In klarer Deutlichkeit hat die römische Kurie mit expliziter Absegnung von Papst Franziskus den deutschen Katholiken in einem aktuellen Brief mitgeteilt, dass niemand das Recht habe einen Synodalen Rat in Deutschland als neues Entscheidungsgremium zu installieren. Der Synodale Rat – die Idee eines Fortsetzungsgremiums nach Ende des Synodalen Wegs im März – ist damit tot. Bischof Bätzing will es in seiner Stellungnahme im Namen der Deutschen Bischofskonferenz anders verstehen. Bernhard Meuser kommentiert das Ping-Pong-Spiel zwischen Rom und Deutschland.

Einer, der es schon früh wusste, dass aus Rom etwas im Briefkasten der Deutschen Bischofskonferenz in Bonn liegt, meinte: „Die Kaiserstraße schäumt …“. Und in der Tat, haben wir es mit Stufe vier des so überaus geduldigen römischen Lehramtes zu tun, aber auch mit Stufe vier deutscher Ignoranz.

Ignoranz in vier Stufen

Stufe eins war der Brief von Papst Franziskus an das „pilgernde Volk Gottes in Deutschland“  bereits im Jahr 2019 der in der Ablage X landete;

Stufe zwei war die Weisung aus dem Staatssekretariat vom 21. Juli 2021, in dem mitgeteilt wurde, es gäbe keinerlei Recht zu lokalkirchlichen Sonderwegen in „Struktur, Lehre und Moral“ (Die lapidare Reaktion hierzulande, das sei: „Nicht mal vom Papst unterschrieben!“).

Stufe drei war dann der Ad Limina Besuch der deutschen Bischöfe in Rom, der 1:1 das universalkirchliche „no way“ für die Forderungen des Synodalen Weges bestätigte und – während der Papst die Geburtstagstorte bei seiner entfernte Cousine weiteren Begegnungen mit den peinlichen Deutschen vorzog – in ein Ultimatum fasste, was die begossenen Bischöfe nach der Landung aus Rom schon nicht mehr wissen wollten.

Als vierte Stufe kamen die inzwischen bekannten Limburger Alleingänge in Sachen Strukturreform und Sexualmoral, die nun in einem, die Daumenschrauben anziehenden Schreiben mündeten (wobei es zunächst einmal um die Herrschaftsverhältnisse in der Kirche geht – nicht um den Skandal einer neuen Sexualmoral). Der Text des von den Kardinälen Parolin, Ladaria und Quellet unterzeichneten Briefes ist in „forma specifica“ ausgestellt; d.h.: Der Papst hat unterschrieben „und seine Übermittlung angeordnet.“

Bischof in der verlängerten Trotzphase

Wer nun gehofft hatte, Bischof Bätzing würde Einsicht zeigen, kennt die Psyche eines Westerwälders nicht und seine angeborene, ins Amt verlängerte Trotzphase. Da ist sie nun schwarz auf weiß da: die direkte, mit voller päpstlicher Autorität ausgestattete Anordnung. Und was macht Bätzing? Er erklärt den doofen alten Herren im Vatikan (Parolin, Ladaria, Quellet, Papst), dass sie immer noch nichts verstanden hätten von den edlen Anstrengungen in der Katholischen Kirche in Deutschland. Setzen! Sechs! Nachsitzen!

Die deutsche Renitenz geht in Level fünf. Bätzing – horribile dictu – bekundet stattdessen seine Dankbarkeit, „dass ein großer Teil des Ständigen Rates erneut den Willen bekräftigt habh, den Beschluss der Synodalversammlung zum Synodalen Ausschuss umzusetzen und die Beratungen aufzunehmen.“ Er lässt Rom wissen, dass man nicht im Traum daran denke, den Anordnungen zu folgen: „Der Synodale Rat, der durch den Synodalen Ausschuss vorbereitet werden soll, wird sich daher entsprechend dem in der Beschlussfassung enthaltenen Auftrag innerhalb des geltenden Kirchenrechts bewegen.“ Das heißt: Wir machen weiter! Und das ist offen bekundeter Ungehorsam. Dazu kann man nur can.751 des kirchlichen Rechtsbuches zitieren:

„Schisma nennt man die Verweigerung der Unterordnung unter den Papst oder der Gemeinschaft mit den diesem untergebenen Gliedern der Kirche.“ Rom wird Level fünf mitgehen, davon kann man ausgehen – was immer das bedeutet.

„Wir sind Kirche“ oder „Sub Petro und cum Petro“

Im Ganzen betrachtet kollidieren hier zwei Denkformen im Umgang mit kirchlicher Macht. Nennen wir sie einmal Demokratie und Kyriokratie. Die „Wir sind Kirche“-Fraktion in Deutschland sagt: Es ist unsere Kirche, und wir wissen selbst, was wir mehrheitlich daraus machen. Das ist eine relativ neue (und ziemlich unausgegorene) Idee. Wer vom Evangelium her denkt, findet dort keinen Anhalt für demokratische Vereinsstatuten.

Durch die Taufe werden Menschen in den Leib Christi implantiert und unterstellen sich dem Herrn der Kirche. Durch ihr Glaubensbekenntnis anerkennen sie Christus als den Herrn der Kirche, der wiederum vollmächtige Hirten bestellt hat, denen es zukommt, das Volk Gottes auf die gute Weide zu führen. Nun sind auch Bischöfe – wie wir alle auch – manchmal sündige, oft eigensinnige, manchmal korrupte Menschen, die den Gottesvolksschafen das gute Gras vorenthalten.

Deshalb spricht man besser von einer wohltemperierten Kyriokratie. Der Bischof kann nicht tun, was wer will. Er muss sub Petro und cum Petro, in Einheit mit den anderen Bischöfen im Hören auf das Wort Gottes auf das Volk Gottes (also synodal) handeln. Das „Wohltemperierte“ an der Kyriokratie ist die Synodalität. Gegen echte Synodalität, hat Kardinal Koch einmal ausgeführt, ist „Parlamentarismus ein Kinderspiel.“

Man sieht an diesem kurzen Ausflug in die Verfasstheit der Kirche, dass sich eine Reihe von Bischöfen nicht wirklich klar sind über ihre Rolle, ihre Spielestärke und den Spielstand. Sie machen Ping. Beim nächsten Pong ist das Spiel aus.

 


Bernhard Meuser
Jahrgang 1953, ist Theologe, Publizist und renommierter Autor zahlreicher Bestseller (u.a. „Christ sein für Einsteiger“, „Beten, eine Sehnsucht“, „Sternstunden“). Er war Initiator und Mitautor des 2011 erschienenen Jugendkatechismus „Youcat“. In seinem Buch „Freie Liebe – Über neue Sexualmoral“ (Fontis Verlag 2020), formuliert er Ecksteine für eine wirklich erneuerte Sexualmoral.

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