Unser Autor Helmut Müller fragt: Waren diese Worte Teile eines Dialogs, den einer der Pfleger Papst Benedikts gehört hatte? Sollte der Pfleger etwa ein „si“ vor dem Signore überhört haben? Jedenfalls erinnert das an einen Dialog zwischen Jesus und Petrus in Johannes 21, 15 – 23. Nach einem dreimaligen Fragen Jesu „Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich“ (Vers 16) antwortet Simon [Petrus] „Ja, Herr du weißt, dass ich dich liebe“.

Eine Antwort vor dem ewigen Richter?

Darf man das, was der Pfleger gehört hat, mit dem verbinden, was Papst Benedikt fast genau ein Jahr zuvor gesagt hat, er stehe bald vor seinem ewigen Richter? Und hat dieser ewige Richter ihn gefragt wie damals Simon Petrus, „liebst du mich?“ Ist die Antwort, die der Pfleger gehört hat in diesem Kontext richtig untergebracht? Alles in diesem 95-jährigen Leben, das an einem Karsamstag in die Gemeinschaft des ewigen Richters und Fragestellers hier auf der Erde aufgenommen wurde, bestätigt die Antwort, und acht Jahre lang ist er als Papst dieser Liebe auch in spezifischen Weise gerecht geworden, eben so dem Auftrag, der der Antwort folgte: „Weide meine Lämmer.“ Das hat er 8 Jahre lang aktiv getan und offensichtlich weitere acht Jahre als papa emeritus im Gebet.

Sie [an]erkannten seine Wege nicht

Wie diese Tätigkeit von der Welt wahrgenommen wurde, zeigen Teile der Tageslesung aus dem Hebräerbrief vom Donnerstag der ersten Woche (12. 1. 23). Was von Israel gesagt wurde passt auch auf das neue Gottesvolk (vor allem in Deutschland): Sie haben ihn „versucht, sie haben mich auf die Probe gestellt und hatten doch meine Taten gesehen, vierzig Jahre lang. […]: Immer geht ihr Herz in die Irre. Sie erkannten meine Wege nicht.“
Auch die lebenslangen Wege des Täuflings vom Karsamstag wurden sehr oft nicht verstanden: Sein lebenslanges Wirken als Theologe, Erzbischof, Präfekt der Glaubenskongregation und schließlich als Papst, der sich Benedikt nannte.

Von der bayrischen Heimat in „das Land meiner Ruhe“

Die Tageslesung schließt mit den Worten: „[…] an Christus haben wir nur Anteil, wenn wir bis zum Ende an der Zuversicht festhalten, die wir am Anfang hatten.“ Daran hat Papst Benedikt sein ganzes Leben lang festgehalten: Von jenem Karsamstag an, als sein Leben in der bayrischen Heimat begann und am letzten Tag des Jahres in Rom auf dieser Erde zu Ende ging. Er ist jetzt sicherlich, wie es im gleichen Brief heißt im „Land meiner Ruhe [ange]kommen.“


Dr. phil. Helmut Müller

Philosoph und Theologe, akademischer Direktor am Institut für Katholische Theologie der Universität Koblenz-Landau. Autor u.a. des Buches „Hineingenommen in die Liebe“, FE-Medien Verlag, Link: https://www.fe-medien.de/hineingenommen-in-die-liebe

Beitragsbild: Thronender Christus im Apsismosaik der Basilika Santa Croce in Gerusalemme, Rom (bearbeitet)

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