichtig die Treue zum überlieferten „Evangelium“ ist: „Ich bin erstaunt, dass ihr euch so schnell … einem anderen Evangelium zuwendet. Doch es gibt kein anderes Evangelium, es gibt nur einige Leute, die euch verwirren und die das Evangelium Christi verfälschen wollen. Wer euch aber ein anderes Evangelium verkündigt, als wir euch verkündigt haben, der sei verflucht, auch wenn wir selbst es wären oder ein Engel vom Himmel.“

Abweichlern wird also mit starken Konsequenzen begegnet, weil Verfälschungen der Lehre Jesu als brandgefährlich eingestuft werden. Damit findet gleichzeitig ein erster, aber umfangreicher Klärungsprozess darüber statt, was nun zum Glaubensgut gehört und was ihm nicht entspricht. Die Sammlung, Formulierung und Anerkennung der Heiligen Schriften bildet einen Prozess, der verdichtet im ersten Jahrhundert stattfindet, sich aber danach noch fortsetzt.

Sicherungsinstrumente gegen Irrlehren

In der kirchlichen Tradition entstehen mehrere Sicherungsinstrumente gegen Irrlehren. Als die Heilige Schrift aufgeschrieben wird, leben die meisten Gläubigen noch, die das Reden und Handeln Jesu persönlich miterlebt haben. Die frühen Christen leben auch überwiegend in örtlicher Gemeinschaft, da sich die junge Gemeinde erst nach Jahrzehnten aufgrund der Zerstörung Jerusalems zerstreut.

Rasch entstehen für den Taufunterricht, das Taufbekenntnis wie auch für den Gottesdienst Bekenntnissätze und -lieder. Vermutlich in einem der ältesten Texte schreibt Paulus im ersten Korintherbrief: „Ich erinnere euch, Brüder, an das Evangelium, das ich euch verkündigt habe. Ihr habt es angenommen, es ist der Grund, auf dem ihr steht. Durch dieses Evangelium werdet ihr gerettet, wenn ihr an dem Wortlaut festhaltet, den ich euch verkündigt habe. Oder habt ihr den Glauben vielleicht unüberlegt angenommen? Denn vor allem habe ich euch überliefert, was auch ich empfangen habe… .‘‘

Zu den Sicherungsinstrumenten gehört auch der Austausch unter den Gemeinden: Die Apostel und Ältesten besuchen sich gegenseitig und finden das Glaubensgut bei den anderen Christen übereinstimmend bestätigt. Auch werden die Evangelien und Apostelbriefe abgeschrieben und untereinander verbreitet. Trotzdem kommt es vereinzelt zu Konfliktfällen: Bekannt ist das erste Apostelkonzil, bei dem es um die Integration der Heidenchristen geht. Es findet vermutlich um das Jahr 48 statt und wird mehrfach im Neuen Testament beschrieben. Damit tritt das wichtigste Sicherungsinstrument in den Blickpunkt: das kirchliche Lehramt.

Das Lehramt dient dem Wort Gottes

Das Zweite Vatikanische Konzil beschreibt mit klärenden Worten die Funktion des Lehramtes: „Die Aufgabe aber, das geschriebene oder überlieferte Wort Gottes verbindlich zu erklären, ist nur dem lebendigen Lehramt der Kirche anvertraut, dessen Vollmacht im Namen Jesu Christi ausgeübt wird. Das Lehramt ist nicht über dem Wort Gottes, sondern dient ihm, indem es nichts lehrt, als was überliefert ist.“

Auch an dieser Stelle wird deutlich: Papst und Bischöfe als Träger des Lehramtes stehen nicht über der Offenbarung; sie können „das Evangelium“ nicht nach eigenem Gutdünken verändern. Es ist ihnen von Gott her vorgegeben. Ihre Aufgabe ist es aber, Klärungen herbeizuführen, wenn Konflikte und Auslegungsprobleme entstehen. Dann bilden sie die entscheidende Instanz!

