Pressemitteilung der Initiative Neuer Anfang 
07.05.2026

Eine nötige Klarstellung aus Rom

„Ehrlich, geradlinig und dabei menschlich bleiben, das ist die Aufgabe unserer Zeit“

Am 6. Mai 2026 hat Kardinal Fernandez klargestellt, dass die Erklärung „Segen gibt der Liebe Kraft. Segnungen für Paare, die sich lieben. Handreichung für Seelsorger*innen“ mit der Lehre der Kirche, hier insbesondere mit der Erklärung „Fiducia supplicans“, nicht übereinstimmt. Dieser Klarstellung aus Rom war eine lange Phase von Dialog und Schriftwechseln zwischen der römischen Kurie und den deutschen Bischöfen vorausgegangen.

Der Neue Anfang zeigt sich über die Kommunikation der Deutschen Bischofskonferenz besorgt und verwundert. Offensichtlich haben zahlreiche Diözesen in Kenntnis der römischen Ablehnung der Handreichung diese dennoch für ihre Bistümer in Kraft gesetzt und damit leichtfertig die Einheit mit einem Teil der deutschen Bischöfe und mit der Weltkirche aufs Spiel gesetzt. Nach der kürzlich erfolgten Veröffentlichung des Schreibens vom 18. November 2024 und der gestrigen Klarstellung von Víctor Kardinal Fernández, dass dieses Schreiben inhaltlich auch für die aktuelle Version der Handreichung gilt, sollte ein Festhalten an der Handreichung ausgeschlossen sein.

Dazu stellt der Mitgründer des Neuen Anfangs, Bernhard Meuser, fest: “Wir sehen mit Dankbarkeit, dass Rom nun eine Analyse bestätigt, die vom „Neuen Anfang“ von der ersten Minute an vorgetragen wurde: „Segen gibt der Liebe Kraft“ steht in einem unauflöslichen Widerspruch zu „Fiducia supplicans“. Die deutsche Handreichung verletzt sowohl die authentische Lehre der Kirche zu Liebe und Sexualität, wie sie den Sinn kirchlicher Segensbitten entstellt.” Im Gegensatz zu den römischen Stellungnahmen der vergangenen Tage hatte das Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz behauptet, der Entwurf der Handreichung sei nach Eingang des oben genannten Briefes noch einmal überarbeitet worden, um den kritischen Anmerkungen Rechnung zu tragen. Kardinal Fernandez hat allerdings klargestellt, dass den Anmerkungen Roms keineswegs entsprochen wurde.

„Für viele Gläubige geht mit der Klarstellung aus Rom eine Zeit der Verunsicherung zu Ende“, betont die Sprecherin der Initiative Neuer Anfang, Kerstin Goldschmidt, „die deutliche und entschiedene Einordnung schafft Orientierung. Wir sind dankbar, dass es deutliche Signale aus Rom gibt, die zur Einheit mit der ganzen Kirche aufrufen. Lasst uns in der Mitte der Kirche bleiben, loyal zum Papst, aber auch menschlich zugewandt denen, die anders denken.” Der Theologe Martin Brüske, Mitgründer des Neuen Anfangs, hält fest: „Nach einem langen Weg der Geduld, der durch eine Fülle von klaren, teilweise auch rechtsverbindlichen Signalen, aber ohne direkte Anwendung von Zwangsmitteln gekennzeichnet war, hat Rom gestern ein allerletztes Signal gegeben: Die Zeit der Geduld ist so gut wie aufgebraucht. Kardinal Fernández hat die Situation der Segensfrage im Spiel zwischen Rom und Deutschland eindeutig gemacht. Sie war bis zuletzt auf deutscher Seite durch Unwahrhaftigkeit und Manipulation gekennzeichnet.“

Nach der erneuten römischen Klarstellung ist zu erwarten, dass alle Bischöfe diese Handreichung unverzüglich zurückziehen und die Seelsorger anweisen, sich an die Erklärung „Fiducia supplicans“ zu halten. In der diplomatischen Sprache der römischen Kurie fiel durch den Mund von Kardinal Parolin gestern erstmalig das Wort Sanktionen. Die deutschen Bischöfe stehen damit vor der Alternative: Gehorsam oder Bruch. Es ist davon auszugehen, dass die deutschen Bischöfe die Einheit mit Rom zuletzt nicht auf das Spiel setzen werden. Es bleibt jedoch zu beachten, dass der deutsch-römische Dialog auch einen Lernprozess in Gang gesetzt hat. Im Sinne der Einheit, so ist zu hoffen, sollte dieser Lernprozess weitergehen.  

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