Der Synodale Weg hat sich verlaufen. Stephan Raabe über den Anschein einer kirchlichen Synode mit “top-down”-Prinzip, ein verkorkstes Umsetzungsmonitoring und manipulative synodale Rechenspiele. Am Ende bleiben Uneinigkeit, Ratlosigkeit und eine große Herausforderung für Rom.
Der „Synodale Weg“ in der katholischen Kirche in Deutschland ist mit der sechsten Versammlung Ende Januar 2026 in Stuttgart nach gut sechs Jahren ans Ende gekommen. Konzipiert und beschritten wurde er insbesondere von Vertretern des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), in dem Laien aus Verbänden, Diözesanräten und Einzelpersonen engagiert sind, und der Deutschen Bischofskonferenz (DBK). Obwohl die Begrifflichkeit den Anschein einer kirchlichen Synode erweckte – man sprach von „Synodalen“, „Synodalversammlungen“, „Synodalforen“ oder einem „Synodalpräsidium“ – hatte man bewusst nicht das kirchenrechtlich verbindliche, aber einengende Format einer Synode gewählt, sondern ein Gremium eigener Art zusammengestellt, dessen Beschlüsse laut der eigenen Satzung (Art. 11, Abs. 5) „von sich aus keine Rechtswirkung“ entfalten.
Das verschaffte den Beteiligten – anfangs waren es 230 Mitglieder, zuletzt noch 214, die Mehrheit kirchliche Funktionsträger – den Spielraum, bei den Themenschwerpunkten: (1) Macht und Gewaltenteilung, (2) Priesterliche Existenz, (3) Frauen in Diensten und Ämtern der Kirche, (4) Sexualität und Partnerschaft, lang gehegte Veränderungswünsche die Lehre und Konstitution der Kirche betreffend zu beraten und „zu beschließen“. Christian Geyer beschrieb das in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung jüngst treffend: Wie in einem „kirchlichen Phantasialand“ habe man in einer „Parallelveranstaltung zur rechtlich verfassten Kirchenrealität“ die seit Jahrzehnten in Deutschland als heiße Eisen gehandelten Themen kirchliche Sexualmoral, Zölibatsverpflichtung, Weihe von Frauen, kirchliche Dienstordnung und Machtbeteiligung neu geschmiedet, „sodass auf Beschlussebene nahezu keine Wünsche offenblieben“.[1]
Am Ende dieses Weges stellte sich nun aber die Frage, was aus all den „Beschlüssen“, in die die Beratungsergebnisse mündeten, werden soll. Sie wurden bereits 2023 auf über 300 Seiten dokumentiert.[2] Von wem aber überhaupt studiert und genauer wahrgenommen? Eine 27-seitige tabellarische Übersicht vom 21. November 2023 enthält eine Aufstellung der aus den 15 Beschlüssen des „Synodalen Wegs“ folgenden Aufgaben. Sie soll der Umsetzung der Beschlüsse „auf allen Ebenen und durch die vielfältigen Akteure“ in der katholischen Kirche in Deutschland dienen. Die umfangreiche Textsammlung wurde 2024/25 noch durch vier weitere Handlungstexte ergänzt, die von einem „Synodalen Ausschuss“ im Nachgang zu den „Synodalversammlungen“ verabschiedet wurden, die – wie gesagt – keine Synode waren, nur den Anschein einer solchen erwecken wollten.
