Immer wieder ist in den letzten Wochen eine Nachrichtenagentur wie die KNA dadurch aufgefallen, dass sie Ereignissen um den Synodalen Weg eine Wendung gab, die sie jenseits objektiver Berichterstattung zugunsten des Synodalen Wegs färbte. Das hat erst zuletzt aufgehört, als es absolut unmöglich wurde. Franz Grunewald analysiert ein Beispiel noch aus jüngster Zeit. Denn das sollte nicht vergessen werden.
Der brisanten Nachricht den Stachel genommen
„Vatikan veröffentlicht Absage an deutsche Bischöfe zu Segensfeiern“ – Das klingt, als ob das Thema damit definitiv geregelt wäre. Müsste es eigentlich sein, ist es aber natürlich nicht. Die KNA-Nachricht ist so aufgemacht, dass der eigentliche Knackpunkt, auch wenn von einem solchen im Text die Rede ist, verdeckt bleibt und der im Grunde für die deutschen Bischöfe hochbrisanten Nachricht der Stachel genommen wird. Es lohnt sich, die Nachricht etwas genauer unter die Lupe zu nehmen.
Verschobene Verantwortung
Der Vatikan wird als Subjekt des Handelns dargestellt und damit auch als Verantwortlicher für die Konfliktlage: Der Vatikan will für klare Verhältnisse sorgen. Der Vatikan lehnt den deutschen Vorstoß für die gewünschten Segensfeiern ab. Der Vatikan stört sich an den geplanten Segensfeiern. Das Problem aus deutscher Perspektive ist ganz klar der Vatikan – selbst in einem Text, der als Bericht daherkommt. Dass die Verantwortung für die Reaktion des Vatikans bei der Majorität der deutschen Bischöfe liegt, fällt geflissentlich unter den Tisch.
Täuschungsversuch
Die Einordnung täuscht über den wahren Sachverhalt hinweg: Es ist keineswegs so, dass „damit […] die Debatte eine neue Wendung zwischen Rom und denjenigen deutschen Bischöfe“ nähme, die die in Frage stehende Segnung befürworten. Es klingt wie ein Moment der Unberechenbarkeit, als ob der Vatikan sich plötzlich anders verhalte als bisher. Von einer neuen Wendung könnte man nur sprechen, wenn es neue Tatsachen gäbe. Das ist aber nicht der Fall. Die Position des Vatikans ist den Bischöfen seit 2024 bekannt. Für gläubige Christen ist sie zudem in keiner Weise überraschend. Und der Bericht weiß es selbst: „Zuletzt hatte am 23. April [2026] Papst Leo XIV. auf die entsprechende Frage einer Journalistin geantwortet, der Vatikan habe den deutschen Bischöfen mitgeteilt, dass man solche offiziellen Segnungsfeiern ablehne.“
Echte “neue Wendung”
Der „entscheidende Knackpunkt“ – wenn man es schon so bezeichnen will – liegt darin, dass mit der vatikanischen Veröffentlichung eines Schreibens, das den deutschen Bischöfen längst bekannt ist, für die ganze Öffentlichkeit deutlich wird, dass sich diese deutschen Bischöfe außerhalb der Übereinstimmung mit Rom befinden. Vom ZdK ganz zu schweigen. Solange man nicht umkehrt und das Segnungspapier ins Feuer schmeißt. Das wäre dann tatsächlich eine „neue Wendung“ in der Debatte, bedingt durch neue Fakten oder Ereignisse. Die Trotzreaktionen von Bätzing und Co. lassen jedoch nichts Entsprechendes erwarten. Bleibt abzuwarten, wie der neue Vorsitzende der DBK, Bischof Heiner Wilmer, auf die angeblich neue Wendung reagiert.
Franz Grunewald
Jg.1960, Lehrer für Deutsch und katholische Religion seit 2015 am Gymnasium Ursulaschule in Osnabrück, davor fast 10 Jahre in München. Kinderlos verheiratet. Motto: “Dienen heißt den unteren Weg gehen!” (Zitat von einem inzwischen verstorbenen Priester)
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