Das Zweite Vatikanische Konzil hat in der dogmatischen Konstitution über das Wort Gottes (Dei Verbum) grundlegend beschrieben: „Das in der Heiligen Überlieferung und in der Heiligen Schrift enthaltene ’heilige Erbe’ des Glaubens ist von den Aposteln der Kirche als ganzer anvertraut worden. … Die Aufgabe aber, das geschriebene oder überlieferte Wort Gottes authentisch auszulegen, ist allein dem lebendigen Lehramt der Kirche – das heißt den Bischöfen in Gemeinschaft mit dem Nachfolger Petri, dem Bischof von Rom – anvertraut“ (DV 10). „Was Gott zum Heil aller Völker geoffenbart hatte, das sollte … für alle Zeiten unversehrt erhalten bleiben und allen Geschlechtern weitergegeben werden“ (DV 7).

Entwicklung als Klärung

Das „Heilige Erbe“ als von Gott geoffenbartes Glaubensgut ist also unveränderbar und gilt für alle Zeiten. Die Lehre der Kirche kann also nicht – bei Bedarf – an aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen angepasst werden. Der apostolische Auftrag bedeutet vielmehr das Gegenteil: Bewahrung dessen, was von Jesus den Aposteln anvertraut wurde. Das Konzil stellt fest, dass „keine neue öffentliche Offenbarung mehr zu erwarten“ ist bis zur Wiederkunft Christi im Weltgericht.

Hat sich denn das Glaubensgut der Kirche nicht im Laufe der Kirchengeschichte weiterentwickelt? – Richtig! Es gab immer wieder Klärungsprozesse, die auf Fehlentwicklungen und Irrlehren folgten. Prominentes Beispiel ist der Arianismus, der zeitweise sogar eine Mehrheit der Gläubigen und der Bischöfe auf seine Seite zog. Das Konzil von Nicäa, dem wir das „Große Glaubensbekenntnis“ zu verdanken haben, hat die strittigen Themen geklärt. Bei jedem der insgesamt 21 allgemeinen Konzilien konnten im Dienste der Einheit weitere lehramtliche Klärungen herbeigeführt werden. Die Lehre der Kirche erlebte im Laufe ihrer Geschichte also eine stetige Entwicklung – allerdings im Sinne einer Vertiefung des bisherigen Glaubensgutes und nicht als Kursänderung oder gar Abkehr vom Bisherigen.

Wie verbindlich ist nun die Lehre der Kirche? Das Konzil bekräftigt: „Dem offenbarenden Gott ist der ‚Gehorsam des Glaubens’ zu leisten. Darin überantwortet sich der Mensch Gott als ganzer in Freiheit, indem er sich mit Verstand und Willen voll unterwirft und seiner Offenbarung willig zustimmt“ (DV 5).

Theologischer Unsinn

Zurück zum Synodalen Weg: Der Orientierungstext steht in vielen Aussagen in keinem Widerspruch zum Glaubensgut der Kirche, allerdings enthält er an einigen Stellen Neuerungen mit entscheidenden Abweichungen.

An einer Stelle, an der es um die Basis des Glaubens geht, spricht der „Orientierungstext“ des „Synodalen Weges“ von den wichtigsten „Orten“ der Theologie. Dies führt leicht zu dem Irrtum, die erwähnten „Orte der Theologie“ könnten zu den konstitutiven Grundlagen des Glaubens gehören. Sie sind aber von keiner vergleichbaren Bedeutung mit dem von den Aposteln genannten „Evangelium“ oder der „Heiligen Überlieferung“.

Diesen Eindruck erweckt aber die Formulierung des „Orientierungstextes“, die sechs „Orte der Theologie“ nennt und damit teilweise eine Lehre aus dem 16. Jahrhundert aufgreift – aber nur teilweise. Denn sie fügt Neues hinzu: Die „Zeichen der Zeit“ hat das Zweite Vatikanische Konzil zwar vor rund 50 Jahren erwähnt – und damit keineswegs eine neue Offenbarungsquelle gemeint.

Es ist theologischer Unsinn, die anerkannten „Orte der Theologie“ wie die „Heilige Überlieferung“ und die Heilige Schrift mit nachrangigen Quellen auf eine Ebene zu bringen und ihnen gleichrangig neue Quellen wie die „Zeichen der Zeit“ zuzuordnen, die keine Offenbarungsqualität aufweisen. Dies beweist entweder grobe Unkenntnis oder zeugt von der Absicht, auf diese Weise das Glaubensgut der Kirche zur veränderbaren Verfügungsmasse zu erklären.