“Top down”-Prinzip
Das Prinzip ist eindeutig „top down“: Eine rechtlich unverbindliche, nicht repräsentative Versammlung bzw. ein Ausschuss beschließt grundlegende Veränderungen mit dem Anspruch, dass diese „auf allen Ebenen“ umgesetzt werden. Allein die Ebenen wurden in den letzten sechs Jahren an dem „synodalen Spiel“ so gut wie gar nicht beteiligt. Nicht umsonst hatte Papst Franziskus in einem eigenen Brief an die deutschen Katholiken 2019 am Anfang des „Synodalen Weges“ eindringlich auf die Versuchung hingewiesen, „die dazu führt, das Volk Gottes auf eine erleuchtete Gruppe reduzieren zu wollen“. Zudem betonte er die Zentralität der Evangelisierung und des Sensus Ecclesiae, der „von Eigenbrötelei und ideologischen Tendenzen“ befreit.[3]
Solange es „bloß“ um die Beschlussfassung von Wünschen, also um „revolutionäre Gedankenspiele“ (Christian Geyer) ging, die in einer weltweiten Glaubensgemeinschaft in den wesentlichen Punkten sowieso nicht in die Kompetenz einer Ortskirche fallen, spielten die deutschen Bischöfe in großer Mehrheit das synodale Spiel mit. Nur eine Minderheit von vier der 27 Diözesan-Bischöfe – der Erzbischof von Köln, Kardinal Woelki, und die Bischöfe von Eichstätt, Passau und Regensburg – entzogen sich ab 2024 der Fortsetzung des unverbindlich verbindlichen Spiels in einem „Synodalen Ausschuss“, der einen „Synodalen Rat“ als ständiges Beratungs- und Entscheidungsgremium konzipieren sollte, ähnlich dem Rat der evangelischen Kirche in Deutschland.
Eine neue „Synodalkonferenz“
Daraus wurde nach Einspruch aus Rom gegen einen „Synodalen Rat“ schließlich der Vorschlag einer „Synodalkonferenz“, die noch der Zustimmung der Deutschen Bischofskonferenz und vor allem der Approbation des Lehramts bedarf. Hier sollen künftig die 27 Diözesanbischöfe, wenn denn alle mitmachen, mit 27 Vertretern des Laien-ZdKs und 27 Hinzugewählten „zu wesentlichen Entwicklungen in Staat, Gesellschaft und Kirche in Deutschland“ Stellung beziehen. Das bedeutet eine Aufhebung der Differenz zwischen den Aufgaben der Geistlichen und Laien, wie sie das Zweite Vatikanische Konzil in der Pastoralkonstitution Gaudium et spes (vgl. GS Nr. 43, 76) definiert hat und birgt die Gefahr eines neuen kirchlichen Integralismus in der Politik, der der legitimen politischen Vielfalt unter den Katholiken widerspricht (GS 43,10f.). Zudem soll die Konferenz „zu wichtigen Fragen des kirchlichen Lebens von überdiözesaner Bedeutung“ beraten und beschließen sowie Beschlüsse „über Schwerpunktsetzungen insbesondere in strategischen Planungsprozessen und im Haushalt des Verbandes der Diözesen Deutschlands (VDD) fassen. Ein eigener Finanzausschuss soll die „Beratungen der Synodalkonferenz über Finanz- und Haushaltsangelegenheiten“ vorbereiten.[4] Dies macht deutlich: hier geht es nicht mehr nur um ein folgenloses Wünschen, sondern um das monitorisierte Wollen dieser Konferenz, um Entscheidungsmacht bestimmter kirchlicher Interessenvertreter des ZdKs, die dieses Gremium eigenmächtig besetzen. Dazu gehört als Mittel die Überprüfung der Umsetzung von Beschlüssen (Satzung Art. 2, Abs. 1, d) und die „Rechenschaftslegung“ über die Umsetzung der Beschlüsse vor dem Präsidium der Konferenz (Satzung Art. 7).
Die Abschlussversammlung des „Synodalen Wegs“
Die sechste und letzte Versammlung des „Synodalen Wegs“ vom 29. bis 31. Januar 2026 in Stuttgart zog nun knapp drei Jahre nach der fünften Versammlung ein gemischtes Fazit bezüglich der Umsetzung der Ergebnisse, ohne sich allerdings mit der grundlegenden Kritik, vor allem mit dem Problem der offensichtlichen Spaltung, auseinanderzusetzen, zu der der „gemeinsame Weg“ sowohl in der Bischofskonferenz wie auch unter Gläubigen und mit Rom geführt hat.
