Stellungnahme der Initiative „Neuer Anfang“ zu dem am 11. April 2022 veröffentlichten Brief von 74 Bischöfen an die deutschen Amtsbrüder unter dem Titel: „EINE ANTWORT AUF DIE SITUATION IN DEUTSCHLAND: EIN BRÜDERLICHER BRIEF AN UNSERE MITBRÜDER IM BISCHOFSAMT IN DEUTSCHLAND“.

Der „Brüderliche Brief“ an die deutschen Bischöfe, den zu unterzeichnen 74 Bischöfe aus den USA; Afrika, Kanada und Australien ihre Kollegen in aller Welt zudem einladen, ist ein Paukenschlag für die Kirche in Deutschland. Seit Wochen und Monaten häufen sich die weltkirchlichen Distanzierungen vom deutschen „Synodalen Weg“: Die Briefe des polnischen Erzbischofs Gądecki und der Nordischen Bischofskonferenz, die klaren Einsprüche von weltkirchlich führenden Kardinälen wie Koch, Pell und Kasper, schließlich das öffentlich bekundete Missfallen des Papstes. Was nun, am 11. April 2022 – von Amerika ausgehend – als konzertierte Aktion von Bischöfen in aller Welt auf dem Tisch von Bischof Bätzing landete, ist ein neuer Höhepunkt der Kritik.

Der „brüderliche Brief“ stellt im Grund genommen eine Abfuhr erster Klasse für den Traum von einem katholischen deutschen Sonderweg dar. Da die Lehrautorität der Katholischen Kirche bei der Gemeinschaft der Bischöfe liegt, die sie „cum Petro et sub Petro“ (mit und unter Petrus) ausüben, sind die massiven Einsprüche ausländischer Bischöfe keine unerheblichen kollegialen Kritteleien und auch keine unerlaubte Einmischung in interne Angelegenheiten der deutschen Ortskirche. Es handelt sich stattdessen um den rechtmäßigen Einspruch von Bischöfen, die aus universalkirchlicher Verantwortung (Konzil, Lumen Gentium 22) den „Ernst der Lage“ für die Gesamtkirche erkennen, nämlich „die Verwirrung, die der Synodale Weg bereits verursacht hat und weiterhin verursacht, und einem dadurch unweigerlich drohenden Schisma im Leben der Kirche“  – um direkt aus dem Brief zu zitieren.

Auf dem Weg zu #OutOfChurch

In sieben Punkten und deutlichen Worten wird dort der „Synodale Weg“ als eine evangeliumsferne „Sackgasse“ beschrieben:

Er untergrabe die kirchliche Autorität „einschließlich der von Papst Franziskus, die christliche Anthropologie und Sexualmoral sowie das Vertrauen in die Heilige Schrift.“

Er sei mehr von „soziologischen Analysen und zeitgenössischen politischen Ideologien, einschließlich der Genderideologie“ bestimmt, als vom Wort Gottes.

Er zerstöre durch einen falschen Begriff von Autonomie die christliche Idee von Freiheit, die „nach der Lehre der Kirche an die Wahrheit gebunden und auf das Gute und letztendlich auf die Glückseligkeit des Menschen hin geordnet“ sei.

Die Bischöfe vermissen zudem die „Freude des Evangeliums“, kritisieren den Synodalen Weg als „bürokratielastig, zwanghaft kritisch und nach innen gerichtet“ und entdecken „mehr Unterwerfung und Gehorsam gegenüber der Welt und deren Ideologien als gegenüber Jesus Christus, dem Herrn und Erlöser.

Sie widersprechen der „Fokussierung des Synodalen Weges auf „Macht“, was im Widerspruch stehe zum Wesen des Volkes Gottes, das „familiär, komplementär und hierarchisch“ organisiert sei, „ein Volk, das durch die gemeinsame Liebe aller zu Jesus Christus und zueinander im Namen Christi zusammengehalten wird.“

Die „Reform der Strukturen“ sei noch lange nicht „Bekehrung der Herzen“ und „Begegnung mit Jesus“, was allein wegführe „von einem Leben in Sünde und Unglück.“

Der falsche Reformansatz könnte schließlich Gläubige dazu verführen, „der Idee von ´Synodalität´ selbst zu misstrauen“, wie sie Papst Franziskus als Prinzip der Kirche immer wieder herausstellt.

Auf den Punkt gebracht, senden die Kardinäle und Bischöfe aus den USA, Kanada, Australien, Afrika die klare Botschaft, wenn ihr Deutschen so weitermacht, seid ihr nur noch #OutOfChurch, eine Sekte am Rand der Weltkirche.

Es gibt keinen „dritten“ Weg

Für Bischof Bätzing gibt es nur zwei Optionen: Entweder er rudert zurück und sucht das Einvernehmen mit Rom und der Weltkirche – oder er treibt die Dinge in Richtung Schisma voran. Das bedeutet unter anderem, dass eine Reihe von Beschlüssen des Synodalen Weges Makulatur sind – oder dass sie gelten sollen, koste es selbst die Einheit mit der Weltkirche. Einen dritten Weg gibt es nicht.

Der „Brüderliche Brief“ der Bischöfe wirft ein grelles Schlaglicht auf eine Ortskirche, deren Personal sich seit Jahrzehnten immer weiter von authentischer Lehre und Disziplin der Universalkirche entfernt hat: Jeder kennt Religionslehrer, die sich nicht mehr mit der Kirche identifizieren, Priester, die (von ihren Bischöfen unbehelligt) im Konkubinat leben, pastorale Mitarbeiter, die unverhohlen gegen Papst und Bischöfe polemisieren. Mehr noch, gerade haben mehrere Bistümer gar explizit angekündigt, die Ahndung von Verstößen gegen das kirchliche Arbeitsrecht nicht mehr ahnden zu wollen.

Der im Wesentlichen von Kirchenfunktionären getragene „Synodale Weg“ hat den Reformprozess unter dem Vorwand des „Missbrauchs“ innerhalb der Kirche im Alleinvertretungsanspruch an sich gerissen und dient bei Licht besehen einem kirchenpolitischen Manöver.

Faktisch geht es inhaltlich um eine neue Machtverteilung und die Rechtfertigung dissidenter Mitarbeiter im Kirchenapparat, um die kollektive Ent-Schuldigung derer, die sich eine alles erlaubende Moral zurechtbasteln, weil sie sich im Geheimen schon längst von den Anforderungen des Evangeliums verabschiedet haben. Die Weltkirche toleriert das nicht mehr. Das ist die Botschaft der weltweiten Bischöfe, denen sich die Kirche in Deutschland nun stellen muss.


Den Brief in autorisierter deutscher Übersetzung inklusive der Unterschriften aller Unterzeichner, finden Sie hier unter dem Link als PDF.
Das Original in englischer Sprache finden Sie hier unter dem Link.

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