Genau diese Absicht hat sich bestätigt: Bei der dritten Synodalversammlung sagte ein Bischof sinngemäß: Gut, dass wir die „Zeichen der Zeit“ in die Aufzählung aufgenommen haben, wenn wir jetzt über den Grundtext „Frauen in Diensten und Ämtern der Kirche“ sprechen. Es überrascht deshalb nicht, dass es bei der Diskussion des Orientierungstextes die meisten Änderungsanträge zu den „Zeichen der Zeit“ gab. Dieser Fehlgriff wurde damit mangels Mehrheit aber nicht verhindert.

Trickreiches Vorgehen

Auch der „Glaubenssinn des Volkes Gottes“ wird den Orten der Theologie zugerechnet. Richtig ist: Das Konzil sagt aus, dass „die Gesamtheit der Gläubigen, welche die Salbung von dem Heiligen haben (vgl. 1 Joh 2,20.27), im Glauben nicht irren kann“ (LG  12). Hier eingefügt suggeriert dieser Satz, als könne das Volk Gottes mehrheitlich über Glaubensinhalte abstimmen und entscheiden.

Das ist mit dem Zitat des Konzils aber keineswegs gemeint. Im darauffolgenden Satz heißt es nämlich weiter: „Diese ihre besondere Eigenschaft macht sie durch den übernatürlichen Glaubenssinn des ganzen Volkes dann kund, wenn sie ‚von den Bischöfen bis zu den letzten gläubigen Laien’ ihre allgemeine Übereinstimmung in Sachen des Glaubens und der Sitten äußert.“ Und wieder ein Satz später äußert das Konzil, dass „das Gottesvolk unter der Leitung des heiligen Lehramtes den einmal den Heiligen übergebenen Glauben unverlierbar festhält“. Es bleibt also bei der seit 2000 Jahren gültigen Regelung, dass der ursprüngliche apostolische Glauben unverändert vom Lehramt weitergegeben wird. Wenn das Volk Gottes in seiner Gesamtheit zustimmt, bedeutet dies nicht mehr als eine Bekräftigung.

Mit dieser trickreichen Methode werden die Fundamente des Glaubens unzulässig verändert und die Lehre des 2. Vatikanischen Konzils ausgehöhlt und aufgegeben. Der Orientierungstext des Synodalen Weges verwechselt immer wieder die Zuständigkeiten von Lehramt und Theologie: letzteres wird immer positiv dargestellt, während für das Lehramt wertschätzende Hinweise Mangelware sind. Manches wirkt wie eine Instrumentalisierung des Synodalen Weges durch wortführende Vertreter der Theologie. Der Orientierungstext beantwortet auch die Frage eindeutig, wie sich der Synodale Weg selbst versteht: als Vertretung der Theologie, nicht des Lehramtes.

Folgerichtig kann er sich dann aber nicht in die Funktion des Lehramtes transformieren, was er bisher massiv für sich beansprucht. Denn in den unterschiedlichen Themenbereichen des Synodalen Weges werden weitreichende Forderungen aufgestellt, die im Widerspruch zu Überlieferung und Lehramt der Kirche stehen.

Der Orientierungstext argumentiert aus der Sichtweise der Theologie und übernimmt nicht die besondere Verantwortung, welche das kirchliche Lehramt in der Nachfolge des von den Aposteln überlieferten Glaubens ausübt.

Die Theologie hat vielmehr eine Dienstfunktion für das Lehramt, bekräftigt das Zweite Vatikanische Konzil: „Die katholischen Exegeten und die anderen Vertreter der theologischen Wissenschaft müssen in eifriger Zusammenarbeit sich darum mühen, unter Aufsicht des kirchlichen Lehramts mit passenden Methoden die göttlichen Schriften zu erforschen und auszulegen …“ (DV 23).

Dieser Beitrag erschien erstmalig bei CNA Deutsch.

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von Martin Grünewald
Der Journalist war 36 Jahre lang Chefredakteur des Kolpingblattes/Kolpingmagazins in Köln und schreibt bis heute für die internationale Nachrichtenagentur CNA. Weitere Infos unter: www.freundschaftmitgott.de

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