Eine Grundlage dafür war die „Evaluation des Prozesses des Synodalen Weges“ durch zwei Forscher der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. Sie wurde 2025 durchgeführt, wobei sich aber nur knapp 45 % der Mitglieder und nur 29 % der Bischöfe beteiligt hatten, fast 81 % der Befragten war über 50 Jahren, knapp 56 % über 60 Jahren. Die Teilnehmer wurden in drei Gruppen eingeteilt, die die Grundeinstellung der Mitglieder der Versammlung widerspiegeln: zur Gruppe der „Veränderungsorientierten“ wurden 68,5 % gezählt, also mehr als zwe Drittel; zur Gruppe der „Pragmatischen Idealisten“ 21,3 %, ein gutes Fünftel; zur Gruppe der „Kritischen Bewahrer“ nur 10,2 %. Während sich die Bischöfe in allen Gruppen gleichermaßen finden, gibt es unter den „Kritischen Bewahrern“ keine Vertreter des ZdK. Unter den weiteren Teilnehmern gehört die große Mehrheit (79,5 %) zu den Veränderungsorientierten. Die kleine Minderheit der „Kritischen Bewahrer“ „ist deutlich der Ansicht, dass die Beschlüsse des Synodalen Wegs zu weit gingen. (Sie) hat den Synodalen Weg wesentlich schlechter erlebt, hatte mitunter das Gefühl, unter Druck zu geraten und kein gleichwertiges Mitglied zu sein. Die Grundspannung besteht darin, dass dieses Cluster ein hierarchisches Synodalitätsverständnis vertritt, das nach einer möglichst konsensuellen Beratung die letzte Entscheidung dem Amt überlassen möchte. Ein Hauptkritikpunkt dieses Clusters ist die aus ihrer Sicht ungleich erfolgte Besetzung der Synodalforen und der Synodalversammlung.“ Bemerkenswert ist, dass die befragten Mitglieder der Versammlung des „Synodalen Weges“ tendenziell selbst nicht meinen, dass der Prozess „das erreicht hat, wozu er ursprünglich angetreten war: Die Behebung systemischer Ursachen sexualisierter Gewalt.“ Einen Wiedergewinn von verlorengegangenem Vertrauen vermuten die Gremienmitglieder ebenfalls nicht. Man fragt sich, warum das so ist. Hat man sich mit zu vielen anderen Themen, die auf der Agenda standen, verzettelt? Einen großen Beitrag sehen die Teilnehmer hingegen „bei der Enttabuisierung bislang unausgesprochener Themen und beim Vorangehen in der Synodalität der katholischen Kirche.“[5] Das erstaunt, denn außer der relativ neuen queeren sexuellen Vielfalt sind die aufgerufenen Themen und Wünsche alle „alte Eisen“, und das Verständnis von Synodalität beim „Synodalen Weg“ war ein deutlich anderes als bei der römischen Bischofssynode über Synodalität. Hier scheint einmal mehr das Selbstverständnis als „erleuchtete Gruppe“ auf.
Umsetzungsmonitoring
Eine zweite Grundlage für die Zwischenbilanz war das „Monitoring der Umsetzung der synodalen Handlungstexte“ durch eine Arbeitsgruppe, die diesbezüglich mit Fragebögen an die 27 Diözesen, die DBK und das ZdK herantrat. Gegenstand der Umsetzungskontrolle waren die Schwerpunkte des „Synodalen Weges“: die Einbeziehung der Gläubigen bei der Bischofswahl, die lehramtliche Neubewertung von Homosexualität, die neue Grundordnung des kirchlichen Dienstes, der Zölibat der Priester, die Verkündigung und Sakramenten-Spendung durch Laien, Segensfeiern für nichteheliche Paare, der Umgang mit sexualisierter Gewalt und mit geschlechtlicher Vielfalt (Gendertheorie) sowie Frauen in sakramentalen Ämtern.[6] Kein Thema waren dagegen etwa neue Ansätze der Evangelisierung nach innen und außen angesichts der verbreiteten Gottvergessenheit sowie der „Sensus Ecclesiae“ als Horizont für die Ortskirche in Deutschland, so wie es Papst Franziskus aufgegeben hatte, auch nicht der Stand der Jugend- und Familienarbeit, die Qualität der Katechese, spirituelle oder soziale Impulse, der Kontakt zu und die Beteiligung von Katholiken in den Gemeinden, der Nachwuchs von Priestern und Eheleuten etc.
Der Passauer Bischof Stefan Ostern hat dazu in seiner ausführlichen Bilanz zum „Synodalen Weg“ festgestellt: Das Umsetzungsmonitoring setze die veränderte Lehre und neu beschlossene Agenda voraus; durch die Praxis in Deutschland solle die Lehre geändert werden, wodurch die Spaltung in der Kirche vertieft werde. Da er aber „von der Gültigkeit und dem Wert der bestehenden Lehre überzeugt“ sei, könne er „den allermeisten Punkten im Monitoring und seinen Forderungen nach Umsetzung auch nicht folgen. Auch weil ich als Diakon, Priester und Bischof mehrfach feierlich versprochen habe, die Lehre der Kirche zu bewahren und zu verkünden.“[7] Dementsprechend haben sich Bischof Oster, die Bischöfe von Eichstätt, Köln und Regensburg, aber größtenteils auch der neue Bischof von Osnabrück am Umsetzungsmonitoring nicht beteiligt.
Die Kontrolle der Umsetzung der „Beschlüsse“ des „Synodalen Weges“ und damit die konkrete Umwandlung der Kirche ist also – öffentlich weitgehend unbemerkt – bereits im vollen Gange, unabhängig davon, wie Rom sich dazu verhält, wie man es etwa an der umstrittenen, von Rom kritisierten Handreichung von DBK und ZdK zu „Segensfeiern für Paare“ beobachten kann. Auch stellt sich die Frage, worin zum Beispiel der Fortschritt in Bezug auf Glaubwürdigkeit und Authentizität der Kirche bestehen soll, dadurch dass in allen Bistümer jetzt „akzeptiert wird“, dass beim katholischen Profil kirchlicher Einrichtungen den „Loyalitätsobliegenheiten und der Lebensführung“ der Mitarbeiter weniger Bedeutung zukommt, das Profil stattdessen durch Leitbilder und top down durch die Dienstgeber und Träger sichergestellt werden soll. Man stelle sich das katholische Profil einer Schule vor, in der es kaum noch katholische Lehrer oder vor allem Lehrer gibt, die eben „anders katholisch“ sein wollen. Da bleibt nicht viel mehr als ein (falsches) Etikett. Wenn selbst für die hauptamtlichen Mitarbeiter der Kirche katholische Maßstäbe und Loyalität zur Kirche nicht mehr verbindlich sind und derart relativiert werden, wieso sollten sie dann für die „normalen“ Katholiken Geltung beanspruchen? Das hat eher etwas mit der Selbstaufgabe eigener Ansprüche und dem „Anpassen an den Zeitgeist“ zu tun, vor dem Papst Franziskus gewarnt hatte [8], ebenso mit dem Erhalt der vielfältigen katholischen Einrichtungen, die zwar durch Steuern nach wie vor ermöglicht, aber oft personell kaum noch katholisch geprägt werden können. So setzt sich die „Selbstsäkularisierung der Kirche“ in Deutschland fort, die Bischof Oster diagnostiziert hat.[9] Bezeichnend ist, dass gerade dieser Beschluss, der die kirchlichen Mitarbeiter betrifft, die auch einen Großteil der Teilnehmer des „Synodalen Wegs“ ausmachen, von denen wiederum sehr viele mit den in ihren Augen nicht mehr zeitgemäßen, zumutbaren, also obsoleten kirchlichen Ansprüchen seit langem hadern, schnell die größte Akzeptanz gefunden hat und zeitnah realisiert wurde.[10]
Dieses Umsetzungsmonitoring soll in den Diözesen und durch die angestrebte „Synodalkonferenz“ als neues Leitungsorgan weitergeführt werden. Das hat die letzte Versammlung des „Synodalen Wegs“ als Aufforderung beschlossen. Der so formulierte Anspruch auf tatsächliche Erfüllung der beschlossenen Wünsche durch eine öffentliche formalisierte Kontrolle traf aber nicht zuletzt bei einem der Väter des „Synodalen Weges“, dem Münchener Erzbischof Kardinal Marx auf klare Ablehnung, indem er bekannte: „Ich will das nicht“. Denn dadurch würde aus dem bisher rechtlich unverbindlichen Raum des „Synodalen Wegs“ ein rechtlich verbindlicher Raum in Konkurrenz und Auseinandersetzung mit dem Lehramt. Die Bischöfe befänden sich zwischen den Stühlen der Rechenschaftspflicht gegenüber Rom einerseits und gegenüber dem nationalen Ober-Gremium (Synodalkonferenz) andererseits, ein inhaltlicher Konflikt, der auf Dauer gestellt würde.
„Synodale Rechenspiele“
Das ginge selbstverständlich nur mit den Diözesanbischöfen, nicht gegen sie. Deshalb ist deren Abstimmungsverhalten in dieser Frage auf der letzten Versammlung des „Synodalen Wegs“ von zentraler Bedeutung. Bisher liegt keine namentliche Abstimmungsliste vor, aus der ersichtlich wäre, welche Diözesanbischöfe wie abgestimmt haben. Aber Gabriel Weiten hat auf seiner Facebookseite[11] die „Synodalen Rechenspiele“ offengelegt. Sie zeigen, dass die tatsächliche Zustimmung unter den Bischöfen gering war. Denn nur 21 Bischöfe stimmten mit Ja, 10 mit Nein bei 2 Enthaltungen. Damit ist laut Versammlungsregie zwar die notwendige Zweidrittel-Mehrheit der Bischöfe gerade so erreicht. Doch tatsächlich haben nur 35,6 % der aktuell 59 Bischöfe (Diözesan- und Weihbischöfe) zugestimmt, ein gutes Drittel. Wie ist die deutliche Diskrepanz zu erklären? 47 Bischöfe sollen laut Teilnehmerliste bei der Versammlung anwesend gewesen sein. Eine Zweidrittel-Mehrheit wäre demnach mit 32 Ja-Stimmen der Bischöfe erreicht. Aber von diesen 47 haben nur 33 abgestimmt. Der Rest war nicht mehr oder gerade eben nicht anwesend oder wollte nicht abstimmen. Somit wären also für die bischöfliche Zweidrittel-Mehrheit nur noch 22 Stimmen notwendig gewesen. Es gab aber nur 21 Ja-Stimmen. Aber auch das war kein Problem. Denn jetzt griff der „synodale Rechentrick“: die 2 Enthaltungen werden nicht mitgezählt (so auch in der Satzung der neuen Synodalkonferenz), obwohl die zwei Bischöfe, die sich enthielten, ja offensichtlich anwesend waren. Damit war die notwendige Zweidrittel-Mehrheit endlich geschafft, denn bei 31 Bischöfen, die anwesend waren und entweder mit Ja oder Nein gestimmt haben, sich also durch den Druck auf den Knopf „Enthaltung“ nicht selbst in Luft aufgelöst haben, reichten genau 21 Stimmen.
Bei der Beschlussfähigkeit der Versammlung ist es wiederum andersherum. Für sie war die Anwesenheit von zwei Dritteln der aktuell 214 Mitglieder notwendig, also von 143 Teilnehmern. Hier zählen die zuvor durch Enthaltung in Luft aufgelösten Mitglieder mit und auch die gar nicht mehr anwesenden Mitglieder, solange niemand einen Antrag auf Feststellung der Beschlussfassung stellt. So galt die Beschlussfähigkeit trotz der zu geringen Zahl der tatsächlichen Stimmen beim Votum für das Monitoring: 122 Ja, 11 Nein, 6 Enthaltungen = 139. Eine reduzierte Gemeinsamkeit/Synodalität, bei allerdings deutlicher Mehrheit für das Umsetzungsmonitoring. Aber eine überzeugende Grundlage für eine Erneuerung der katholischen Kirche in Deutschland im Einklang mit der Kirche insgesamt, die auf eine breite Akzeptanz trifft, ist dieses Vorgehen des „Synodalen Weges“ sicher nicht. Er verbindet nicht, sondern polarisiert. Er integriert nicht, sondern grenzt aus. Deshalb kommt Bischof Stefan Oster zu dem ernüchternden Ergebnis, dass die weitere Umsetzung der Beschlüsse „den Prozess der Auflösungserscheinungen der Kirche bei uns eher beschleunigen und nicht zu ihrer Erneuerung führen“ werde. Statt tatsächlicher Synodalität gehe es auch in der neuen „Synodalkonferenz“ im Verständnis der Mehrheit der Teilnehmer um die „Umverteilung von Macht. … Die Macht soll nun bei der Versammlung liegen, in der die Nichtbischöfe die Mehrheit haben.“ Die vielen Gläubigen, die sich der lehramtlichen Tradition verpflichtet fühlten, würden sich erneut nicht repräsentiert fühlen in dieser Konferenz und innerlich noch mehr abgehängt werden.[12]
Synodal ist das nicht wirklich, eher autoritär machtbezogen. Der „Synodale Weg“ hat sich verlaufen. Er ist vor allem das Projekt derer, die „anders katholisch“ sein wollen (Bischof Bätzing) und sich zu diesem Zwecke der kirchlichen Strukturen bemächtigen.
[1] Vgl. Christian Geyer: Synodaler Weg. Warum sagt Kardinal Marx: „Ich will das nicht“? In: FAZ vom 6.2.2026
[2] Beschlüsse des Synodalen Weges der katholischen Kirche in Deutschland, hrsg. vom Sekretariat des Synodalen Weges – Bonn 2023 – 326 S. – (Der Synodale Weg; 20)
[3] Schreiben von Papst Franziskus an das pilgernde Volk Gottes in Deutschland vom 29.6.2019, Nr. 9,3, 10,1, 11,1
[4] Artikel 2, Abs. 1 der Satzung der Synodalkonferenz der katholischen Kirche in Deutschland, einstimmig angenommen vom Synodalen Ausschuss am 22. November 2025 in Fulda
[5] Vgl. Katharina Karl, Markus Dumberger: Forschungsbericht. Evaluation des Prozesses des Synodalen Weges in Deutschland (Februar – Oktober 2025), 63, 65, vgl. 16 zur Altersverteilung, 23 ff. zu den Gruppen/Clustern
[6] Vgl. Monitoring der Umsetzung der synodalen Handlungstexte, Sechste Synodalversammlung des Synodalen Weges 29.-31. Januar 2026, Stuttgart zu TOP 4
[7] https://stefan-oster.de/die-selbstsaekularisierung-setzt-sich-fort/
[8] Vgl. aaO. Anm. 3, Nr. 8,3
[9] Vgl. aaO. Anm. 7
[10] Vgl. Monitoring aaO. Anm. 6, S. 7
[11] Vgl. https://www.facebook.com/gabriel.weiten, Beitrag vom 4.2.2026
[12] Vgl. aaO. Anm. 7
Stephan Raabe
ist als Projektleiter in Bosnien und Herzegowina tätig. Er studierte Geschichte, Kath. Theologie, Philosophie und Politik für das Schullehramt in Bonn und München, machte einen Magisterabschluss, arbeitete anschließend zehn Jahre in der Jugendseelsorge im Erzbistum Berlin, war 2002/03 Bundesgeschäftsführer des Familienbundes der Katholiken und als solcher Mitglied im ZdK, ging dann für die Konrad-Adenauer-Stiftung nach Polen und Weißrussland und leitete danach das Politische Bildungsforum der Stiftung in Brandenburg. Publizistisch setzte er sich immer wieder kritisch mit der „Weiterentwicklung“ der Kirche in Deutschland auseinander.
Bildquelle: chat GPT

